Nachrichten 03.11.2020

Kardio-MRT bei Myokarditis: Was heute alles möglich ist

Die Kardio-MRT ist in der Diagnostik von Myokarditiden nicht mehr wegzudenken. Bei der DGK-Jahrestagung/Herztage gab eine Expertin einen Überblick über die heutigen  Möglichkeiten – die über Erstdiagnostik hinausgehen.

Bei Verdacht auf eine Myokarditis liefert die Kardio-MRT entscheidende Informationen, in den Leitlinien wird es zur Differenzierung einer Herzinsuffizienz mit einer Klasse IC-Empfehlung aufgeführt.

„Mit der nicht-invasiven Bildgebungsmethode haben wir heute die Chance, die Erkrankung besser zu charakterisieren und zu differenzieren“, erläuterte Prof. Jeanette Schulz-Menger bei der DGK-Jahrestagung/Herztage ein Merkmal der Methode.

Die Kardiologin von der Berliner Charité machte aber auch deutlich, dass die Methode noch mehr kann als das. Neben der qualitativen und quantitativen Myokarddifferenzierung lassen die Befunde auch Aussagen über die Krankheitsaktivität zu und haben darüber hinaus eine prognostische Bedeutung, wodurch zunehmend auch eine Risikostratifizierung ermöglicht wird.

Neuere Techniken ermöglichen eine Quantifizierung

Zunächst warf Schulz-Menger einen Blick auf die Kernkompetenzen der Methode. Diese ermögliche eine Myokarddifferenzierung mit und ohne Kontrastmittel. Allseits bekannt ist die Darstellung fokaler Fibrosen und von Ödemen. 

„Mittlerweile gibt es auch Techniken, die es quantitativ erlauben, sog. Mapping-Techniken, pixelweise nicht nur fokale Fibrose, zu zeigen, sondern auch ganz diffuse Veränderungen“, erörterte sie die heutigen Möglichkeiten der MRT. So lässt sich beispielsweise mit dem T1-Mapping das myokardiale Extrazellulärvolumen (EZV) quantifizieren, verlängerte Zeiten sprechen für ein erhöhtes EZV. Verlängerte T2-Zeiten sind wiederum Anzeichen einer aktiven Inflammation.

Nützlich kann ein T1-Mapping, wie Schulz-Menger ausführte, beispielsweise bei der Differenzierung einer linksventrikulären Hypertrophie sein. Ein hoher Fettgehalt im Herzen plus kurze T1-Zeiten deuten auf einen M. Fabry hin, sehr hohe T1-Zeiten dagegen auf eine Amyloidose.

Die neuesten Techniken haben allerdings auch ihre Tücken. Nicht immer liefere Ergebnis eine korrekte Aussage, wie Schulz-Menger hin, beispielsweise bei Rhythmusstörungen. 

Prognostische Bedeutung der Befunde

Neben der Akutdiagnostik eignet sich die Kardio-MRT auch für Kontrolluntersuchungen, u.a. um das Risiko der Patienten abschätzen zu können. Solche Untersuchungen dauerten gerade mal zehn Minuten, so Schulz-Menger.

„Recht etabliert“ ist die MRT zur prognostischen Beurteilung beispielsweise bei der Sarkoidose. Fokale Kontrastmittelanreicherung im linken Ventrikel, also ein Late Gadolinum Enhancement (LGE), sind ein prognostisch schlechtes Zeichen. So zeigen Studien, dass Patienten mit LGE signifikant geringere Überlebenschancen haben also solche ohne LGE.

Einen prognostischen Impact haben MRT-Befunde auch bei Myokarditis-Patienten. So kann das Ausmaß der fokalen Fibrose ein Indiz für die Entstehung einer dilatativen Kardiomyopathie (DCM) sein. Fokale Fibrose findet sich viel häufiger bei Männern als bei Frauen. Dieser geschlechterspezifische Unterschied lässt sich bereits bei Kindern, die an einer Myokarditis erkrankt waren, beobachten. Männer wiederum entwickeln nach einer Myokarditis häufiger eine DCM, wie Schulz-Menger ausführte.

Entscheidende Aussagen über Krankheitsaktivität

Viel entscheidender bei Myokarditis-Patienten ist ihrer Ansicht nach aber der Ödemnachweis, weil dieser etwas über die Krankheitsaktivität aussagt, egal mit welcher Technik dieser Nachweis erfolge. Denn nur das sage etwas über die Akuität der Erkrankung aus. 

Hilfreiche Informationen kann die Kardio-MRT auch bei Tumorpatienten liefern, die mit Anthracyclinen behandelt werden, nämlich ob bzw. inwieweit unter der Behandlung mit kardiotoxischen Komplikationen zu rechnen ist. Für Schulz-Menger kam der in einer Studie festgestellte Zusammenhang allerdings „ziemlich unerwartet“. So ging ein Abfall der T1-Zeiten drei Tage nach der ersten Dosis mit einer Verschlechterung der Ejektionsfraktion drei Monate später einher. Die Assoziation scheine dosisabhängig zu sein, berichtete die Berliner Kardiologin. Entsprechende Befunde könnten ihrer Ansicht nach womöglich therapeutische Konsequenzen haben, bei der Frage, ob es Sinn machen könnte, im Verlauf schon eine Herzinsuffizienz-Behandlung zu beginnen.

Auffällige MRT-Befunde finden sich im Übrigen auch bei genesenen COVID-19-Patienten (mehr dazu lesen Sie hier), wobei deren prognostische Bedeutung bisher unklar ist.


Info 

Alle Vorträge von der DGK-Jahrestagung/Herztagen können Sie unter folgendem Link weiterhin on demand anschauen: https://dgk.meta-dcr.com/jtht2020/

Literatur

Schulz-Menger J: Kardiale MRT bei Myokarditis und Kardiomyopathien, 15.10.2020 bei der 86. Jahrestagung und Herztage 2020

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