Onlineartikel 18.03.2015

PCI: Erhält transradialer Gefäßzugang endgültig Priorität?

Arm oder Leiste? In der Frage des zu wählenden vaskulären Zugangswegs für Herzkatheter-Eingriffe sind die Kardiologen bisher gespalten. Doch eine neue Studie könnte nun dafür sorgen, dass der Zugang über die A. radialis endgültig in den Rang des bevorzugten Gefäßzugangs erhoben wird.

An der Frage des arteriellen Zugangswegs für Koronarangiografie und perkutane Koronarintervention (PCI) scheiden sich Geister. Die mögliche Wahl zwischen Arteria femoralis und Arteria radialis fällt von Land zu Land sehr unterschiedlich aus.

Unterschiedliche Präferenzen

In Deutschland oder den USA erfreut sich der transfemorale Zugang breiter Zustimmung der Kardiologen, während die Route über die Arteria radialis die Ausnahme ist und oft auf Ablehnung stößt. In anderen europäischen Ländern wie Italien, Frankreich und in Skandinavien ist der Radialiszugang dagegen mit einem Anteil von über 50 Prozent längst tägliche Routine.

Anfang 2013 hat die Europäische Gesellschaft für Kardiologie ESC ein Zeichen gesetzt. In einem „Konsensus-Dokument" sprachen sich von der ESC mit der Begutachtung der Studienlage beauftragte Experten klar für die transradiale Route als Zugangsweg der ersten Wahl aus (Eurointervention 2013; online 28. Januar).

Für diese Empfehlung liefert die jetzt beim ACC-Kongress in San Diego vorgestellte MATRIX-Studie die bislang stärksten Argumente.

Gesamtmortalität um 28 Prozent niedriger

Ihre Ergebnisse belegen, dass der klinischen Netto-Nutzen transradialer perkutaner Koronarinterventionen (PCI) bei akutem Koronarsyndrom – festgemacht an den Ereignissen Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall sowie schwere Blutungen – signifikant höher ist als bei Eingriffen via transfemoraler Route. Maßgeblich dafür war eine signifikante Reduktion schwerer Blutungen (Bleeding Academic Research Consortium, BARC 3 oder 5) um 33 Prozent und eine signifikante Reduktion der Gesamtmortalität um 28 Prozent.

Transradialer und transfemoraler Gefäßzugang sind der MATRIX-Studie bei 8404 Patienten mit akutem Koronarsyndrom – darunter knapp 50 Prozent mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI)- verglichen worden. Bei den Studienärzten wurde streng darauf geachtet, dass sie über genügend Erfahrungen mit transradialer PCI (mindestens 75 Eingriffe im vorangegangenen Jahr waren gefordert) verfügten.

Auch schwere Blutungen signifikant reduziert

Einer von zwei co-primären Studienendpunkten war die Gesamtrate der Ereignisse Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall nach 30 Tagen. Hier gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen transradialen und transfemoralen PCIs (8,8 versus 10,3 Prozent).

Der zweite primäre Endpunkt enthielt außer den Komponenten des ersten Endpunkts auch noch schwere Blutungen als Ereignisse. In diesem Fall war die Ereignisrate nach 30 Tagen in der Gruppe mit transradialem Zugang signifikant um 17 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe (9,8 versus 11,7 Prozent).

Die Analyse der Einzelkomponenten dieses kombinierten Endpunkts ergab eine signifikante Reduktion der Gesamtsterberate (1,6 versus 2,2 Prozent) sowie eine ebenfalls signifikante Reduktion von schweren Blutungen des BARC-Typs 3 oder 5 (1,6 versus 2,3 Prozent) bei Katheterisierung via Armarterie, berichtete Studienleiter Dr. Marco Valgimigli aus Rotterdam.

Metaanalyse bestätigt Vorteile

Valgimigli präsentierte auch eine Metaanalyse einschlägiger Vergleichsstudien einschließlich RIVAL und MATRIX, die auf Daten von 19.328 Patienten mit akutem Koronarsyndrom gründet. Nach ihren Ergebnissen waren transradiale PCIs mit einer um 28 Prozent niedrigeren Mortalität und einem um 48 Prozent niedrigeren Risiko für schwere Blutungen assoziiert.

Nach Ansicht Valgimiglis ist es deshalb an der Zeit, dass der Weg über die A. radialis der bevorzugte Gefäßzugang für das invasive Management bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom wird.