Skip to main content
main-content

24.11.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Assoziation beobachtet

Orale Antikoagulation: Droht bei „Übertherapie“ Demenz?

Autor:
Peter Overbeck

Eine zu starke Gerinnungshemmung geht bei älteren Patienten mit Vorhofflimmern, die gleichzeitig Plättchenhemmer erhalten, möglicherweise mit einem erhöhten Demenzrisiko einher. Auf eine entsprechende Assoziation stießen US-Untersucher bei einer retrospektiven Datenanalyse.

In welcher Beziehung steht eine „Übertherapie“ mit oralen Antikoagulanzien bei Vorhofflimmern zum Risiko für eine künftige Demenz-Entwicklung?

Zur Beantwortung dieser Frage hat eine Forschergruppe um Dr. Jared Bunch vom Intermountain Medical Center in Murray im US-Bundesstaat Daten von 1031 Patienten mit Vorhofflimmern – die meisten waren älter als 70 Jahre – retrospektiv ausgewertet.

Zu Beginn keine Demenz

Die Teilnehmer boten initial keine Anzeichen für eine bestehende Demenz. Alle waren mit einem Vitamin-K-Antagonisten (Warfarin) und gleichzeitig mit einem Plättchenhemmer (zu 95 Prozent ASS) behandelt worden.
Bunch hat die Ergebnisse beim AHA-Kongress in Chicago vorgestellt.
Die Studienteilnehmer wurden in drei Kategorien unterteilt. Eine „Übertherapie“ lag definitionsgemäß dann vor, wenn die INR-Werte in mehr als 25 Prozent der Zeit höher als 3 waren – was bei 240 Patienten der Fall war. Weitere 374 Patienten hatten in weniger als 10 Prozent der Zeit und 410 Patienten in 10 bis 25 Prozent der Zeit supratherapeutische INR-Werte.

Signifikanter Unterschied beim Demenzrisiko

Nach multiplen Adjustierungen für Unterschiede zwischen den Gruppen kamen Bunch und seine Kollegen zu dem Ergebnis, dass Patienten, deren INR-Werte am häufigsten im Bereich über 3 lagen, ein mehr als doppelt so hohes Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz hatten als Patienten, bei denen entsprechend hohe INR-Werte in weniger als 10 Prozent der Zeit gemessen wurden. Der Unterschied war signifikant.
Ein kausaler Zusammenhang zwischen supratherapeutischer Gerinnungshemmung bei Vorhofflimmern und Demenz ist mit dem Ergebnis einer retrospektiven Analyse allerdings nicht zu beweisen.

Risiko auch bei Behandlung mit DOAC?

Die analysierten Daten stammen aus einer Zeit, in der neue direkte orale Antikoagulanzien (DOAC) noch nicht auf breiter Basis verfügbar waren. Ob eine Assoziation mit dem Demenzrisiko auch bei Antikoagulation mit DOAC besteht, wollen Bunch und seine Kollegen nun im nächsten Schritt untersuchen.
Pathophysiologisch könnten nach ihrer Ansicht intrazerebrale Blutungen auf mikrovaskulärer Ebene das Bindeglied zwischen oraler Antikoagulation und Demenzentwicklung sein.
 

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren