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03.04.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Akuter Herzinfarkt

Metformin: Kein Herzwundermittel für Nichtdiabetiker

Autor:
Peter Overbeck

Die These, dass ein Antidiabetikum wie Metformin bei Nichtdiabetikern mit Herzinfarkt kardioprotektiv wirkt, mag manchen überraschen. Dass jetzt in einer kontrollierten Studie eine solche Wirkung nicht zum Vorschein kam, ist eher keine Überraschung.


Erfahrungen aus großen klinischen Studien haben in jüngster Zeit gelehrt, dass die Blutzuckersenkung bei Typ-2-Diabetes wohl keine Stellschraube ist, um in relativ kurzer Zeit die Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen entscheidend zu reduzieren.

Umso mehr verwundert, was sich etwa Kardiologen von einem Antidiabetikum wie Metformin ausgerechnet bei Nichtdiabetikern so alles an Wirkungen erhoffen. Eine niederländische Arbeitsgruppe um Dr. Chris P.H. Lexis aus Groningen hielt es jedenfalls für plausibel, dass das Biguanid Metformin bei Nichtdiabetikern mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) die infarktbedingte Störung der linksventrikulären Funktion in Grenzen halten könnte.

Hinweis aus tierexperimenteller Studie

Die Hypothese der Forscher gründet auf einer bekanntlich mit Vorsicht zu interpretierenden Post-hoc-Beobachtung in der DIGAMI-2-Studie, der zufolge die Therapie mit Metformin bei Patienten mit Diabetes und Herzinfarkt im Vergleich zu anderen Medikationen mit einer signifikant niedrigeren Mortalität assoziiert war. Ansonsten verweisen sie noch auf eine Studie am tierexperimentellen Infarktmodell, deren Ergebnisse für günstige Effekte von Metformin auf die linksventrikuläre Auswurffraktion bei Ratten sprechen.

Eine etwas dünne Datenbasis, um sich Metformin in der Sekundärprävention nach Herzinfarkt als klinisch wirksam vorzustellen, könnte man meinen. Gleichwohl haben Lexis und seine Kollegen den Test gemacht.

Test bei 380 STEMI-Patienten

Für ihre Studie haben sie 380 Patienten ohne Diabetes ausgewählt, die wegen eines STEMI einer primären perkutanen Koronarintervention unterzogen worden waren.

Unmittelbar nach Revaskularisation per Herzkatheter und Stent wurden sie randomisiert einer verblindeten Therapie mit Metformin (500 mg zweimal täglich) oder Placebo zugeteilt. Die Ergebnisse der Studie, die simultan im Fachblatt JAMA publiziert wurden, hat Lexis beim ACC-Kongress in Washington präsentiert.

Die entscheidende Frage war, ob nach vier Monaten ein günstiger Einfluss dieser Therapie auf die per MR-Bildgebung gemessene linksventrikuläre Funktion objektivierbar sein würde.

Kein Unterschied bei der linksventrikulären Funktion

Diese Hoffnung blieb unerfüllt: Die Messungen der linksventrikulären Auswurffraktion ergaben für diesen kardialen Funktionsparameter keinen signifikanten Unterschied zwischen Metformin- und Placebo-Gruppe (53,1 versus 54,8 Prozent).

Auch die in beiden Gruppen praktisch identischen Konzentrationen des kardialen Biomarkers NT-proBNP sprachen gegen eine kardioprotektive Wirkung von Metformin. Ein kleiner Trost: Geschadet hat das Antidiabetikum den Nichtdiabetikern auch nicht.

Die Autoren ziehen aus diesen Ergebnissen den einzig möglichen Schluss: Bei Nichtdiabetikern mit Herzinfarkt spricht derzeit nichts für einen Nutzen des Antidiabetikums Metformin. Wie gesagt, wirklich überraschend ist das nicht.

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