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27.04.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Effektiv und sicher

Nachdilatation nach TAVI

Autor:
Dr. med. Jan-Malte Sinning

Nicht immer entfalten sich TAVI-Prothesen vollständig. Die Ballonvalvuloplastie ist eine effektive Methode zur Reduktion der para- valvulären Leckage, wie eine Studie belegt.

Eine signifikante paravalvuläre Aortenklappeninsuffizienz (AI) nach einer kathetergestützten Aortenklappenimplanta-tion (TAVI) ist mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Eine Nachdilatation mittels Ballonvalvuloplastie ist eine Option, um den Grad der paravalvulären AI zu reduzieren, indem eine optimale Entfaltung des Prothesengerüsts (v.a. bei selbstexpandierenden Klappen) erzielt und damit der periprothetische Raum besser abgedichtet wird. Mit dem AI-Index (Aortic Regurgitation Index) steht ein objektiver und reproduzierbarer hämodynamischer Parameter zur Verfügung, der einfach und schnell im Herzkatheterlabor gemessen werden kann, um den Schweregrad der paravalvulären AI zu quantifizieren.

In einer prospektiven Studie untersuchten wir, ob der periprozedural gemessene AI-Index hilft, die Wirksamkeit einer Nachdilatation auf die Reduktion der paravalvulären AI zu quantifizieren. Der AI-Index wird berechnet, indem man nach der TAVI den transvalvulären, enddiastolischen Gradienten aus diastolischem Aortendruck (RRdia) und linksventrikulärem enddiastolischem Druck (LVEDP) bildet und durch den systolischen Aortendruck (RRsys) dividiert: AI-Index = [(RRdia – LVEDP) / RRsys] x 100.

In die Studie wurden 223 TAVI-Patienten (Alter 81,3±6,3 Jahre, 54,3% Männer, linksventrikuläre Ejektionsfraktion 52,2±14,4%, STS-Score 8,4±5,6%) aufgenommen und mit der selbstexpandierenden CoreValve-Aortenklappe (79,4%) oder der ballonexpandierbaren Edwards-SAPIEN-XT-Prothese (20,6%) behandelt.

Nachdilatation bei jedem dritten Patienten

Nach der Freisetzung der Klappenprothesen zeigte sich eine mittel- bzw. hochgradige paravalvuläre AI bei 24,7 bzw. 11,9 Prozent der Patienten. Bei 35,0 Prozent der Patienten war eine Nachdilatation wegen suboptimaler Prothesenentfaltung notwendig. Bei Patienten mit mittelgradiger AI erhöhte sich danach der AI-Index signifikant von 20,3 auf 26,4, und bei Patienten mit hochgradiger AI von 15,4 auf 26,1. Wegen einer Fehlplatzierung der Klappe mit konsekutiver signifikanter AI führten wir bei 4,9 Prozent der Patienten eine Valve-in-Valve-Implantation durch. Nach den Korrekturmaßnahmen zeigte sich eine mittelgradige AI nur noch bei 7,6 Prozent der Patienten.

Die 30-Tages- und 1-Jahres-Mortalitätsraten betrugen 4,0 bzw. 18,4 Prozent. Die Notwendigkeit einer Nachdilatation war bei Patienten ohne Vordilatation höher (44,1 vs. 25,0%; p=0,003). Eine Annulusruptur mit tödlichem Ausgang ereignete sich bei einem Patienten (1,3%). Eine Nachdilatation nach der TAVI war jedoch nicht mit einer erhöhten 1-Jahres-Mortalität (17,5 vs. 18,9%; p=0,87), Herzschrittmacher-Implantationsrate (16,2 vs. 14,3%; p=0,73) oder Schlaganfallrate (1,3 vs. 1,4%; p=0,94) verbunden.

AI-Index gutes Maß für die Wirksamkeit der Nachdilatation

Die Nachdilatation mittels Ballonvalvuloplastie ist eine sichere und wirksame Behandlungsmethode, um den Schweregrad einer paravalvulären Aortenklappeninsuffizienz bei Patienten mit suboptimaler Klappenprothesenentfaltung zu reduzieren. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme kann präzise mittels hämodynamischer Messungen (z.B. AI-Index) im Einklang mit bildgebenden Maßnahmen beurteilt werden.

Jan-Malte Sinning präsentierte diese Ergebnisse am Donnerstag, den 24. April 2014, um 17.15 Uhr in Saal 17.

Literatur