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26.05.2015 | Nachrichten

Transkatheter-Aortenklappen-Implantation

Macht Embolieschutz-System TAVI noch sicherer?

Autor:
Peter Overbeck

Mithilfe eines intraaortal platzierten Embolieschutz-Systems kann die katheterbasierte Aortenklappen-Implantation künftig möglicherweise noch sicherer gemacht werden. Eine neue Studie dokumentiert erstmals hirnprotektive Effekte einer solchen Strategie auch auf neurokognitiver Ebene.

Die kathetergeführte Aortenklappen-Implantation (TAVI) ermöglicht heute eine Herzklappen-Implantation bei alten und multimorbiden Patienten mit schwerer Aortenstenose auch ohne potenziell riskante Operation am offenen Herzen. Allerdings werden bei dem Eingriff häufig embolische Partikel freigesetzt, die in die Peripherie ausgeschwemmt und im Gehirn zu Läsionen führen können.

Daraus muss nicht zwangsläufig ein manifester Schlaganfall resultieren, vielmehr handelt es sich ganz überwiegend um klinisch stumme Hirnläsionen, die nur mithilfe bildgebender Verfahren entdeckt werden. Solche stummen ischämischen Läsionen, deren klinische Bedeutung noch unklar ist, lassen sich mittels MRT-Bildgebung bei bis 100 Prozent aller Patienten nach TAVI nachweisen.

Filtersystem im Aortenbogen

Mit dem Ziel, solche zerebralen Läsionen einschließlich Schlaganfälle bei TAVI-Eingriffen zu verhindern, ist vom US-Unternehmen Keystone Heart das TriGuard-Device entwickelt worden. Dieses Filtersystem wird während der TAVI-Prozedur vor die Ostien aller drei aus dem Aortenbogen abgehenden hirnzuführenden Arterien positioniert, sodass aus dem Herzen stammendes embolisches Material abgelenkt und nicht ins Gehirn ausgeschwemmt wird.

In der randomisierten multizentrischen DEFLECT-III-Studie ist dieses Filtersystems bei 83 Patienten TAVI auf seinen protektiven Nutzen geprüft worden. Bei zwei Drittel der Patienten wurde eine Sapien-Klappenprothese, bei einem Drittel eine CoreValve-Katheterklappe implantiert. Prof. Andreas Baumbach von der Universität Bristol hat die Ergebnisse bei Kongress EuroPCR in Paris vorgestellt.

Erfolgreiche Platzierung in 89 Prozent der Fälle

Bei 89 Prozent aller Patienten gelang es, alle drei hirnzuführenden Arterien im Aortenbogen mit dem Filtersystem erfolgreich abzudecken.

Primärer Sicherheitsendpunkt der Studie war eine Kombination schwerwiegender kardiovaskulärer oder zerebrovaskulärer Ereignisse während der stationären Behandlung, darunter Tod, Schlaganfall, Blutungen, akute Nierenschädigung und vaskuläre Komplikationen. In der Gruppe mit Embolieschutz belief sich entsprechende Ereignisrate auf 21,7 Prozent, in der ungeschützten Kontrollgruppe lag sie bei 30,8 Prozent (p=0,34).

Kognitive Funktion verbessert

In der Gruppe mit Embolieschutz war bei erfolgreicher Abdeckung aller drei hirnzuführenden Arterien der Anteil der Patienten, die komplett von neuen zerebralen Läsionen verschont blieben, deutlich höher als in der Kontrollgruppe ohne Hirnprotektion (26,9 versus 11,5 Prozent). Auch das Läsionsvolumen war geringer.

Diverse neurologische und kognitive Tests wurden vor sowie rund vier und 30 Tage nach TAVI durchgeführt. Die dabei erhobenen Befunde lassen darauf schließen, dass der eingebrachte Schutzfilter auch half, das Risiko eines kognitiven Abbaus zu verringern und die kognitive Funktion zu verbessern.

Methode mit Zukunft?

Noch lässt sich nicht genau voraussagen, welchen Stellenwert Protektionssysteme künftig bei TAVI-Prozeduren haben werden. Einerseits gibt es starke Bestrebungen, die minimal-invasive TAVI-Methode auch auf Patienten mit relativ niedrigem Operationsrisiko auszuweiten. Dass auch und gerade bei diesen Patienten alles unternommen werden muss, um schwerwiegende zerebrale Schäden zu vermeiden, liegt auf der Hand.

Andererseits sind TAVI-Prozeduren aufgrund vermehrter Erfahrungen und technischer Weiterentwicklungen auch in zerebraler Hinsicht immer sicherer geworden. Die Schlaganfallraten liegen bei Verwendung von Transkatheter-Aortenklappen der neuesten Generation in den Studien inzwischen auf einem sehr niedrigen Niveau. Damit könnte aber auch der Spielraum immer kleiner werden, in dem zerebrale Protektionssysteme ihre Wirkung zur Geltung bringen können.

Literatur