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01.09.2016 | Kardiomyopathie | Nachrichten

Neues ESC-Positionspapier

Der Tumorpatient braucht auch den Kardiologen

Autor:
Dr. med. Peter Stiefelhagen

Antitumoröse Therapien sind mit einer Reihe von kardialen Risiken assoziiert. Deshalb erfordert der Tumorpatient auch kardiologischen Sachverstand. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat jetzt ein entsprechendes Positionspapier herausgebracht, in dem die neuesten Erkenntnisse der Kardio-Onkologie zusammengetragen sind.

„Das Thema „Herz und Krebs“ wird angesichts der demographischen Entwicklung, aber auch der Entwicklung neuer Therapiestrategien immer wichtiger“, so Prof. Stephan Achenbach, Direktor der kardiologischen Universitätsklinik in Erlangen/Nürnberg. Dem wolle man mit einem Positionspapier Rechnung tragen, welches jetzt auf der ESC-Jahrestagung in Rom vorgestellt wurde. Es wurde gemeinsam von der ESC und der ICOS (International CardioOncology Society) erarbeitet und umfasst alle Aspekte dieses Themenkomplexes.

Toxische Kardiomyopathie durch Anthracycline

Die bekannteste kardiale Komplikation im Rahmen der Tumortherapie ist die durch Anthracycline verursachte toxische Kardiomyopathie bei Frauen mit einem Mammakarzinom. Diese limitiert den Einsatz dieser Substanz vor allem bei älteren Patientinnen. Insgesamt dürften in Abhängigkeit von der Dosis und dem Alter 10 bis 45 % der damit behandelten Frauen betroffen sein. Sie kann sehr früh nach der ersten Gabe oder nach einigen Monaten und gar nicht so selten erst viele Jahre nach der Chemotherapie auftreten. So haben Kinder, die mit einem Anthracyclin mit oder ohne Strahlentherapie des Mediastinums behandelt wurden, ein 15-fach erhöhtes Risiko während ihres Lebens eine Herzinsuffizienz zu entwickeln im Vergleich zu Personen ohne Tumorleiden.

Risikofaktoren für die toxische Kardiomyopathie sind neben der kumulativen Dosis weibliches Geschlecht, chronische Niereninsuffizienz, vorbestehende kardiale Erkrankungen bzw. arterielle Hypertonie und eine begleitende kardiotoxische Medikation. Deshalb sollte vor Einleitung der Chemotherapie der Blutdruck optimal eingestellt sein.

Frühdiagnose wichtig

Um die Manifestation der toxischen Kardiomyopathie frühzeitig erkennen zu können, sind regelmäßige Echokardiografie-Kontrollen erforderlich. Das entscheidende diagnostische Kriterium sind eine Abnahme der EF > 10 % vom Ausgangswert. Eine beginnende myokardiale Schädigung lässt sich mit den herkömmlichen Echoparametern wie der EF jedoch nicht zuverlässig erfassen. Dazu bedarf es zusätzlicher Techniken wie dem Speckle-Tracking-Imaging oder dem Gewebedoppler. Für die myokardiale Schädigung spricht eine Veränderung des globalen longitudinalen Strain um > 15 %.

Im Rahmen einer Studie wurde der Frage nachgegangen, ob Nebivolol kardioprotektiv wirkt, also die Manifestation einer Anthracyclin-Kardiomyopathie verhindern kann. Eingeschlossen wurden 60 Frauen mit einem Mammakarzinom, die randomisiert mit 5 mg Nebivolol einmal täglich behandelt wurden. „Durch den Betablocker konnte die Toxizität günstig beeinflusst werden“, so Prof. Mirela Tomescu, Rumänien. Unter Nebivolol ergaben sich in der Echokardiografie keinerlei Hinweise für eine myokardiale Schädigung im Unterschied zu Patienten ohne diese Begleittherapie.

Weitere Risiken

Aber nicht nur die Herzinsuffizienz, sondern auch andere kardiale therapiebedingte Risiken müssen bei einer antitumorösen Behandlung bedacht werden. Dazu gehören die KHK und die degenerativen Veränderungen an den Herzklappen vor allem die Aortenstenose, und zwar als langfristige Folge einer thorakalen Strahlentherapie. „Gerade die Interaktionen zwischen Tumortherapie und koronarer Herzerkrankung, also die kardiovaskuläre Toxizität sind bisher noch kaum erforscht, obwohl sie durchaus relevant sind“, so Achenbach. Mögliche Mechanismen seien Vasospasmen, die endotheliale Dysfunktion und eine prothrombotische Begleitwirkung der eingesetzten Substanzen. 

Literatur

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