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13.07.2016 | Plötzlicher Herztod | Nachrichten

Lebenszeitrisiko

Plötzlicher Herztod: Es trifft Männer doppelt so häufig wie Frauen

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Unabhängig vom Alter ist bei Männern das Lebenszeitrisiko für einen plötzlichen Herztod mindestens zweimal höher als bei Frauen. Dieses Risiko korreliert mit der Anzahl kardiovaskulärer Risikofaktoren und erhöhtem Blutdruck.

Erstmals wurde jetzt das Lebenszeitrisiko für den plötzlichen Herztod, ausgelegt auf eine Lebensdauer von 85 Jahren, anhand von Langzeitdaten der Framingham Heart Studie (FHS) für verschiedene Altersindexgruppen (45, 55, 65 und 75 Jahre) und gängige Risikofaktoren (Blutdruck, Cholesterinwerte, Rauchen und Diabetes) ermittelt und zwischen Männern und Frauen verglichen (J Am Heart Assoc 2016; 29. Juni 2016).

Mit der Anzahl der Risikofaktoren stieg erwartungsgemäß das Lebenszeitrisiko für einen plötzlichen Herztod bei allen Studienteilnehmern. Männer mit zwei oder mehr Risikofaktoren zeigten in jeder der analysierten Altersgruppen ein Risiko von mindestens 12 %, sodass etwa jeder achte Mann betroffen war; die meisten Todesfälle traten vor dem 70. Lebensjahr auf. Frauen hatten dagegen bezüglich kumulativer Risikofaktoren ein signifikant niedrigeres Lebenszeitrisiko für den plötzlichen Herztod, das adjustiert für alle Risikofaktorkombinationen mit bis zu 6 % nur etwa halb so hoch war.

Bluthochdruck war der verlässlichste Risikofaktor

Für beide Geschlechter und sämtliche Altersgruppen entpuppte sich der Blutdruck als bester Parameter zur Risikoprädiktion: Am höchsten war das Lebenszeitrisiko für plötzlichen Herztod mit 16,3 % bei Männern aus der Gruppe der 45-Jährigen, deren Blutdruckwerte über 160/100 mmHg lagen.

Ausgewertet wurden Daten von 2.785 Frauen und 2.294 Männern, die ihre Erstuntersuchung zur Teilnahme an der FHS zwischen 1948 und 2001 hatten und bis zu diesem Zeitpunkt keine Anzeichen kardiovaskulärer Vorerkrankungen aufwiesen. Plötzlicher Herztod war definiert als Tod binnen eine Stunde nach Auftreten von KHK-Symptomen, unter Ausschluss anderer Todesursachen nach den vorliegenden Patientendaten, und wurde durch drei Ärzte bestätigt.

Limitationen der Studie

Die Ergebnisse der Studie beschränken sich ausschließlich auf weiße Amerikaner und sind deshalb nicht auf andere Bevölkerungsgruppen übertragbar. Auch wurde bisher der Einfluss sozioökonomischer und Lebensstil-abhängiger Faktoren auf das Risiko für plötzlichen Herztod nicht untersucht. Ebenfalls nicht berücksichtigt wurden Patienten, die einen plötzlichen Herzstillstand überlebten, vielleicht weil noch andere wichtige Faktoren als die hier beurteilten eine Rolle spielten.

Nicht ganze neue Take-Home-Message

Um das Risiko für einen plötzlichen Herztod zu senken, sind beeinflussbare und bekannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck effektiv und konsequent zu therapieren. Das gilt ebenfalls für andere individuelle Risikofaktoren wie erhöhtes Cholesterin, Übergewicht, Diabetes und Rauchen. Wichtig ist die Identifikation besonderer Risikogruppen, wie Männer um die 45 Jahre, mit hohem Blutdruck oder Raucher über 65 Jahre. Auch von der Implantation von Cardioverter-/Defibrillator-Systemen können bestimmte Patienten profitieren. Die Autoren wünschen sich künftig z. B. neue Biomarker oder Gendiagnostik, um Risikoträger besser zu identifizieren und plötzliche Herztodesfälle weiter reduzieren zu können. 

Literatur

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