Skip to main content
main-content

16.03.2017 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

ACC 2017: Neuer Biomarker entdeckt?

Ceramid-Spiegel sagen kardiovaskuläres Risiko voraus

Autor:
Veronika Schlimpert

Über die Bestimmung der Ceramide im Plasma lassen sich künftig vielleicht Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko identifizieren. Einer Studie zufolge scheint dieser potenzielle Biomarker gerade bei Patienten ohne erkennbare Koronarstenosen oder niedrigem LDL eine prognostische Aussagekraft zu haben.

Auf der Suche nach neuen Biomarker zur Vorhersage des kardiovaskulären Risikos hat sich ein weiterer Kandidat ins Gespräch gebracht. Erhöhte Ceramid-Spiegel im Plasma sprechen wohl dafür, dass die betroffene Person einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und andere kardiovaskuläre Erkrankungen ausgesetzt ist. Diese Assoziation hat sich nun in einer Studie mit knapp 500 Patienten der Mayo-Klinik in Rochester gezeigt, deren Ergebnisse im Rahmen einer Vorab-Presskonferenz der American College of Cardiology Scientific Sessions (ACC) in Washington DC vorgestellt wurden.

Signalmoleküle, die Arteriosklerose fördern

Wie der Studienleiter Dr. Jeff Meeusen erläuterte, fungieren Ceramide nicht nur als Zellmembranbestandeile, sondern können als Signalmoleküle Immunzellen anziehen, Entzündungsprozesse fördern und dadurch die Bildung von Blutgerinnsel begünstigen. Bei Kalorienüberschuss, Hyperlipidämie und Inflammation komme es zu einem Anstieg der Ceramid-Spiegel im Blut, erklärte der an der Mayo-Klinik tätige Wissenschaftler. Erhöhte Plasmawerte dieser biologisch aktiven Lipide wiederum scheinen mit der Entstehung einer Arteriosklerose in Verbindung zu stehen.

So hatten in der Studie von Meussen und Kollegen jene Personen, die die höchsten Ceramid-Spiegeln aufwiesen, ein doppelt so hohes Risiko, in dem Beobachtungszeitraum von acht Jahren einen Infarkt oder Schlaganfall zu erleiden, zu versterben oder eine Revaskularisationstherapie zu erhalten, als jene Patienten mit den niedrigsten Werten.

Prädiktiv vor allem bei Patienten ohne Stenosen und niedrigen LDL

Eine besonders hohe prognostische Aussagekraft scheinen Ceramid-Plasmaspiegel vor allem bei Patienten zu haben, bei denen sich anhand der klassischen Risikofaktoren bisher noch kein erhöhtes Risiko erkennen lässt.  So stieg das kardiovaskuläre Risiko für Patienten ohne erkennbare Stenosen in der Koronarangiografie um fast das Vierfache an, wenn sie hohe Ceramid-Spiegel aufwiesen (entsprechende Ereignisraten: 7,8 vs. 1,9%). Ähnliches war bei  Patienten mit niedrigen LDL-Spiegeln < 100 mg/dl zu beobachten, bei denen das Risiko bei hohen Ceramid-Konzentrationen ebenfalls deutlich erhöht war (16,7 vs. 3,7%).

Möglichkeit zur Risikostratifizierung

Somit könnten erhöhte Ceramid-Spiegel ein Anzeichen dafür sein, dass bei diesen Patienten, die nach der üblichen Vorgehensweise eigentlich keine Therapie bedürfen, schon gewisse Maßnahmen getroffen werden sollten. Meussen zufolge können erhöhte Werte dieser Lipide beispielsweise durch körperliche Betätigung, aber auch durch Statine gesenkt werden. 

In der Mayo-Klinik, an der die Studie durchgeführt wurde, werden entsprechende Tests zur Bestimmung der Ceramid-Plasmaspiegel bereits eingesetzt, um die Patienten hinsichtlich ihres kardiovaskulären Risikos  genauer zu stratifizieren.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise