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17.11.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Wider Erwarten

Nitrat bremst Bewegungsaktivität bei Herzinsuffizienz

Autor:
Dr. Norbert Smetak

US-Forscher hatten erwartet, durch Behandlung mit einem Nitrat die körperliche Bewegungsaktivität von Patienten mit Herzinsuffizienz bei erhaltener systolischer Funktion erhöhen zu können. Doch das Gegenteil trat ein.

In dieser NEAT-HF benannten randomisierten Multicenterstudie, die doppelblind und im Crossover-Design in den USA durchgeführt wurde, haben Forscher untersucht, ob Nitrate den Bewegungsumfang bei Patienten mit HFpEF (Heart Failure with preserved Ejection Fraction) erhöhen können. Grundsätzlich werden Nitrate zur Symptomverbesserung bei Patienten mit HFpEF eingesetzt, sodass daraus geschlossen wurde, dass sich dann auch der Bewegungsumfang der Patienten verbessern könnte und dies zur Verbesserung der Herzinsuffizienz beitragen könnte.

Um diese Hypothese zu belegen, wurden die Patienten mit Brustgurt-Accelerometer ausgestattet, um den Bewegungsumfang im Alltag kontinuierlich zu ermitteln.
Eingeschlossen in die Studie wurden 110 Patienten mit NYHA II–IV Symptomen und einer EF>50%, die über sechs Wochen ein langsam auftitriertes Nitratregime (ISMN 30mg, schrittweise auf 60 mg und 120 mg pro Tag erhöht) oder Placebo erhielten und nach einer zweiwöchigen Auswaschphase crossover auf die jeweils andere Behandlung umgestellt wurden.

Primärer Endpunkt der Studie waren die durchschnittliche tägliche Menge an sogenannten Accelerometer Einheiten (AAU) unter der maximalen Dosis von 120 mg ISMN. Der Accelerometergurt musste bis auf Duschen/Baden 24 Stunden über die Gesamtstudiendauer getragen werden. Sekundäre Endpunkte waren die Stundenanzahl der Aktivität unter 120 mg; AUC für alle Dosierungen bzgl. AAU, 6-Minuten-Gehtest, QOL-Befragung über KCCQ und NT-proBNP-Level. Die Studienteilnehmer waren im Schnitt 69 Jahre mit einem Anteil von über 50% an Frauen.


Ergebnisse: In der Gruppe mit 120mg fand sich ein nicht signifikanter Trend hin zu weniger täglicher Bewegung und ein signifikanter Rückgang der Stundenanzahl an Aktivität pro Tag. Bei allen Dosierungshöhen war die Aktivität niedriger als in der Placebogruppe. Keine signifikanten Unterschiede fanden sich für die anderen sekundären Endpunkte.

Die Autoren schlossen, dass ihre Daten den Einsatz von Nitraten zur Symptomreduktion nicht unterstützen. Erklärungen für die reduzierte Bewegung wurden von den Autoren im möglicherweise erniedrigten Blutdruck gesehen, was eventuell auch zum häufigen Studienabbruch geführt hat. Die aus dem Auditorium gestellte Frage, ob die Patienten unter Nitrat häufiger Kopfschmerzen und deswegen weniger Bewegungsantrieb hatten, war nicht untersucht worden.

Nach Versagen unter anderem von Spironolacton ist dies also wieder eine Studie, die die Problematik der Therapie bei HFpEF aufzeigt. 


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. Dr. Norbert Smetak ist Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK). Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe in Kirchheim.

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