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09.08.2017 | Neurologie | Nachrichten

Absetzen ist riskant

Auch Schlaganfall-Patienten sollten Statin-Therapie fortsetzen

Autor:
Veronika Schlimpert

Schlaganfall-Patienten sollten ihre Behandlung mit Statinen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus unbedingt fortsetzen. Denn sonst droht bald der nächste Schlaganfall.  

Statine sind nicht nur in der Lage, Herzinfarkte effektiv zu verhindern. Auch in Schlaganfall-Prophylaxe sind die Lipidsenker ein wichtiger Therapiebestandteil. Eine Studie aus Taiwan macht nun deutlich, wie fatal es für Schlaganfallpatienten sein kann, die lipidsenkende Therapie nach dem stationären Aufenthalt nicht fortzusetzen.

Ein Jahr nach dem Absetzen der Therapie war das Risiko für einen erneuten Schlaganfall nämlich deutlich um 42 % erhöht. Auch die Gesamtsterblichkeit stieg nach dem Therapieende um relativ 37 % an.

Absetzen birgt Risiken – auch beim Schlaganfall

Ärzte sollten sich im Klaren sein, dass auch bei Schlaganfallpatienten das Absetzen einer Statintherapie ein potenzielles Risiko berge, machen die Studienautoren um Meng Lee vom Chang Gung University College of Medicine in Taiwan deutlich. Da das Risiko für einen erneuten Schlaganfall nach einem ersten Ereignis sehr hoch sei, sollten die Patienten aggressiv behandelt werden, wenn keine entsprechende Kontraindikation vorliege, raten die Ärzte.

So empfehlen auch die amerikanischen Fachgesellschaften ACC/AHA eine Hochdosis-Statin-Therapie für alle Patienten, die einen atherosklerotisch bedingten ischämischen Schlaganfall oder TIA erlitten haben und für alle Schlaganfall- bzw. TIA-Patienten, bei denen als Komorbidität eine kardiovaskuläre Erkrankung vorliegt (Klasse-1-Empfehlung).

Bewusstsein fehlt

Diese Empfehlungen werden aber zumindest in den USA offenbar häufig nicht befolgt, wie eine weitere ebenfalls im „Journal of the American Heart Association erschienene Analyse offenlegt. In der Untersuchung von Karen Albright und Kollegen bekamen weniger als die Hälfte der Patienten nach einem ischämischen Schlaganfall eine Statin-Therapie verordnet.

Doch selbst wenn eine solche lipidsenkende Therapie begonnen wird, setzen viele Patienten diese wieder ab. In der Analyse von Lee und Kollegen taten dies etwa ein Fünftel (18.5%) der insgesamt 45.151 Schlaganfallpatienten zwischen dem 91. und 180. Tag nach der Krankenhausentlassung; 7 % erhielten dann nur noch eine reduzierte Dosis.

Therapie beinbehalten, selbst bei niedrigem LDL

Statin-assoziierte Nebenwirkungen stellten in dieser Untersuchung wahrscheinlich nicht die Hauptursache für die Therapieabbrüche dar, da sich die Häufigkeit solcher Beschwerden zwischen den untersuchten Gruppen nicht unterschied.

Vielmehr vermuten die Studienautoren, dass eine im Studienzeitraum von dem Taiwanischen Gesundheitsministerium formulierte Empfehlung für einige der Therapieabbrüche verantwortlich ist. Die Behörde riet bei Patienten, die unter einer Statin-Therapie ein LDL-Cholesterin von <100 mg/dl oder ein Gesamtcholesterin <160 mg/dl erreichten, die Therapie einzustellen oder die Dosis zu reduzieren.

Dosisreduktion blieb folgenlos

Von einem solchen Vorgehen ist nach diesem Studienergebnis wohl abzuraten. Dagegen blieb eine Dosisreduktion in dieser Analyse überraschenderweise ohne Folgen. Das Schlaganfallrisiko blieb danach unverändert. Nach Ansicht von Lee und Kollegen könnte daher eine Dosisreduktion bei Patienten, die eine hohe oder moderate Statindosis nicht vertragen, eine mögliche Alternative darstellen. Sie weisen aber darauf hin, dass der Studienzeitraum möglicherweise zu kurz war, um potenzielle Unterschiede zwischen einer Hochdosis- und Niedrigdosis-Statin-Therapie festzustellen.

In ihrer Analyse haben die Wissenschaftler nur Patienten berücksichtigt, die nach der Klinikentlassung sonstige Medikamente zur Schlaganfall-Prophylaxe weiterhin eingenommen haben. Daher schließen sie weitestgehend aus, dass die Patienten mit fortgesetzter Statin-Therapie generell adhärenter waren. Vollkommen ausschließen können sie einen entsprechenden Selektionsbias aber nicht.

Literatur