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09.07.2017 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Hoher BMI als kardiovaskulärer Risikofaktor

Auch die Gene bestätigen: Dicksein führt zu Hypertonie und KHK

Autor:
Philipp Grätzel

Übergewicht gilt als Risikofaktor für bzw. Mitursache von kardiometabolischen Erkrankungen. Eine Biobank-Studie findet jetzt Hinweise für einen kausalen Zusammenhang mit KHK, arterieller Hypertonie und Diabetes, nicht aber mit Schlaganfall.

Bei Biobankstudien mit sogenannter Mendelscher Randomisierung werden Menschen mit etablierten Risikogenen für einen bestimmten klinischen Phänotyp, zum Beispiel erhöhtes Cholesterin oder erhöhten Body Mass Index (BMI), mit Menschen verglichen, die diese Risikogene nicht tragen. Es handelt sich um ein Instrument der epidemiologischen Forschung, mit dem Epidemiologen versuchen, sich Interventionsstudien zur  Klärung kausaler Zusammenhänge zwischen bestimmten Veränderungen und Erkrankungen anzunähern.

Gegenüber der konventionellen Epidemiologie, die beispielsweise Patienten mit und ohne erhöhten BMI  im Hinblick auf kardiovaskuläre Erkrankungen vergleicht, hat der Ansatz der Mendelschen Randomisierunge den Vorteil, dass viele Störgrößen wegfallen und damit das Verzerrungspotenzial geringer wird.

Score aus 93 Genvarianten

Für die aktuelle Studie der UK Biobank wurden knapp 120.000 Biobank-Teilnehmer anhand ihrer Gene „randomisiert“. Sie waren im Mittel 57 Jahre alt. Basis der „Randomisierung“ war ein genetischer Score, der auf 93 Genvarianten beruht, die in genomweiten Assoziationsstudien und anderen Studien mit einem erhöhten BMI vergesellschaftet waren.

Interessant wird diese Art von Studien unter anderem durch den Vergleich der genetisch definierten Kohorte mit der phänotypisch definierten Kohorte. Was die phänotypischen Korrelationen angeht, liefert die aktuelle Studie das, was viele andere Studien auch gezeigt haben und was zu erwarten war: Ein erhöhter BMI ging pro Standardabweichung (4,83 kg/m²) nach voller Adjustierung für andere Risikofaktoren mit einem um 43% höheren KHK-Risiko, einem um 75% höheren Risiko für Hypertonie, einem nahezu verdoppelten Risiko für Diabetes Typ 2 und einem um 26% erhöhten Schlaganfallrisiko einher. All das war statistisch signifikant.

In der genetisch definierten Kohorte wiederum war das mit erhöhtem BMI einhergehende Risiko einer KHK nach voller Adjustierung um 35% erhöht, das Risiko einer arteriellen Hypertonie um 64% und das eines Diabetes mellitus Typ 2 um 153%. Das war jeweils statistisch signifikant. Das Schlaganfallrisiko dagegen war nicht einmal im Trend erhöht.

Schlaganfallrisiko überschätzt?

Mit anderen Worten: Es könnte sein, dass die phänotypisch geprägte Epidemiologie das mit erhöhtem BMI einhergehende Risiko für KHK und Hypertonie relativ gut abbildet. Das Risiko für Typ-2-Diabetes könnte dagegen deutlich unterschätzt werden, während das Risiko für Schlaganfall eher überschätzt wird. Das gilt zumindest dann, wenn man der Grundannahme der Mendelschen Randomisierung folgt. Sie besagt, dass sich die beiden genetisch definierten Gruppen – in diesem Fall „BMI“-Gruppen – in relevanten anderen Einflussfaktoren zumindest deutlich weniger unterscheiden als die phänotypisch definierten BMI-Gruppen.

 

Literatur

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