Nachrichten 12.04.2017

Dicker Bauch begünstigt Aortenklappenstenose

Jede zehnte Aortenklappenstenose geht einer schwedischen Kohortenstudie zufolge auf Übergewicht und Fettleibigkeit zurück. Diese Fälle ließen sich womöglich verhindern, postulieren Wissenschaftler.

Wer deutlich zu viel auf den Rippen hat, schadet seiner Gesundheit, das ist mittlerweile allseits bekannt. Auch die Aortenklappe scheint von einer übermäßigen Körperfülle in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Einen solchen Zusammenhang vermuten Wissenschaftler vom Karolinska Institut in Stockholm, nachdem sie die Daten zweier prospektiver Kohorten mit insgesamt 71.817 Männer und Frauen ausgewertet haben.

Je höher der BMI der Teilnehmer zu Studienbeginn im Jahr 1997 war, desto eher entwickelten sie in den nächsten 15 Jahren eine Aortenklappenstenose. So hatten adipöse Personen mit einem BMI von ≥ 30 kg/m² ein um etwa 80% höheres Risiko als schlanke Teilnehmer (BMI: 18,5–22,5  kg/m²). Das Risiko bei Übergewicht (BMI: 25–29,9  kg/m²) war um 24% erhöht.

Übermäßiges Bauchfett  – also ein Bauchumfang von ≥ 102 cm bei Männern und ≥ 88 cm bei Frauen – ging mit einem 30%igen erhöhten Risiko für eine Aortenklappenstenose einher.

Übergewicht als wichtiger Risikofaktor

Gehe man von einem kausalen Zusammenhang aus, könnten über 10% der Fälle von Aortenklappenstenosen vermieden werden, wenn in der Bevölkerung ein BMI unter 25 kg/m² erreicht werden würden, lautet die Einschätzung der Autoren um Susanna Larsson.

Der Zusammenhang zwischen BMI und Aortenklappenstenose blieb selbst dann bestehen, wenn in der Analyse Patienten mit Diabetes, Bluthochdruck und Hypercholesterinämie ausgenommen wurden. die Studienautoren kommen daher zu dem Schluss, dass das Übergewicht hier nicht nur ein Spiegel des metabolischen Status ist, sondern unabhängig davon einen Einfluss auf den Krankheitsprozess nehmen könnte.

„Übergewicht könnte ein wichtiger Risikofaktor für eine Aortenklappenstenose sein und für einen relativ großen Anteil der Fälle verantwortlich gemacht werden“, schreiben sie.  

Trotzdem können Larsson und Kollegen nicht ausschließen, dass der beobachtete Zusammenhang durch andere Störfaktoren bedingt ist; zumal BMI und Bauchumfang nicht objektiv erfasst, sondern von den Patienten selbst angegeben wurden, und das nur einmal zu Studienbeginn.

Ihrer Ansicht nach könnten Studien mit Mendelscher Randomisierung, in der mit Übergewicht assoziierte genetische Varianten eingehen, mehr über diesen augenscheinlichen Zusammenhang verraten.  

Literatur

Larsson S, Wolk A, Hakannson N and Bäck M. Overall and abdominal obesity and incident aortic valve stenosis: two prospective cohort studies. European Heart Journal 2017;0,1–6

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Plädoyer für lipidsenkende Kombitherapie von Beginn an

Lipidsenkende Kombinationstherapie von Beginn an – das sollte zumindest bei Patienten mit sehr hohem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse heute die Standardstrategie sein, empfiehlt eine Gruppe von Lipidexperten in einem aktuellen Statement.

Nach Vorhofohrverschluss: Halbe NOAK-Dosis evtl. besser als Standard

Damit sich nach einem Verschluss des linken Vorhofohrs keine Thromben auf dem Device bilden, ist eine zeitweise antithrombotische Therapie vonnöten. Im Falle des Watchman-Devices wird hierfür ein Plättchenhemmer-basiertes Regime empfohlen. Doch es könnte eine bessere Strategie geben.  

Schwangere mit Herzfehler: Bessere Prognose als gedacht

Eine Schwangerschaft kann für Frauen mit angeborenen Herzfehlern Risiken bergen. Diese lassen sich aber relativ gut in den Griff bekommen, wenn die Betroffenen medizinisch begleitet werden, zeigt die bisher größte Studie zum Thema.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Ausschnitt einer Ergometrie eines 40-Jährigen Patienten mit gelegentlichem thorakalem Stechen. Was ist zu sehen?

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

Fehlbildung am Herzen – was sehen Sie im CT?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz September 2021/© L. Anneken, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg