Nachrichten 23.07.2019

Weniger Hitzetote in Spanien trotz Temperaturanstieg

Durch den Klimawandel ist die durchschnittliche Lufttemperatur in Spanien in den Sommermonaten seit 1980 um beinahe ein Grad Celsius angestiegen. Trotzdem hat die hitzebedingte Sterblichkeit infolge Herz-Kreislauf-Erkrankungen seitdem abgenommen.

Kardiovaskulär bedingte Todesfälle machen in Spanien 38 Prozent aller Todesfälle aus. In den heißen Sommermonaten steigt die Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen in dem Mittelmeerland regelmäßig an. Aber auch in den kalten Wintermonaten ist sie erhöht, da nicht alle Häuser in Spanien mit Heizungen ausgestattet sind.

Temperaturanstieg um 0,77° Celsius

Belastend sind diese Extremtemperaturen vor allem für alte Menschen. Das war schon vor dem Klimawandel so. In den letzten 36 Jahren aber ist die Durchschnitts-Temperatur zwischen Juni und September um 0,77°C angestiegen. Forscher aus Barcelona wollten wissen, ob parallel mit dem Anstieg der Temperaturen auch die Rate an Hitzetoten weiter anstieg.

Weniger hitzebedingte Todesfälle in den letzten Jahren

Dem ist offensichtlich nicht so, denn die Rate der hitzebedingten Todesfälle nahm im Untersuchungszeitraum ab. Die Zahl der Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Problemen ging in den beiden Untersuchungszeitfenstern von 1980 bis 1994 und von 2002 bis 2016 bei Männern insgesamt um 42,06 Prozent (95% CI -44,39 bis 41,06) und bei Frauen um 36,64 Prozent zurück (95% CI -36,70 bis 36,04).  Im gleichen Zeitraum reduzierte sich der Anteil der kältebedingten kardiovaskulären Todesfälle bei Männern um 30,23 Prozent (95% CI −30,34 bis -30·05) und bei Frauen um 44,87 Prozent (95% CI −46,77 bis −42,94).

Höhere Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben

Eine eindeutige Erklärung für dieses Phänomen können die Autoren der Studie nicht liefern. Sie geben aber zu bedenken, dass sich der Lebensstandard der Spanier in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht hat. Das Pro-Kopf-Einkommen beispielsweise erhöhte sich von rund 8.800 Euro im Jahr 1991 auf knapp 23.000 Euro im Jahr 2009. Auch die Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben pro Jahr stiegen im gleichen Zeitraum von 600 auf über 2.000 Euro an.

Schutz vor der Hitze durch mehr Klimaanlagen

Deutlich mehr Spanier als 1980 leben heute in Häusern mit Zentralheizung. 1980 hatte nur jeder vierte Haushalt eine Heizung, 2016 lag dieser Anteil bei 57 Prozent. Mehr als jeder dritte Haushalt verfügt mittlerweile über eine Klimaanlage. Im Jahr 1980 waren nur vier von hundert Haushalten damit ausgestattet.

Literatur

Achebak H et al. Trends in temperature-related age-specific and sex-specific mortality from cardiovascular diseases in Spain: a national time-series analysis, Lancet 2019; doi.org/10.1016/S2542-5196(19)30090-7


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Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs, Mohamed Marwan, Universitätsklinikum Erlangen
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