Nachrichten 29.12.2020

Myokarditis bei Kindern: Welche MRT-Befunde sind ein schlechtes Zeichen?

Kinder erholen sich oft besser von Krankheiten als Erwachsene. Auch im Falle einer Myokarditis scheint das der Fall zu sein. Trotz allem gibt es auch bei Kindern prognostisch ungünstige Zeichen.

Um es gleich vorweg zu sagen: Myokarditiden sind bei Kindern selten. Wenn eine Herzmuskelentzündung bei Kindern auftritt, können sich allerdings – wie bei Erwachsenen auch – typische Veränderungen im MRT zeigen, die prognostische Hinweise geben.

Wie eine aktuelle Analyse deutlich macht, ist aber nicht alles bei pädiatrischen Patienten genauso, wie man das von Erwachsenen kennt.

Typische Beschwerden: Brustschmerz und Fieber

Kinderkardiologen um Dr. Lamia Ait-Ali vom Hospital de Santa Cruz in Carnaxide haben 68 Kindern, die klinische Symptome einer akuten Myokarditis sowie eine myokardiale Inflammation nach den Lake Louise-Kriterien aufwiesen, über ein Jahr hinweg nachverfolgt. Die erste Nachsorgeuntersuchung hat im Schnitt fünf Monate nach der Erstuntersuchung stattgefunden, bei knapp der Hälfte der Kinder wurde in der Folge noch ein weiteres MRT vorgenommen.

Typische anfängliche Beschwerden der Kinder waren Brustschmerz (68%), Fieber (55%) und eine neu einsetzende Herzinsuffizienz (33%).

Im Laufe der Zeit stellte sich bei 26% der jungen Patienten eine vollständige Genesung ein, definiert als Normalisierung der linksventrikulären und rechtsventrikulären Funktion, anderer Echoparameter und Abwesenheit von Gewebeveränderungen wie Ödeme und Late Gadolinum Enhancement (LGE).

Fieber prognostisch günstiges Zeichen

Fieber als Symptom stellte sich als prognostisch günstiges Zeichen heraus: Denn alle Kinder, die zu Beginn erhöhte Temperaturen aufwiesen, erholten sich vollständig im darauffolgenden Jahr. Im Gegensatz genasen von den Kindern ohne Fieber nur 43% vollständig (p˂ 0,01).

Gewisse Befunde im MRT wurden von den portugiesischen Ärzten dagegen als besorgniserregend eingestuft. So ließen sich positive T2-Zeiten und LGE signifikant häufiger bei den Kindern nachweisen, die sich nicht ganz erholten (90% vs. 77% bzw. 96% vs. 83%).

LGE im MRT prognostisch ungünstig, aber nicht jedes

Allerdings scheint die prognostische Bedeutung des LGE von dessen Lokalisation abzuhängen. So waren die Chancen auf eine komplette Erholung bei Kindern mit subepikardialen LGE-Anreicherungen nicht geringer, bei anderen LGE-Mustern hingegen schon (p=0,04). Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch eine andere Studie, in der die Prognose im Falle von mittventrikulären septalen LGE-Muster schlechter war als bei subepikardialen inferior-lateralen LGE-Sequenzen.

Im Gegensatz dazu scheint das Vorhandensein von LGE in der akuten Erkrankungsphase keine Rolle für den weiteren Verlauf zu spielen, davon betroffene Kinder hatten dieselben Chancen für eine vollständige Genesung als die anderen. Dies bestätige das Ergebnis einer kürzlich publizierten Untersuchung, die ebenfalls nahelegt, dass LGE in der akuten Phase einer Myokarditis nicht notwendigerweise einen Fibrosemarker darstellt, ordnen die Autoren den Befund ein.

Unterschied zu Erwachsenen

Auch bei Erwachsenen, die an einer Myokarditis erkrankt sind, gehen gewisse LGE-Sequenzen mit einer schlechteren Prognose einher (mehr dazu lesen Sie hier). Im Unterschied zu Erwachsenen scheinen solche Nekrose- bzw. Fibroseanzeichen bei Kindern aber mit höherer Wahrscheinlichkeit wieder vollständig zu verschwinden. In der aktuellen Untersuchung war das bei 26% der Patienten nach einem Jahr der Fall, nach Angaben der Autoren liegt die Quote bei Erwachsenen bei nur 10%. Die Ursache für diesen Unterschied könnte, so vermuten Ait-Ali und Kollegen, an der guten Regenerationsfähigkeit von Kindern liegen, weshalb bei ihnen Gewebeschäden schneller abheilen – so wie man das auch bei anderen Erkrankungen beobachten könne. 

Literatur

Ait-Ali L et al. Cardiac MRI Prediction of Recovery in Children With Acute Myocarditis; J Am Coll Cardiol Cardiovasc Imaging. 2020. Epublished DOI: 10.1016/j.jcmg.2020.08.033


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