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23.01.2019 | Kardiologische Notfälle | Nachrichten

Akuter Myokardinfarkt

Registerstudie: Impella-Herzpumpen bei kardiogenem Schock ohne Vorteil

Autor:
Peter Overbeck

Bei Patienten mit infarktbedingtem kardiogenem Schock scheint der Einsatz der Herzpumpe Impella Todesfälle nicht zu verringern. Das legen zumindest Ergebnisse einer retrospektiven Analyse  von Wissenschaftlern am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf nahe.

Das Sterberisiko von  Patienten mit kardiogenem Schock nach akutem Herzinfarkt ist sehr hoch. Viele Kardiologen setzen in dieser lebensbedrohlichen Situation kleine Impella-Herzpumpen ein in der Hoffnung, durch mechanische Herzunterstützung klinische Verbesserungen zu erzielen. Derzeit mangelt es aber noch an Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien, dass die Patienten von dieser Therapie tatsächlich profitieren.

Vor diesem Hintergrund legen Forscher um  Professor Dr. Dirk Westermann vom Universitären Herzzentrum Hamburg des UKE nun eine Analyse vor, deren Ergebnisse gegen einen Überlebensvorteil durch das Herzunterstützungssystem Impella zu sprechen scheinen.

Vergleich nach dem „matched pair“-Prinzip 

Westermann und seine Kollegen, darunter Studienleiter Dr. Benedikt Schrage, haben dabei retrospektiv eingeholte Registerdaten von 237 Infarktpatienten, die das Impella-System implantiert bekommen hatten, mit denen von 237 Teilnehmern der vor etwa fünf Jahren publizierten IABP-SHOCK II-Studie verglichen. In dieser Studie war die Überlebensrate von Herzinfarktpatienten mit einem kardiogenen Schock mit und ohne Einsatz einer intraaortalen Ballonpumpe (IABP) untersucht worden. Für die IABP konnte bekanntlich kein Vorteil im Vergleich zu einer optimalen medikamentösen Therapie gezeigt werden – ein Ergebnis, das in der Folge die Praxis verändert hat. 

Für die aktuelle Analyse wurden mittels „matched pair“-Design aus dem Impella-Register und aus der IABP-SHOCK II-Studie passende Paare generiert, die in Merkmalen wie  Alter, Geschlecht, kardiale Auswurfleistung,  Beatmungsdauer und bestimmte Blutwerte weitgehend übereinstimmten. Primärer Endpunkt für den Vergleich war die Gesamtmortalität nach 30 Tagen. 

Kein Unterschied bei der 30-Tage-Mortalität 

Für diesen Endpunkt ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Vergleichsgruppen  (48,5% vs. 46,4%, p=0,64). Daran änderte sich auch dann nichts, wenn die Patienten mit Impella-Pumpen ausschließlich mit jenen Patienten, die eine IABP erhalten hatten, verglichen wurden.

Schwere oder lebensbedrohende Blutungen  (8,5% vs. 3,0%, p<0.01) und periphere Gefäßkomplikationen  (9,8% vs. 3,8%, p=0,01) wurden in der Impella-Gruppe jeweils signifikant häufiger beobachtet. 

Warten auf randomisierte Studien

„Unsere Auswertungen sind kein Ersatz für eine kontrolliert randomisierte Studie, denn diese Studien haben die höchste Evidenz“, betont Westermann in einer Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) anlässlich der Studienpublikation. Sie mahnen nach seiner Ansicht aber zur Vorsicht beim routinemäßigen Einsatz der Impella-Pumpen, bis dass Ergebnisse randomisierter Studien mehr Klarheit über deren Nutzen/Risiko-Profil schaffen.

Das wird wohl noch dauern.  Erst in etwa drei bis vier Jahren werden Ergebnisse einer randomisierten Studie erwartet, die unter dem Akronym Dan SHOCK zunächst in Dänemark gestartet und nach zusätzlicher Einbeziehung deutscher Zentren inzwischen in DanGer SHOCK umgetauft worden ist. Primärer Endpunkt dieser Studie ist die Gesamtmortalität nach sechs Monaten.

Literatur

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