Onlineartikel 14.06.2014

Kein generelles Sportverbot für junge ICD-Träger

Implantierbare Defibrillatoren (ICD) stellen bei jungen Menschen keine Kontraindikation für Sport dar. Neue Daten zeigen, dass der ICD bei Sport sogar zusätzlichen Schutz bieten kann.

Kein generelles Sportverbot für junge ICD-Träger
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Maridav / iStock

Die meisten ICD-Träger sind zwar über 65 Jahre alt, doch die Zahl jüngerer ICD-Patienten steigt stetig an. Zugrundeliegende Erkrankungen wie strukturelle Anomalien oder genetische Erregungsleitungsstörungen sind per se aber keine Kontraindikation für Sport und Bewegung. „Für viele jüngere ICD-Patienten ist Sport Lebensqualität“, so Dr. med. Karin Nentwich, Bad Neustadt. Gemäß europäischen (ESC, EHJ, 2005) und US-amerikanischen (JACC, 2005) Therapieleitlinien zum Thema Sport und junge ICD- oder Herzschrittmacherträger, sollte Betroffenen jede Art von Leistungssport untersagt werden, die anstrengender als Golf oder Bowling ist (sog. erlaubte „Klasse-I-A Sportarten“).

Vermeidbare Risiken sind nach den Leitlinien Verletzungen der Patienten durch Körperkontakt-betonte Sportarten, die das ICD-System beschädigen und gehäuft Arrhythmien bedingen könnten. Möglich sei auch, dass bei extremer körperlicher Belastung und auftretenden metabolischen Veränderungen ein ICD ventrikuläre Arrhythmien nicht verhindert. Nentwich verwies aber auf Daten, nach denen die in den Leitlinien empfohlenen Sportarten von den untersuchten ICD-Patienten gar nicht praktiziert werden. Auch waren Sportarten wie Rugby oder Fallschirmspringen mit weniger ICD-Schocks verbunden als Radfahren, Joggen oder Basketball. „Neue Untersuchungen sprechen dafür, dass viele junge ICD-Patienten durchaus Sport treiben können. Die derzeitigen Leitlinien-Empfehlungen sind zu hinterfragen“, so Nentwich.

„Die einfache Frage: Ist Sport mit ICD sicher, ist aber schwer zu beantworten“, so die Elektrophysiologin. Man sollte individuell abwägen: Wollen ICD-Patienten gelegentliche sportliche Betätigung, moderates, nicht systematisches Training oder geht es um Wettkampfvorbereitung oder gar um Sport als Lebensmittelpunkt und Existenzsicherung?

Nach den Worten von Nentwich besteht zwar eine Risikoerhöhung für Arrhythmien durch Sport, demgegenüber steht aber der gesundheitliche Nutzen des Sports. Minimieren lässt sich das Risiko für ICD-Träger durch optimale Implantationstechnik, individuelle Programmierung des Geräts, Vortestung unter Belastung und Nachbeobachtung, besonders durch kontinuierliche Fernnachsorge mittels Home Monitoring. So erhält der betreuende Arzt täglich relevante Informationen über die Verfassung seines Patienten oder den Implantatzustand und kann ggf. frühzeitig eingreifen und die Therapie anpassen. „Die Medizintechnik ist inzwischen so fortgeschritten, dass wir etliche Verbote infrage stellen müssen. Eine telemedizinische Fernnachsorge z.B. mit BIOTRONIK Home Monitoring ermöglicht Patienten flexiblere Lebensgestaltung und erhöhte Sicherheit. Durch Home Monitoring Informationen können wir eine eng an den Patientenbedürfnissen ausgerichtete Therapie ermöglichen und individualisierte Empfehlungen für sportliche Aktivitäten aussprechen“, erklärte Nentwich.

Literatur

Vortrag „Sport mit Defibrillator –ist das sicher“ von Dr. Karin Nentwich, DGK-Frühjahrstagung, Mannheim, 24.4.2014