Onlineartikel 29.04.2016

Koronarintervention: Bessere Ergebnisse durch IVUS-Kontrolle

Der intravaskuläre Ultraschall (IVUS) macht es möglich, vor allem komplexe Läsionen in Koronararterien genauer beurteilen zu können. Bietet dies auch im Zeitalter der Drug-eluting-Stents (DES) eine Hilfe, um die Behandlungsergebnisse bei perkutaner Koronarintervention zu optimieren? Eine aktuelle Metaanalyse gibt darüber Auskunft.

In der Bare-Metal-Stent-Ära konnte in verschiedenen randomisierten Studien sowie in einer Metaanalyse gezeigt werden, dass eine durch IVUS geführte perkutane koronare Intervention (PCI) zu einer Reduktion von kardialen Ereignissen (MACE) und der Revaskularisationsrate führt.

Mit den aktuell verwendeten medikamentenfreisetzenden Stents (DES) zeigte sich in einer großen Netzwerk-basierten Metaanalyse im Vergleich zu den BMS eine signifikant reduzierte Rate an Ereignissen sowie eine reduzierte Revaskularisationsrate. Aus diesem Grund ist die Frage, ob eine IVUS-geführte PCI auch bei DES zu einer weiteren Verbesserung des Outcomes führt, von extrem hohem Interesse.

In einer aktuellen Metaanalyse von Elgendy et al. wird diese Fragestellung untersucht. Sieben randomisierte Studien mit einer Patientenzahl von insgesamt 3.192 wurden in die Metaanalyse eingeschlossen. Die eingeschlossenen Patienten wiesen überwiegend komplexe Läsionen, Hauptstamm-Stenosen oder chronischen Verschlüssen auf. Die Patienten wurden im Mittel 15 Monate nachverfolgt. Die mittlere Läsionslänge wag bei 32 ± 5 mm. Die zugrundeliegende Diameter-Stenose war in beiden Behandlungsarmen gleich.

Unmittelbar nach PCI war der minimale Gefäßdiameter in der IVUS-geführten Gruppe signifikant größer als in der Angiographie-geführten Gruppe (0,92 vs. 0,88 mm, p < 0,0001), analog dazu war die postprozedurale Diameter-Stenose signifikant geringer in der IVUS-geführten Gruppe. Eine Nachdilatation erfolgte häufiger in der IVUS-geführten Gruppe (63 vs. 47 %, p < 0,0001).

Hinsichtlich der klinischen Endpunkte konnte eine signifikante Reduktion der kardialen Ereignisse (MACE) nach IVUS-geführter PCI im Vergleich zur Angiographie-geführten PCI nachgewiesen werden (6,5 vs. 10,3 %; OR 0,60; 95%CI 0,46–0,77; p < 0,0001). Der Hauptanteil der MACE-Reduktion gründet sich auf die Senkung der Revaskularisationsrate im behandelten Gefäß nach IVUS-geführter PCI (4,1 vs. 6,6%; OR 0,60; 95%CI 0,43–0,84; p = 0,003).

Weiterhin zeigte sich im Trend eine Reduktion der kardiovaskulären Mortalität, eine reduzierte Stent-Thromboserate sowie tendenziell ein geringeres Myokardinfarktrisiko. Allerdings sind die Fallzahlen hier extrem niedrig, so dass eine definitive Aussage nicht getroffen werden kann.

Die Autoren beurteilen zusammenfassend, dass auch bei der Implantation von DES, die per se bereits mit einer niedrigen MACE-Rate behaftete sind, insbesondere bei komplexen Läsionen (inklusive Hauptstammstenose und chronische Verschlüsse) und langen Läsionen die IVUS-geführte PCI der Angiografie-geführten PCI überlegen ist. Dies ist möglicherweise vor allem durch die durch IVUS-Kontrolle erreichten größeren postinterventionellen Gefäßdiameter begründet.

Schlussfolgernd sollte bei komplexen Läsionen eine IVUS-Untersuchung erwogen werden. 


Unsere Gastautorin PD Dr. Tanja Rudolph ist Kardiologin an der Medizinischen Klinik III,Herzzentrum der Universität zu Köln. 

Literatur

Elgendy IY et al. Outcomes With Intravascular Ultrasound-Guided Stent Implantation: A Meta-Analysis of Randomized Trials in the Era of Drug-Eluting Stents. Circ Cardiovasc Interv. 2016 Apr;9(4):e003700. doi: 10.1161/CIRCINTERVENTIONS.116.003700