Skip to main content
main-content

05.05.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Ursache oder Begleiterscheinung?

Mehr Atherosklerose bei nicht alkoholischer Fettleber

Autor:
Philipp Grätzel

Die Frage nach der Bedeutung einer Leberverfettung für die Atherosklerose-Entwicklung bleibt kontrovers. Eine neue Kohortenstudie liefert Argumente für einen ursächlichen Zusammenhang, aber keine endgültige Antwort.

In der Hepatologie wird die Leber zunehmend als ein endokrines Organ angesehen, das bei Fettstoffwechselstörungen aktiv zu den systemischen Folgen beiträgt. Die französische LIDO-Studiengruppe hat im „Journal of Hepatology“ jetzt eine Kohortenstudie veröffentlicht, die diese Hypothese einmal mehr stützt.

Anders als bisherige Studien zum Zusammenhang zwischen Leberverfettung und Atherosklerose hat die französische Studie sowohl einen retrospektiven als auch einen prospektiven Arm, letzterer mit einem Follow-up-Zeitraum von immerhin acht Jahren. Untersucht wurde konkret der Zusammenhang zwischen dem Komposit-Score Fatty Liver Index (FLI) als Maß für die Leberverfettung, der Intima-Media-Dicke der Arteria carotis (C-IMT) und dem Auftreten von Plaques der Arteria carotis als Zeichen einer manifesten Atherosklerose.

In der retrospektiven Querschnittserhebung bei 5.671 Patienten gab es eine Korrelation zwischen der Höhe des FLI und der C-IMT: Je höher der FLI, umso größer die C-IMT, wobei der Unterschied mit 0,58 mm in der untersten FLI-Quartile und 0,64 mm in der obersten FLI-Quartile nicht gerade riesig war.

Mehr Plaques bei Steatose

In der prospektiven Kohorte mit 1.872 Teilnehmern entwickelten 12 % im Laufe des Follow-up eine Leberverfettung oder hatten eine solche bereits zu Beginn. Bei 23 % traten Plaques in der Arteria carotis auf. Lag eine Steatose vor, war das Risiko für neue Carotis-Plaques um signifikante 63 % höher (p = 0,04).

Dies war statistisch unabhängig von Alter, Geschlecht, Zigarettenkonsum, Entzündung, Intima-Media-Dicke und Begleiterkrankungen wie Hypertonie und Diabetes mellitus. Mehr noch: Zu einer Zunahme der C-IMT kam es lediglich bei den Patienten, die eine Leberverfettung aufwiesen, nicht bei jenen mit normaler Leber.

Kausalität noch unklar

Heißt das jetzt, dass die Leberverfettung an der Atherosklerose ursächlich beteiligt ist? In einem begleitenden Editorial mahnt Prof. Leon Adams von der Universität Westaustralien ein wenig zur Vorsicht. Kritisch sieht er unter anderem die Nutzung des nur begrenzt sensitiven FLI, der aus BMI, Bauchumfang, Serumtriglyceriden und Gamma-GT berechnet wird und nicht auf Bildgebung fußt.

Auch Adams räumt allerdings ein, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Fettleber und Atherosklerose nicht nur durch Kohortenstudien gestützt wird, sondern auch pathophysiologisch plausibel ist. So führe eine Fettleber unter anderem zu einem Anstieg der hepatischen Insulinresistenz und auf diesem Weg zu einem atherogenen Lipidprofil. Ob sich die Leber aber wirklich als Angriffspunkt für präventive Therapien eignet, können nur prospektive Interventionsstudien klären. 

Literatur