Nachrichten 20.04.2017

Plötzlicher Herztod: Bessere Früherkennung gefordert

Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 200.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod. Risikopatienten sollten besser identifiziert werden, wird auf der DGK-Jahrestagung gefordert. Der ICD allein kann nicht die Lösung des Problems sein.

Die Zahl an plötzlichen Herztoden blieb in den letzten Jahren unverändert hoch, während die Häufigkeit anderer Herzerkrankungen rückläufig ist. Jedes Jahr sterbe im Grunde eine ganze Kleinstadt am plötzlichen Herztod, machte der diesjährige Präsident der 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Prof. Martin Borggrefe, deutlich. Das sind mehr Menschen, als an Lungenkrebs, Brustkrebs und HIV zusammen versterben.

Der Kardiologe hält es deshalb für notwendig, das Problembewusstsein für den plötzlichen Herztod sowohl in der Bevölkerung als auch in der Ärzteschaft zu stärken und die Früherkennung von Risikopatienten zu verbessern.

ICD kann nicht die einzige Lösung sein

Der implantierbare Defibrillator (ICD) kann seiner Ansicht nach nicht die einzige Lösung des Problems darstellen. Denn in Anbetracht des Gesamtrisikos in der Bevölkerung könne der ICD nur einem Teil der von Patienten – nämlich jenen nach einem Herzinfarkt und reduzierter Auswurffraktion – einen Schutz bieten. Zudem würde fünf Jahre nach der Implantation gerade einmal bei 30 bis 35 % der ICD-Patienten ein adäquater Schock ausgelöst. Auf der anderen Seite haben 30 % der Patienten Schwierigkeiten mit der Hardware. „Deshalb muss man auch hier die Risikoerkennung verbessern“, forderte Borggrefe.

Neben einer niedrigen Auswurffraktion gibt es epidemiologischen Studien zufolge weitere Risikofaktoren, die einen plötzlichen Herztod zu begünstigen scheinen wie Diabetes, Bluthochdruck und Rauchen.

Auf Familienanamnese achten

Vor allem aber sei bei einer positiven Familienanamnese Vorsicht geboten, so Borggrefe, beispielsweise dann, wenn ein Familienmitglied vor dem 60. Lebensjahr bereits einen Herzinfarkt erlitten hat. „Denn epidemiologische Daten zeigen, dass der plötzliche Herztod auch genetisch determiniert sein kann.“ So ist der plötzliche Herztod bei unter 30-Jährigen zu etwa 50 % auf eine primäre Ionenkanalerkrankung wie ein Brugada-, Long- oder Short-QT-Syndrom zurückzuführen, bei über 40-Jährigen ist dies bei immerhin bei ca. 30 % der Fall.

Das wichtigste diagnostische Instrument, um diese Erkrankungen zu erkennen, ist Borggrefe zufolge das EKG und eben die Familienanamnese. Wenn ein 17-Jährigerer beim Schwimmen akut versterbe, dann solle man die gesamte Familie molekulargenetisch untersuchen. „Und ein solches Vorgehen erfolgt in Deutschland häufig nicht“, betonte Borggrefe. In diesen Fällen sei auch nicht immer ein ICD nötig, um die Patienten adäquat zu schützen. Beispielsweise kann beim Long-QT-Syndrom eine Betablocker-Therapie den plötzlichen Herztod effektiv verhindern. In Abhängigkeit vom Genotyp könne somit eine medikamentöse Therapie eine echte Alternative zum ICD sein, resümierte Borggrefe.

Literatur

Eröffnungs-Pressekonferenz zur 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), 19.–22. April 2017, Mannheim

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Bildnachweise
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Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen