Nachrichten 06.07.2020

Neues Medikament bei rezidivierender Perikarditis erfolgreich getestet

Der Wirkstoff Rilonacept hat sich in der entscheidenden placebokontrollierten Phase-III-Studie bei symptomatischen Patienten mit rezidivierender Perikarditis als klinisch wirksam erwiesen, teilt der Studiensponsor mit.

Das Unternehmen Kiniksa Pharmaceuticals informiert aktuell über den erfolgreichen Ausgang der randomisierten kontrollierten Phase-III-Studie RHAPSODY. Sie sollte zeigen, dass Rilonacept bei symptomatischen Patienten mit rezidivierender Perikarditis, die zuvor auf eine konventionelle Behandlung mit nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR), Colchicin oder Kortikosteroiden nicht ausreichend angesprochen hatten, noch wirksam sein würde. Beim primären sowie bei allen wichtigen sekundären Endpunkten habe es im Vergleich zu Placebo hochsignifikante Unterschiede zugunsten von Rilonacept gegeben, teilt das Unternehmen mit.

Rezidivrisiko um 96% reduziert

In der Doppelblind-Phase der Studie, in der die Patienten nach Zufallszuteilung entweder mit Rilonacept (160 mg einmal wöchentlich subkutan injiziert) oder Placebo behandelt und  gleichzeitig konventionelle Perikarditis-Therapien zurückgefahren und schließlich abgesetzt wurden (withdrawal period), verringerte Rilonacept demnach das Risiko für Perikarditis-Rezidive relativ um 96% im Vergleich zu Placebo (Hazard Ratio: 0,04, p<0,0001.

Kriterien für ein klinisches Ansprechen waren die Abnahme der Schmerzintensität (≤ 2,0 auf einer numerischen Rating-Skala zwischen 0 und 10) und ein erniedrigter Wert für den Entzündungsparameter C-reaktives Protein (CRP) von ≤ 0.5 mg/dl. Nach 16 Wochen betrug die entsprechende Responserate 81% in der Rilonacept- und 20% in der Placebo-Gruppe (p=0,0002). Auch nach acht Wochen (p<0,0001) und nach 24 Wochen (p=0,0022) ergaben sich hier signifikante Unterschied zugunsten der Rilonacept-Behandlung. Der Anteil an Patienten ohne oder mit nur minimalen Perikarditis-Symptomen lag nach 16 Wochen bei  81% versus 25% (p=0,0006).

Erste Perikarditis-Therapie mit FDA-Zulassung?

Beim Unternehmen Kiniksa Pharmaceuticals glaubt man, dass Rilonacept angesichts dieser positiven Ergebnisse „das Potenzial hat, die erste von der FDA zugelassene Therapie bei rezidivierender Perikarditis zu werden“. Die US-Gesundheitsbehörde hatte dem Wirkstoff 2019 bereits eine sogenannte “Breakthrough Therapy Designation” für diese Indikation zuerkannt und damit ein beschleunigtes Zulassungsverfahren in Aussicht gestellt. Ein ergänzender Zulassungsantrag (sBLA) für die Indikation rezidivierende Perikarditis soll bei der FDA noch in diesem Jahr eingereicht werden.

An der RHAPSODY-Studie waren 61 Patienten mit rezidivierender Perikarditis beteiligt. Sie mussten mindestens schon drei Perikarditis-Episoden von mindestens eintägiger Dauer durchgemacht haben (Schmerzintensität ≥ 4 auf der numerischen Rating-Skala) und einen CRP-Wert ≥ 1 mg/dl in der Woche vor Erhalt der Studienmedikation aufweisen.

Rilonacept ist ein Fusionsprotein, das den Interleukin-1 (IL-1)-Signalweg blockiert.  Der Wirkstoff  bindet an IL-1α und IL-1β, was bedeuten könnte, dass er einen größeren Umfang an IL-1-vermittelten Effekten blockiert als andere IL-1-Antagonisten. Rilonacept ist in den USA unter dem Warenzeichen Arcalyst® bereits zur Behandlung von autoinflammatorischen Erkrankungen der CAPS-Gruppe (Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrome) zugelassen. Eine in der EU 2009 erteilte Zulassung mit „Orphan-drug-Status“ ist 2012  auf Antrag des Zulassungsinhabers (Regeneron) wieder zurückgenommen worden.