Nachrichten 03.08.2016

Renale Denervation: Größerer Effekt bei kombinierter Hypertonie?

Die Studien zur renalen Denervation sind weiter für Daten gut: Eine gepoolte Analyse aus dem SYMPLICITY-Programm deutet darauf hin, dass Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie unterdurchschnittlich ansprechen.

Die renale Denervation galt eine Zeitlang als vielversprechendes Verfahren für eine nicht medikamentöse Therapie von Patienten mit arterieller Hypertonie. Im Januar 2014 wurden dann die Ergebnisse der randomisierten SYMPLICITY-HTN-3-Studie bekannt, in der das Ablationsverfahren den systolischen Blutdruck nur unwesentlich stärker abgesenkt hatte als eine Sham-Prozedur. Im Gefolge dieser Studie wurde das Verfahren von vielen Ärzten ad acta gelegt.

Noch immer gibt es allerdings Diskussionen darüber, ob nicht bestimmte Patienten doch oder mehr von der Denervation profitieren. Die Arbeitsgruppe um PD Dr. Felix Mahfoud und Prof. Michael Böhm vom Universitätsklinikum des Saarlandes hat jetzt eine gepoolte Analyse der SYMPLICITY-HTN-3-Daten und des globalen SYMPLICITY-Registers vorgelegt, in der untersucht wurde, ob sich die Effektivität der Denervation bei Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie (ISH) und bei Patienten kombinierter Hypertonie unterscheidet.

Das scheint der Fall zu sein. Insgesamt wurden 1.103 Patienten ausgewertet, von diesen hatten 429 eine ISH und die anderen eine kombinierte Hypertonie. Sechs Monate nach dem Eingriff lag der systolische Blutdruck in der gepoolten Analyse in der ISH-Gruppe um 10,9 mmHg niedriger als vor dem Eingriff. In der Gruppe mit kombinierter Hypertonie war das deutlich mehr, nämlich 18,7 mmHg Dieser Unterschied war statistisch signifikant (p < 0,001).

Wenn nur die gut 700 Patienten der randomisierten SYMPLICITY-HTN-3-Studie ausgewertet wurden, zeigte sich im Einklang mit den gepoolten Daten, dass bei Patienten mit ISH der Unterschied zwischen Denervationsgruppe und Gruppe mit Sham-Prozedur deutlich weniger ausgeprägt war als bei Patienten mit kombinierter Hypertonie. Bei kombinierter Hypertonie fiel der systolische Blutdruck durch die Denervation im Mittel um 17,9 mmHg, gegenüber 12,1 mmHg in der Sham-Gruppe. Bei ISH-Patienten waren es nur 10,7 mmHg, gegenüber 9,2 mmHg in der Sham-Gruppe.

Dies waren allerdings keine prädefinierten Subgruppen, insofern ist diese Analyse nur hypothesengenerierend. Die genannten Werte beziehen sich alle auf die Praxismessung, jedoch wurden in der 24-h-Messung ähnliche Unterschiede gesehen.

In der gepoolten Analyse waren ISH-Patienten signifikant älter und hatten signifikant häufiger Typ-2-Diabetes. Alter alleine war aber in der multivariaten Auswertung kein Prädiktor für ein geringeres Ansprechen. Die Autoren interpretieren das dahingehend, dass es nicht altersphysiologische Veränderungen sind, die den Unterschied im Ansprechen auf die Denervation ausmachen, sondern eher die Steifheit der arteriellen Blutgefäße, für die das Vorliegen einer ISH als Surrogat angesehen werden kann. 

Literatur

Mahfoud F et al. Reduced blood pressure-lowering effect of catheter-based renal denervation in patients with isolated systolic hypertension: data from SYMPLICITY HTN-3 and the Global SYMPLICITY Registry. Eur Heart J. 2016 Jul 28; doi: 10.1093/eurheartj/ehw325

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