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15.11.2016 | Kardiologie | Nachrichten

AHA 2016. PRECISION-Studie

Licht am Ende des Schmerzmitteltunnels?

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Mit der Studie PRECISION ist eine der wohl wichtigsten klinischen Studien zur Klärung des kardiovaskulären Risikos von nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) beim AHA-Kongress in New Orleans vorgestellt worden. Unser Experte vor Ort, PD Dr. Stefan Perings, hat die Studie und ihre Ergebnisse beleuchtet.

Die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) sind schon seit längerem im Fokus der Kardiologenwelt. Der COX-2-Hemmer Rofecoxib wurde bereits 2004 wegen deutlich erhöhter Rate an kardiovaskulären Ereignissen in der APPROVe-Studie vom Markt genommen.

Seit 2013 gibt es auch für Diclofenac eine Kontraindikation für bestehende Herzinsuffizienz, ischämische Herzerkrankung, periphere Arterienerkrankung und zerebrovaskuläre Erkrankung. Andererseits sind NSAR als schmerzlindernde und antientzündliche Medikamente kaum zu ersetzen. Sie gehören zu den weltweit am meisten verordneten Medikamenten mit alleine 100 Millionen Verschreibungen in 2013 in den USA.

Vor diesem Hintergrund ist die Autorengruppe um Dr. Steven Nissen von der Cleveland Clinic der Frage nach der Nichtunterlegenheit in Hinblick auf das kardiovaskuläre Risiko des COX-2-Hemmers Celecoxib im Vergleich zu Naproxen und Ibuprofen nachgegangen. Insbesondere Naproxen wird in den USA häufig als NSAR eingesetzt, wobei in Deutschland Ibuprofen dominiert.

Neben den primären Endpunkten kardiovaskulärer Tod, hämorrhagischer Tod, nicht tödlicher Myokardinfarkt und Schlaganfall wurden die sekundären Endpunkte Gesamtsterblichkeit sowie gastrointestinale und renale Nebenwirkungen untersucht.

24.000 Patienten eingeschlossen

An 926 Studienzentren wurden über 24.000 Patienten mit Arthrose oder rheumatoider Arthritis eingeschlossen und in 3 Studienarme unterteilt. Sie erhielten durchschnittlich entweder Celecoxib 208 mg/d, Ibuprofen 2.043 mg/d oder Naproxen 852 mg/d über durchschnittlich 20,3 Monate mit einem mittleren Follow-up-Zeitraum von 34,1 Monaten.

Mit einer etwas geringeren Anzahl an Ereignissen in der Celecoxib Gruppe wurden die Kriterien zur Nichtunterlegenheit im Vergleich zu Naproxen und Ibuprofen erreicht. Gleichzeitig waren die gastrointestinalen und renalen Nebenwirkungen in der Celecoxib Gruppe etwas geringer. Insgesamt war die Ereignisrate an kardiovaskulären, gastrointestinalen und renalen Ereignissen über 20 Monate mit 8 % relativ gering.

Kein typisches „kardiologisches“ Kollektiv

Diese relativ geringe Ereignisrate spiegelt auch möglicherweise eine der zentralen Schwächen der Studie wieder, nämlich das Patientenkollektiv. Untersucht wurden Patienten mit Arthrose (90 % des Studienkollektivs) und eben kein typisch „kardiologisches“ Kollektiv. Ob nun diese Daten auf die für die Kardiologie relevanten Patienten übertragbar sind ist fraglich. Zudem war die Einnahmetreue der Studienmedikation sehr gering. Am Ende der Studie hatten 69 % aller Patienten die Medikamenteneinnahme gestoppt und 27 % aller Patienten sind im Follow-up verloren gegangen.

Insgesamt vermittelt diese Studie schon ein bisschen weniger „Sorge“ bezüglich COX-2-Hemmer, aber eine Entwarnung oder einen Freibrief für eine Gabe bei unserem häufig schwer kranken kardiologischen Patientengut bietet sie sicherlich nicht.


Der Autor, PD Dr. Stefan Perings, ist geschäftsführender Herausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.  

Literatur

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