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09.02.2017 | Neurologie | Nachrichten

Tabakrauchen der Haupttrigger

Erhöht Kiffen das Schlaganfallrisiko?

Autor:
Veronika Schlimpert

Cannabis steht unter Verdacht, das Auftreten von Schlaganfällen im jungen Alter zu begünstigen. In einer schwedischen Kohortenstudie hat sich dieser Zusammenhang nicht bestätigt. Demnach scheint Tabakrauchen der entscheidende Risikofaktor zu sein.

Der Konsum von Cannabis  wird in der Literatur mit dem Auftreten von Schlaganfällen besonders im jüngeren Alter in Verbindung gebracht. Doch das große Problem bei solchen zumeist retrospektiven Fallstudien ist, dass sich der Konsum nicht isoliert betrachten lässt. Bekanntlich konsumieren die meisten „Kiffer“ auch Tabak und die Droge selbst wird in der Regel zusammen mit Tabak in Form von sog. Joints geraucht. Ob also Cannabis kausal das Schlaganfallrisiko erhöht oder ob der damit einhergehende Tabakkonsum der entscheidende Risikofaktor ist, ist unklar.  

Die meisten Kiffer rauchen auch

Schwedische Wissenschaftler um Daniel Falkstedt haben nun versucht, den Zusammenhang von Cannabis-Konsum und dem Schlaganfallrisiko isoliert vom Tabakrauchen zu untersuchen. Dafür haben sie sich einen umfassenden Datensatz einer nationalen Wehrpflicht-Untersuchung zunutze gemacht. Darin wurde der Gesundheitsstatus von insgesamt 49.321 schwedischer Männer, die in einem Alter zwischen 18 und 21 Jahren zur Musterung (zwischen 1969 und 1970) einberufen worden sind, detailliert dokumentiert, also auch deren Drogenkonsum.

Kein eindeutiger Zusammenhang nach Adjustierung auf Tabakrauchen

Demnach wiesen die im jungen Alter häufig Cannabis konsumierenden Männer (> 50 Mal) zwar ein erhöhtes Risiko auf, vor dem 45. Lebensjahr einen ischämischen Schlaganfall zu erleiden (Hazard Ratio [HR] von 0,56). Nach Adjustierung auf Tabakkonsum und Alkohol schwand der Zusammenhang jedoch vollständig (HR: 0,93). Schlaganfälle vor dem 60. Lebensjahr kamen bei starken Cannabis-Konsumenten ebenfalls gehäuft vor (HR: 1,82). Aber auch hier wurde die Assoziation deutlich abgeschwächt, wenn auf Tabakkonsum adjustiert wurde (HR: 1,47).

Tabakkonsum erhöht Schlaganfallrisiko deutlich

Tabakrauchen (>20 Zigaretten pro Tag) hingegen erhöhte das Schlaganfallrisiko um das Fünffache. Dabei zeigte sich auch nach Adjustierung auf diverse Risikofaktoren eine eindeutige Dosis-Wirkungs-Beziehung. Für starken Alkoholkonsum ließ sich ebenfalls kein eindeutiger Zusammenhang mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko belegen (HR:1,56).

Somit habe diese Studie keine eindeutige Assoziation zwischen Cannabis-Konsum im frühen Erwachsenenalter und dem Auftreten eines Schlaganfalls in jüngerem Alter belegen können, resümieren Falkstedt und Kollegen. „Wichtig zu erwähnen ist der eindeutige Zusammenhang zwischen Tabak- und Cannabis-Konsum in dieser Kohorte“, fügen sie hinzu. Tatsächlich gab es nur sehr wenige Fälle, bei denen ein Schlaganfall bei einer Person aufgetreten war, die zwar viel Marijuana, aber wenig Tabak und Alkohol konsumiert hatte.

Evidenz weiter gering

Wie Falkstedt und Kollegen betonen, verdeutlicht dies die Schwierigkeit, bei solchen Studien auf potenzielle Störfaktoren zu kontrollieren: „Die Assoziation zwischen Cannabis-Konsum und Schlaganfallrisiko ist weder bei Nichtkonsumenten von Tabak und Alkohol noch bei Tabak- und Alkoholkonsumenten quantifizierbar.“

Des Weiteren fehlen in dieser Untersuchung Informationen darüber, wie sich der Konsum im weiteren Leben entwickelt hat. Ebenso gibt es keine Verlaufsdaten bzgl. des BMI, Blutdrucks usw. Natürlich ist auch fraglich, ob Teilnehmer einer Musterung ihren Drogenkonsum immer wahrheitsgetreu angeben.

Daher ist die Frage, inwieweit Cannabis das Schlaganfallrisiko unabhängig beeinflusst, wohl auch durch diese Studie endgültig nicht zu beantworten.

Literatur