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21.05.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Kardiovaskuläre Risikofaktoren

Antibiotika bei Erwachsenen korrelieren mit kardiovaskulären Ereignissen

Autor:
Philipp Grätzel

Es gibt viele Gründe, mit Antibiotika sparsam zu sein. Liefert die Kardiologie auch einen? Eine neue Auswertung der Nurses‘ Health Study macht zumindest nachdenklich.

Die Nurses‘ Health Study ist eine epidemiologische Großstudie, die in mehreren Wellen schon seit 40 Jahren läuft und immer wieder interessante Zusammenhänge aufdeckt. Die jetzt im European Heart Journal publizierte Auswertung bezieht sich auf 36.429 initial gesunde Frauen, die im Mittel 7,6 Jahre nachbeobachtet wurden und von denen in diesem Zeitraum 1056 Frauen eine neue, kardiovaskuläre Erkrankung entwickelten.

Die Frauen wurden stratifiziert nach ihrem Antibiotikagebrauch in den drei Altersgruppen 20 bis 39 Jahre, 40 bis 59 Jahre und 60 Jahre oder älter. Dieser wurde auf Basis einer Befragung im Jahr 2004 ermittelt, bei der die Frauen gebeten worden waren, ihren Antibiotikakonsum aufzusummieren und die Gesamteinnahmedauer abzuschätzen. Erhöhte Antibiotikaexposition wurde definiert als mehr als zwei Monate Antibiotikatherapie in Summe, unabhängig von der jeweiligen Indikation und der jeweils eingesetzten Substanz.

Erhöhen Antibiotika das kardiovaskuläre Risiko?

Im Ergebnis zeigte sich, dass eine erhöhte Antibiotikaexposition im mittleren und höheren Erwachsenenalter, nicht dagegen im jungen Erwachsenenalter, mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko korrelierte. Das Risiko, eine kardiovaskuläre Erkrankung zu entwickeln, war jeweils um rund ein Drittel höher. Dabei wurde in einem komplexen, multivariaten Modell für Einflussgrößen aller Art adjustiert, darunter traditionelle Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen, Indikationen der Antibiotikatherapie, metabolische Parameter und Komedikationen. Die umfangreiche Adjustierung war nötig, weil die Frauen mit langer Antibiotikaexposition ein ungünstigeres kardiovaskuläres Risikoprofil hatten als die Frauen mit kürzerer Antibiotikaexposition.

Mechanistische Erklärungen für eine mögliche Erhöhung des kardiovaskulären Risikos durch Antibiotika gibt es einige. So aktivieren Antibiotika teilweise Makrophagen, was eine Atherosklerose begünstigen könnte. Auch Veränderungen am Mikrobiom könnten ungünstige kardiovaskuläre Effekte triggern. Beweisend für einen kausalen Zusammenhang zwischen Antibiotika und kardiovaskulären Ereignissen ist die epidemiologische Korrelation aus der Nurses Health Study natürlich nicht.

Literatur

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