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13.02.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Neue Analyse geht ins Detail

COMPASS-Studie: Wie effektiv eine Rivaroxaban/ASS-Kombi vor Schlaganfällen schützt

Autor:
Peter Overbeck

Eine Kombination aus „Low-dose“-Rivaroxaban plus ASS schützt Patienten mit manifester Gefäßerkrankung wirksamer vor kardiovaskulären Ereignissen als ASS alleine, hat die COMPASS-Studie gezeigt. Eine neue Analyse rückt nun speziell die präventive Wirkung auf Schlaganfälle in den Blickpunkt. 

Schlaganfälle zählten als Komponente des primären Studienendpunktes bekanntlich zu den Ereignissen, deren Inzidenz in der COMPASS-Studie durch eine kombinierte Therapie mit „Low-dose“-Rivaroxaban plus ASS signifikant stärker reduziert worden ist als durch eine plättchenhemmende ASS-Monotherapie. In einer detaillierten Analyse haben die COMPASS-Autoren nun diesen Aspekt ihrer Studie genauer beleuchtet.

Zur Erinnerung: In COMPASS wurde die Inzidenzrate für die Ereignisse kardiovaskulär verursachter Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall (primärer kombinierter Endpunkt)  durch die Behandlung mit Rivaroxaban (2,5 mg zweimal täglich) plus ASS (100 mg einmal täglich) im Vergleich zur alleinigen ASS-Therapie relativ um 24% reduziert (Hazard Ratio 0,76; p < 0,001). Im Zeitraum von knapp zwei Jahren (im Mittel 23 Monate)  waren in der Rivaroxaban/ASS-Gruppe 379 (4,1%) und in der ASS-Gruppe 496 Patienten (5,4%) von einem der drei genannten Ereignisse betroffen. Blutungen traten unter Rivaroxaban/ASS signifikant häufiger auf als unter ASS. Die Blutungsraten betrugen 3,1% und  1,9% (HR 1,70;  p < 0,001).  Für die randomisierte Studie waren weltweit insgesamt 27.395 Patienten  mit klinisch stabiler KHK oder PAVK rekrutiert worden. 

Schlaganfallrisiko um 42% reduziert 

Ausschlaggebend für die Reduktion des primären  kombinierten Studienendpunkts war neben der  Verringerung von kardiovaskulären Todesfällen (HR 0,78; p=0,02) auch eine Abnahme von  Schlaganfällen. Wie eine internationale COMPASS-Autorengruppe um Dr. Mukul Sharma vom Population Health Research Institute in Hamilton, Kanada, jetzt im Fachjournal „Circulation“ berichtet, waren im Studienverlauf 291 Teilnehmer (1,0% der Studienpopulation) von einem ischämischen oder unklaren Schlaganfall und 52 (0,2%) von einem hämorrhagischen Schlaganfall betroffen (darunter 10 Subarachnoidalblutungen). 

Die Verteilung variiert jedoch je nach Behandlungsgruppe: So wurde durch die Rivaroxaban/ASS-Behandlung das Schlaganfall-Risiko im Vergleich zur ASS-Therapie relativ um 42% reduziert (HR 0,58; 95% Konfidenzintervall [CI]  0,44 – 0,76, p<0,0001). Während im Rivaroxaban/ASS-Arm 83 Ereignisse (0,9% pro Jahr) registriert wurden, waren es im ASS-Arm 142 (1,6% pro Jahr). Die Zahl der ischämischen oder unklaren Schlaganfälle (68 vs. 132 Ereignisse; 0,7% vs. 1,4% pro Jahr) wurde durch die Kombination nahezu halbiert (HR 0,51, 95% CI 0,38 – 0,68, p<0,0001). 

Bezüglich hämorrhagischer Hirninsulte gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Rivaroxaban/ASS und ASS allein  (15 vs. 10 Ereignisse, HR 1,49, 95% CI 0,67-3,31, p=0,33). Die Rate für tödliche oder mit bleibenden Behinderungen verbundene Schlaganfälle (32 vs. 55 Ereignisse, 0,3% vs. 0,6% pro Jahr) wurde durch die Kombination signifikant um 42% verringert (HR 0,58, 95% CI 0,37-0,89, p=0,01). 

Starke Reduktion bei Patienten mit Schlagabfall in der Anamnese

Unabhängige Prädiktoren für einen Schlaganfall  waren unter anderen Bluthochdruck, Alter und Diabetes. Als stärkster Prädiktor erwies sich aber ein bereits in der Vorgeschichte aufgetretener Schlaganfall  (HR 3,63, 95% CI 2,65-4,97, p<0,0001). In der Subgruppe der 1032 Teilnehmer mit KHK oder PAVK und durchgemachtem Schlaganfall in der Anamnese war die jährliche Rate an Schlaganfall-Rezidiven mit 3,4% unter ASS allein relativ am höchsten. Im Vergleich dazu war das Risiko dieser Teilnehmer unter sekundärpräventiver Rivaroxaban/ASS-Behandlung relativ um 67% niedriger (HR 0,33, 95% CI 0,14-0,77, p=0,01).

Aus der absoluten Risikoreduktion um 2,3% pro Jahr erschließt sich, dass 43 Patienten die Kombination anstelle von ASS allein für die Dauer eines Jahres erhalten mussten, um in dieser Zeit ein Schlaganfall-Rezidiv zu verhindern (number needed to treat [NNT] 43). Mit diesem Subgruppenergebnis macht die Rivaroxaban/ASS-Kombi zweifellos als potenzielle Option für die Sekundärprävention nach Schlaganfall auf sich aufmerksam.

Literatur

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