Nachrichten 08.02.2019

Risikofaktor Brexit: Droht eine Zunahme von kardiovaskulären Todesfällen?

Der Brexit könnte teuer werden – auch unter gesundheitlichen Aspekten. Britische Experten erwarten jedenfalls, dass es nach dem Verlassen der EU in Großbritannien zu einer Zunahme von tödlichen Herzinfarkten und Schlaganfällen  kommen wird. Wie das?

Noch ist nicht klar, in welcher Form der Brexit über die Bühne gehen wird. Dass Großbritannien für den Austritt aus der EU auch einen Preis in Sachen Bevölkerungsgesundheit zu zahlen haben wird, ist nach Einschätzung einer Untersuchergruppe um Dr. Paraskevi Seferidi vom Imperial College London aber jetzt schon absehbar.

Die Gruppe hat in Modellrechnungen vier unterschiedliche Post-Brexit-Szenarien einschließlich eines „No-Deal“-Brexits als „worst case“ in ihren möglichen Auswirkungen auf die Häufigkeit kardiovaskulärer Erkrankungen im Zeitraum zwischen 2021 und 2030 in Großbritannien durchgespielt. Dabei ging es den Untersuchern primär um die Frage, welche Konsequenzen durch den Brexit drohende neue Handelsbeschränkungen auf die Preise von Obst und Gemüse und deren Verzehr in der britischen Bevölkerung haben werden.

Alle Modelle legen Preiserhöhungen nahe

In die jeweiligen Modellrechnungen gingen Daten der Welthandelsorganisation WTO zum Handel mit entsprechenden Gütern, Daten zur Auswirkungen von Preisveränderungen auf die Nachfrage in Großbritannien, Daten zum aktuellen Verzehr von Obst und Gemüse in diesem Land, Daten aus Metaanalysen zum Zusammenhang  zwischen Obst-und Gemüse-Konsum und kardiovaskulären Erkrankungen sowie Projektionen bezüglich der künftigen kardiovaskulären Mortalität ein.

Am schlimmsten wäre ein „No-Deal“-Brexit

Alle so modellierten Brexit-Szenarien legen nahe, dass die Preise insbesondere für importiertes  Obst und Gemüse steigen werden und deren Konsum  konsekutiv  abnehmen wird – mit mehr oder weniger ungünstigen Auswirkungen auf kardiovaskuläre Erkrankungen in der erwachsenen Bevölkerung. In dem auf der Annahme der relativ geringsten Störungen im Handel gestützten Modell verringerte sich der Konsum um 2,5%. Projiziert auf den Zeitraum 2021 bis 2030 würden aus dieser Konsumveränderung schätzungsweise 5740 zusätzliche  kardiovaskuläre Todesfälle resultieren.

Die gravierendsten Auswirkungen hätte nach der Analyse von Seferidi und seinen Kollegen ein „No-Deal“-Brexit.  Für diesen Fall prognostizieren die Untersucher einen Rückgang des Obst- und Gemüse-Verzehrs um 11,4% - mit der projizierten Konsequenz, dass bis 2030 schätzungsweise 12.400 zusätzliche tödliche Koronarereignisse und Schlaganfälle zu erwarten sind. Die Zahl der Koronarereignisse wurde sich demnach um 0,9% (4110 Todesfälle) und die Zahl der Schlaganfälle  um 2.9% (8290 Todesfälle) erhöhen.

Die Gruppe um Seferidi appelliert an die britische Regierung, diese möglichen gesundheitlichen Auswirkungen bei den laufenden Brexit-Verhandlungen wie auch bei ihrer Planung in der Zeit nach dem Brexit zu berücksichtigen.

Aktuelles

Neuroprotektion nach Schlaganfall: Neuer Wirkstoff enttäuscht, aber …

Der zur Neuroprotektion nach Schlaganfall entwickelte Wirkstoff Nerinetid konnte in einer randomisierten Studie die Behandlungsergebnisse insgesamt nicht verbessern. In einer Subgruppe  deutet sich aber ein möglicher therapeutischer Nutzen an.

Intelligentes Pflaster warnt vor Verschlechterung der Herzinsuffizienz

Effizientes Frühwarnsystem? Ein mit Maschinenlernen hinterlegtes Telemonitoring-Pflaster kann bei Patienten nach Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz erneute Klinikaufenthalte recht zuverlässig vorhersagen.

Lysetherapie bei Schlaganfall: Was nützt eine höhere Tenecteplase-Dosis?

Derzeit ist noch unklar, welche Tenecteplase-Dosis für die Lysetherapie bei Schlaganfallpatienten am effektivsten und gleichzeitig sicher ist. Eine aktuelle Studie bringt neue Erkenntnisse.  

Highlights

eHealth in der Kardiologie

Digitale Technologien sind aus der Kardiologie nicht mehr wegzudenken. In unserem Dossier finden Sie die aktuellsten Beiträge zum Thema eHealth und Digitalisierung in der Kardiologie. 

Webinar – "Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern"

Prof. Christian Meyer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fasst in einem Live-Webinar die wichtigsten Neuerungen zur Rhythmuskontrolle bei Patienten mit Vorhofflimmern zusammen – praxisrelevant und mit Beispielen.

Webinar zur neuen Leitlinie Dyslipidämien

Auf dem ESC-Kongress 2019 wurde die neue Leitlinie Dyslipidämien vorgestellt. Prof. Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum Leipzig hat in einem Webinar die wichtigsten Neuerungen und deren Bedeutung für die Praxis zusammegefasst – kritisch, kurz, präzise.

Aus der Kardiothek

Defekt mit Folgen – das ganze Ausmaß zeigt das CT

CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe) – was ist zu sehen?

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Interventionen von Bifurkationsläsionen

Dr. Miroslaw Ferenc, UHZ Freiburg

Live Cases

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Bildnachweise
eHealth in der Kardiologie/© ra2 studio / stock.adobe.com
Webinar Rhythmuskontrolle bei Patienten mit Vorhofflimmern/© Kardiologie.org | Prof. Meyer [M]
Webinar Dyslipidämien mit Prof. Ulrich Laufs/© Kardiologie.org | Prof. Laufs [M]
Vortrag von M. Kreußer/© DGK 2019
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
Vortrag von M. Ferenc/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018