Nachrichten 22.04.2017

Takotsubo-Syndrom: Auch Gene könnten ursächlich beteiligt sein

Das sogenannte Broken-Heart-Syndrom könnte auch genetische Ursachen haben. Hinweise dafür liefert eine auf der DGK-Jahrestagung präsentierte genomweite Assoziationsstudie. Hier könnte sich eine neue Möglichkeit der Prävention eröffnen.

Über die genauen Ursachen des Takotsubo-Syndroms ist noch wenig bekannt. Auffällig ist, dass diese nicht ischämisch bedingte, akut eintretende Funktionsstörung des linken oder rechten Ventrikels häufig nach emotional aufreibenden Ereignissen auftritt und vor allem Frauen nach der Menopause betrifft. Die Erkrankung wird deshalb auch als Broken-Heart-Syndrom oder Stresskardiomyopathie bezeichnet.

Forscher um Dr. Ingo Eitel vom universitären Herzzentrum Lübeck vermuten jetzt, dass die Ursache auch in den Genen liegen könnte. Entsprechende prädisponierende Genloci haben sie im Rahmen einer genomweiten Assoziationsstudie bei 96 Takotsubo-Patienten ausfindig machen können. Die im International Journal of Cardiology veröffentlichte Studie wurde bei der DGK-Jahrestagung 2017 in Mannheim vorgestellt.

Bei 18 sogenannten „Single Nucleotide Polymorphism“ (SNP) ließen sich besonders große Abweichungen im Vergleich zu den 475 Kontrollpersonen nachweisen. Zwei dieser SNPs befinden sich in Genen, die in der Regulation des Blutdrucks und der Schilddrüsenfunktion involviert sind. Die restlichen betrafen Gene für Übergewicht, Krebs und psychische Erkrankungen.

Ansatzpunkt für eine Prävention

Für eine genetische Ursache der Stresskardiomyopathie spricht nach Ansicht von Eitel und Kollegen zum einen die Seltenheit der Erkrankung. Da die meisten Frauen nach der Menopause wohl mal eine belastende Situation durchleben, scheinen die Frauen, die eine Stresskardiomyopathie entwickeln, offensichtlich eine erhöhte Vulnerabilität aufzuweisen, die wiederum genetisch bedingt sein könnte. Ebenso gibt es Fallberichte, in denen die Erkrankung familiär gehäuft aufgetreten war. 5 bis 10 % der betroffenen Patienten erleiden zudem einen erneuten Anfall, was ebenfalls für eine genetische Prädisposition spricht.

Bestätigt sich eine entsprechende genetische Prädisposition, könnte sich dadurch ein Präventionsansatz eröffnen. Dann wäre es möglich, Risikopatienten vorbeugend – etwa mit Betablockern – zu behandeln und vielen ein lebensbedrohliches Ereignis zu ersparen, wird Eitel in einer Pressmittelung der DGK zitiert.

Eitel und Kollegen weisen allerdings darauf hin, dass keiner der in der Studie identifizierten genetischen Assoziationen eine statistische Signifikanz erreichte. „Unsere Kohorte ist zu klein, um eine endgültige Schlussfolgerung treffen zu können“, schreiben sie. Nun seien nationale und internationale Kooperationen erforderlich, um tiefergreifende Phänotypisierungen und umfassende Gensequenzierungen von größeren Kohorten an Takotsubo-Patienten gewährleisten und so die potenzielle genetische Ursache des Syndroms endgültig identifizieren zu können.

Literatur

Eitel et al. Genome-wide association study in takotsubo syndrome – preliminary results and future directions. Int J Cardiol 2017; doi: 10.1016/j.ijcard.2017.01.093

Abstract Eitel et al. Genome-wide association study in takotsubo syndrome – preliminary results and future directions. Clin Res Cardiol 106, Suppl 1 April 2017, 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), 19. bis 22. April 2017, Mannheim

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Jetzt wieder da: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Ärger und Aufregung könnten Schlaganfälle auslösen

Über langfristige Risikofaktoren für einen Schlaganfall weiß man viel. Wenige Daten gibt es allerdings zu akuten Auslösern. In einer Studie fiel nun auf, dass Schlaganfallpatienten vor dem Ereignis auffällig häufig starke Gefühlsregungen hatten. 

Traditionelles Heilverfahren brachte jungen Mann auf Intensivstation

Ein junger Mann kommt mit pleuritischen Thoraxschmerzen in die Notaufnahme. Die Ärzte stellen eine akute Perikarditis fest. Doch trotz Standardtherapie verschlechtert sich der Zustand des Patienten. Erst durch eine umfassende Bildgebung stoßen sie auf die ungewöhnliche Ursache.

Kabelloser Herzschrittmacher auch längerfristig mit Vorteilen

Ein kabelloser VVI-Herzschrittmacher („leadless pacemaker“) war in einer großen „Real-World“-Studie auch nach zwei Jahren im Vergleich zu konventionellen transvenösen Einkammer-Schrittmachern mit einer deutlich niedrigeren Rate an Komplikationen assoziiert.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Koronarangiographie der linken Koronararterie (LAO 5°, CRAN 35°) bei einem Patienten mit NSTEMI nach biologischem Aortenklappenersatz am Vortag. Was ist zu sehen?

Hätten Sie es erkannt?

Ausschnitt einer Ergometrie eines 40-Jährigen Patienten mit gelegentlichem thorakalem Stechen. Was ist zu sehen?

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz Oktober 2021/© L. Gaede, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz September 2021/© L. Anneken, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg