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22.02.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

CREST-Studie

Karotis-Stenose: Stent und Operation erneut gleichauf

Autor:
Philipp Grätzel

Auch im Langzeitverlauf gibt es bei Patienten mit Karotis-Stenose keinen Unterschied zwischen Stent-Therapie und Operation. Das zeigt das 10-Jahres-Follow-up der CREST-Studie.

Neben der ACT-1-Studie war die CREST-Studie die zweite bei der Internationalen Schlaganfallkonferenz in Los Angeles vorgestellte randomisierte Studie, die bei Patienten mit Karotis-Stenose Stent und Thrombendarteriektomie (TEA) direkt verglichen hat. Die Ergebnisse zum primären Endpunkt der CREST-Studie – Schlaganfall, Myokardinfarkt und Tod jeglicher Ursache – waren im Jahr 2010 im New England Journal veröffentlicht worden.

Die neuen 10-Jahres-Daten bestätigen im Wesentlichen die Ergebnisse zum primären Endpunkt auch für den jetzt deutlich längeren Zeitraum. Damals hatten bei einem medianen Follow-up von 2,5 Jahren 7,2 % der Patienten in der Stent-Gruppe und 6,8 % der Patienten in der TEA-Gruppe ein Ereignis gemäß primärem Endpunkt gehabt. Jetzt beträgt die Ereignisrate in der Stent-Gruppe 11,8 % und in der TEA-Gruppe 9,9 %, was erneut nicht signifikant ist. Beim primären Langzeitendpunkt, für den periprozedurale Ereignisse ausgeklammert wurden, liegen Stent und Operation mit Ereignisraten von 6,9 und 5,6 % noch enger beieinander.

Genauso wie die ACT-1-Studie, die ausschließlich asymptomatische Patienten eingeschlossen hat, kann auch die CREST-Studie, bei der zur Hälfte symptomatische Patienten teilgenommen hatten, die entscheidende Frage aber nicht klären. Darauf weist auch Prof. J. David Spence vom Stroke Prevention and Atherosclerosis Research Centre in London, Ontario, hin. Zwar sei die Frage, ob es jenseits der perioperativen Periode relevante Unterschiede zwischen Stent und Operation gebe, spätestens jetzt definitiv mit „nein” beantwortet, jedenfalls dann, wenn Zentren verglichen würden, die geringe Komplikationsraten von unter 3 % aufwiesen.

Völlig unklar sei dagegen weiterhin, welchen Patienten überhaupt ein Karotis-Eingriff angeboten werden sollte. Spence betont, dass es sowohl aus randomisierten als auch nicht randomisierten Studien Hinweise darauf gebe, dass die Schlaganfallrate bei Karotis-Stenosen im Gefolge der besseren medikamentösen Therapie in den letzten zwei Jahrzehnten abgenommen habe. Bis die Ergebnisse der laufenden CREST-2-Studie vorlägen, die einen medikamentösen Arm hat, sollten zumindest asymptomatische Patienten mit niedrigem Risiko außerhalb dieser Studie weder gestentet noch operiert werden, fordert Spence. Deutschen Ärzten hilft diese Forderung freilich nicht weiter: Die SPACE-2-Studie mit ähnlichem Design wie die nordamerikanische CREST-Studie musste im vergangenen Jahr wegen zu zögerlicher Rekrutierung gestoppt worden.  

Literatur

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