Nachrichten 17.08.2018

In Deutschland sterben mehr Menschen an einem Schlaganfall als in Frankreich

In Europa versterben heute deutlich weniger Menschen an einem ischämischen Schlaganfall als noch vor 35 Jahren – allerdings nicht  in Deutschland.

In nahezu allen europäischen Ländern ist die Sterblichkeit durch zerebrovaskuläre Erkrankungen über die letzten gut 35 Jahre deutlich zurückgegangen, wie eine aktuelle Analyse der WHO-Mortalitätsdatenbank deutlich macht.

Die Todesrate für ischämische Schlaganfälle ist in einigen Ländern - darunter auch Deutschland - heute allerdings höher als noch im Jahr 1980.

Genereller Rückgang an zerebrovaskulären Erkrankungen

Die altersstandardisierte Sterberate für zerebrovaskuläre Erkrankungen ist in den 51 untersuchten Ländern seit 1980 im Schnitt um jeweils 2,7% bei den Männern und Frauen zurückgegangen (bis 2016). Den größten Rückgang hat es in Österreich, Tschechien, Estland, Luxemburg, Montenegro, Portugal und Turkmenistan gegeben (≤ –4,5% für beide Geschlechter). Als zerebrovaskuläre Erkrankung wurden hämorrhagische wie ischämische Schlaganfälle sowie Subarachnoidalblutungen definiert.

In Deutschland gingen 5,39% aller Todesfälle zwischen 1990 und 2013  auf das Konto eines Schlaganfalls; die altersstandardisierte Sterberate lag bei 72 Todesfällen pro 100.000 Einwohner bei den Männern und 64 Todesfällen pro 100.000 Einwohner bei den Frauen.

Frankreich scheint in dieser Beziehung deutlich besser dazustehen: Hier lagen die entsprechenden Sterberaten bei 57 und 44 Todesfällen pro 100.000 Einwohner (1980–2011). Für 4,78% aller Todesfälle war ein Schlaganfall verantwortlich. 

Anstieg der Todesrate bei ischämischen Schlaganfällen

Die Sterblichkeit durch ischämische Schlaganfälle ist in Deutschland sogar leicht angestiegen (+1,7%). Auch in Bosnien, Bulgarien, Montenegro, Polen, Moldawien und Kasachstan ist ein solcher Anstieg zu sehen.  

Schaut man sich die jeweiligen Zeitabschnitte allerdings genauer an, ist in Deutschland vor allem zwischen 1980 und 1982 eine deutliche Zunahme der Sterblichkeit durch ischämische Schlaganfälle zu erkennen (+ 14,9%), wohingegen zwischen 2003 und 2015 wieder ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist (– 0,9%).

Todesfälle durch hämorrhagische Schlaganfälle sind in allen untersuchten Ländern rückläufig, wobei in einigen Gegenden ein Plateau erreicht wurde.   

Was sind die Ursachen?

Eine Erklärung für den Rückgang bzw. die Zunahme der Sterblichkeit der jeweiligen Schlaganfall-Formen kann die aktuelle Statistik nicht liefern. Laut der Studienautoren könnte dies daran liegen, dass die Prävalenz gewisser Risikofaktoren in dieser Zeit gestiegen oder im Gegensatz zu früher nicht weiter gefallen ist. Übergewicht und Diabetes etwa haben in den letzten 30 Jahren zugenommen. Die einst stark abfallende Zahl an Rauchern hat in einigen Ländern ein Plateau erreicht, ebenso wie die Höhe der Cholesterinwerte.

Eine verbesserte Therapie könnte zum Rückgang der durch Schlaganfall verursachten Todesfälle beigetragen haben.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern könnten aber noch ganz andere Gründe haben. In Frankreich beispielsweise werden kardiovaskulär bedingte Todesfälle recht häufig nicht als solche codiert, sodass die wahre Zahl wahrscheinlich unterschätzt wird. Des Weiteren unterscheidet sich die Qualität der in die WHO-Mortalitätsdatenbank einfließenden Daten zwischen den jeweiligen Ländern deutlich.

Literatur

Shah R,  Wilkins E, Nichols M et al. ; Epidemiology report: trends in sex-specific cerebrovascular disease mortality in Europe based on WHO mortality data, European Heart Journal, , ehy378, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehy378