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30.04.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Geringe Rezidivrate

PFO-Verschluss nach kryptogener Embolie langfristig erfolgreich

Autor:
Dr. med. Michael Huntgeburth

Beim interventionellen Verschluss eines persistierenden Foramen ovale (PFO) nach einer kryptogenen Embolie wird die Verbindung zwischen rechtem und linkem Atrium mithilfe eines Schirmchens verschlossen. Auch die aktuellen randomisierten Studien konnten die Diskussion um diese gängige Methode nicht beenden.

In einer retrospektiven Langzeitstudie die Ergebnisse aller Patienten, die an der Uniklinik Köln seit 1999 einen PFO-Verschluss erhalten haben, hinsichtlich eines erneuten neurologischen Ereignisses analysiert. Insgesamt wurden 187 Patienten (109 männlich, 78 weiblich) mit einem mittleren Alter von 51,1±13,4 Jahren, bei denen ein interventioneller PFO-Verschluss mit unterschiedlichen Okkluder-Devices durchgeführt wurde, ausgewertet. Die maximale Beobachtungszeit betrug 13,6 Jahre, die minimale ein Jahr (mittlerer Beobachtungszeitraum 5,5 Jahre).

Es wurden 146 Amplatzer®-Devices, 23 Star®-Devices, zehn Helex®-Devices sowie acht pfm-Nit-Occluder®-Devices verwendet. Die Devices wurden bei allen Patienten (100%) erfolgreich und komplikationslos implantiert. Nach dem Verschluss wurde den Patienten zusätzlich eine antithrombotische Therapie mit ASS für sechs Monate und Clopidogrel für drei Monate verordnet.

Als Indikation für den Eingriff bestand bei allen Patienten eine kryptogene Embolie mit vermuteter Ursache eines PFO. 63,6% der Patienten hatten zuvor einen Schlaganfall erlitten, 32,6% der Patienten eine transitorische ischämische Attacke (TIA) und 3,8% eine periphere Embolie. 20,3% der Patienten hatten vor dem Eingriff bereits mehr als ein embolisches Ereignis in ihrer Krankheitsgeschichte. Als prädisponierende Grunderkrankung bestanden bei 46% der Patienten eine arterielle Hypertonie, bei 32,1% eine Hypercholesterinämie und bei 4,8% ein Diabetes mellitus. 5,4% der Betroffenen litten an einer Blutgerinnungsstörung.

In der Kontroll-Echokardiografie mit Kontrastmittel sechs Monate nach der Intervention wurde bei allen Patienten (100%) in Ruhe ein vollständiger Verschluss des PFO nachgewiesen. Unter Valsalva-Manöver war bei 90,9% der Patienten kein Übertritt von Echo-Kontrastmittel zu beobachten.

Das Langzeitergebnis des PFO-Verschlusses hinsichtlich der Vermeidung weiterer embolischer Prozesse wurde mithilfe eines Telefoninterviews sowie durch Kontaktaufnahme mit den Hausärzten überprüft.

Geringe Inzidenz erneuter embolischer Ereignisse

Während des Beobachtungszeitraums trat bei sechs Patienten (3,21%, 3 männlich, 3 weiblich) ein weiteres neurologisches Ereignis im Sinn einer kryptogenen Embolie auf. Vier Ereignisse wurden klinisch in der kraniellen Computeromografie als transitorische ischämische Attacken klassifiziert, von denen zwei kein morphologisches Korrelat im CT/MRT aufwiesen.

Bei 66,7% der Patienten mit einem erneuten Ereignis handelt es sich um Patienten unter 65 Jahren. Ein zusätzliches Vorhofseptumaneurysma war zuvor bei der Diagnose des PFO bei einem der sechs Patienten mit einem erneuten Ereignis (16,7%) diagnostiziert worden. Ein Patient der erneut Betroffenen wies zudem eine Blutgerinnungsstörung auf (Thrombophilie).

Risikofaktoren für Rezidive

Relevante Risikofaktoren für einen weiteren embolischen Vorfall waren die arterielle Hypertonie (83,3%), die Hypercholesterinämie (66,7%), eine positive Familienanamnese für Schlaganfälle/TIA (50%), ehemaliger Nikotinkonsum (50%) sowie mehr als ein neurologisches Ereignis vor dem Schirmchenverschluss (33,3%). Keiner der Patienten litt zusätzlich an einem Diabetes mellitus (0%).

Ein Restshunt, der nach sechs Monaten in der Kontrolluntersuchung unter Valsalva-Manöver festgestellt wurde, erwies sich nicht als Risikofaktor (0%).

Darüber hinaus berichteten elf Patienten (5,9%) über das Neuauftreten von Vorhofflimmern, von denen ein Patient zusätzlich eine kryptogene Embolie entwickelte.

Vier der 187 Patienten starben im Verlauf der Beobachtung aufgund von Umständen, die nicht im Zusammenhang mit thromboembolischen Ereignissen standen (Aortendissektion Stanford A, metastasiertes malignes Melanom, hyperkapnische terminale Ateminsuffizienz bei schwerer COPD, Schädelhirntrauma).

Interessanterweise gaben 68,6% der Patienten, die vor der PFO-Okklusion unter Migräne litten, eine deutliche Verringerung der Migränesymptomatik bis hin zur Migränefreiheit an.

Fazit

Unsere retrospektiven Langzeitdaten zum interventionellen PFO-Verschluss bei kryptogener Embolie an einem heterogenen Patientenkollektiv unterstützen die Resultate kürzlich publizierter randomisierter Studien hinsichtlich des geringen Risikos erneuter neurologischer Vorfälle. Ein PFO-Verschluss kann erfolgreich und komplikationsarm durchgeführt werden und weist eine geringe Rezidivrate für einen erneuten Schlaganfall bzw. eine TIA auf.

Literatur