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24.09.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Direkte Anuloplastie

Mitralinsuffizienz: Neues Katheterverfahren imitiert chirurgische Technik

Autor:
Philipp Grätzel

Bei den stenosierten Aortenklappen haben Kathetereingriffe die operativen Eingriffe überholt. Jetzt rückt die Mitralklappe zunehmend in den Fokus. Ganz neu ist die direkte Anuloplastie, die das Armamentarium der interventionellen Kardiologen bei Mitralinsuffizienz bereichert.

Bei der direkten Anuloplastie wird der Herzkatheter über die Femoralvene eingeführt. Die Mitralklappe erreicht der Kardiologe, indem er das Septum in Richtung linker Vorhof durchstößt. Dann wird der erweiterte Klappenring durch ein über den Katheter eingebrachtes Implantat ringförmig gerafft. Im Gegensatz zu so genannten Edge-to-Edge-Verfahren wie dem MitraClip beeinträchtigt dieses Vorgehen weder Klappensegel noch Sehnenfäden. Es ähnelt damit stärker den chirurgischen Techniken bei der Behandlung von Patienten mit Mitralinsuffizienz.

Prof. Karl-Heinz Kuck von der Asklepios Klinik St. Georg stellte in Berlin die Ergebnisse einer europäischen Studie zur direkten Anuloplastie vor, bei der das Cardioband-System des israelischen Unternehmens Valtech Cardio eingesetzt wurde.

Kuck berichtete über 45 Patienten mit Mitralinsuffizienz, bei denen an sechs Einrichtungen das Implantat eingesetzt wurde. Im Mittel konnte der bei Mitralinsuffizienz vergrößerte Diameter des Anulus dadurch von 36 auf 29 mm verringert werden.

Angiografisch, echokardiografisch und klinisch erfolgreich

„Dabei kam es bei fast jedem Patienten zu einer relevanten Abnahme des Diameters“, so Kuck in Berlin. Dies ging einher mit einer Verbesserung der Mitralinsuffizienz während der Prozedur bei 43 von 45 Patienten. Im echokardiografischen Follow-up bei Entlassung aus dem Krankenhaus und 30 Tage nach dem Eingriff bestätigte sich das. Im 12-Monats-Follow-up, für das Daten von 17 von 45 Patienten zur Verfügung standen, hatten 94% der Patienten eine Mitralinsuffizienz Grad II oder besser. Vor dem Eingriff war das bei weniger als 30% der Patienten der Fall.

Auch die zu Studienbeginn und nach 6 Monaten erfassten Parameter 6-Minuten-Gehtest, Lebensqualität und NYHA-Klasse verbesserten sich jeweils statistisch signifikant. Auf Basis der Ergebnisse dieser Studie wurde dem Cardioband-Implantat jetzt die europäische CE-Zulassung erteilt, wie das Unternehmen Valtech anlässlich des London Valves Meetings mitteilte.

Normale Klappenanatomie bleibt erhalten

Der größte Vorteil der direkten Anuloplastie besteht für Kuck darin, dass die normale Anatomie der Mitralklappe erhalten bleibt. Dadurch blieben den Patienten andere Optionen wie MitraClip oder chirurgischer Klappenersatz erhalten.

Perspektivisch sieht Kuck das Verfahren als eine Primärtherapie für Patienten mit sekundärer Mitralinsuffizienz an, das bei Bedarf durch Edge-to-Edge-Verfahren ergänzt werden kann. Er betonte auch, dass die direkte Anuloplastie einfach durchzuführen sei: Bei jedem einzelnen der 45 Studienpatienten verlief der Eingriff technisch erfolgreich. 

Literatur

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