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18.02.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

CAROLINA-Studie

DPP4-Hemmer Linagliptin kardiovaskulär so sicher wie Sulfonylharnstoff

Autor:
Peter Overbeck

Eine blutzuckersenkende Behandlung mit dem DPP4-Hemmer Linagliptin hat sich in einer großen Endpunktstudie in kardiovaskulärer Hinsicht als ebenso sicher erwiesen wie eine Therapie mit dem Sulfonylharnstoff Glimepirid.

Die US-Gesundheitsbehörde hat bekanntlich 2008 die Anforderungen an neue Antidiabetika erhöht und den Nachweis zur Auflage gemacht, dass das kardiovaskuläre Risiko dadurch nicht erhöht wird. Seitdem reißt die Kette großer Sicherheitsstudien mit DPP4-Hemmern, GLP1-Analoga und SGLT2-Hemmern nicht ab.

Jüngstes Beispiel ist die CAROLINA-Studie (CARdiovascular Outcome study of LINAgliptin versus glimepiride in patients with type 2 diabetes), über deren Ausgang die Unternehmen Boehringer Ingelheim und Eli Lilly aktuell durch Bekanntgabe von „Top-Line”-Ergebnissen ohne Nennung von Zahlen zumindest im Grundsatz informieren. Danach hat die Studie ihren primären Studienendpunkt erreichen – will heißen: Gemessen an der Rate für die kombinierten Ereignisse kardiovaskulär bedingter Tod,  Myokardinfarkt und Schlaganfall war der DPP4-Hemmer Linagliptin dem Sulfonylharnstoff Glimepirid „nicht unterlegen“.

Längste Studie mit einem Gliptin

CAROLINA ist die einzige große Endpunktstudie, in der ein DPP4-Hemmer mit einem aktiven Wirkstoff statt etwa mit Placebo verglichen worden ist. Teilnehmer waren 6.033 Patienten mit  Typ-2-Diabetes und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko bzw. manifester Herz-Kreislauf-Erkrankung. Der Anteil an bereits kardiovaskulär erkrankten Patienten ist allerdings deutlich niedriger als in vorangegangenen DPP4-Hemmer-Studien wie SAVOR (mit Saxagliptin) oder EXAMINE (mit Alogliptin). Dafür ist  CAROLINA  mit einer Follow-up-Dauer von mehr als sechs Jahren die längste klinische Studie, in der je ein Gliptin auf seine kardiovaskuläre Sicherheit untersucht worden ist.

Die kompletten Ergebnisse sollen im Juni beim Kongress der American Diabetes Association (ADA) in San Francisco vorgestellt werden.

Linagliptin hatte sich schon zuvor in der randomisierten  CARMELINA-Studie als  in kardiovaskulärer Hinsicht sicheres Antidiabetikum profiliert. In dieser Studie war der DPP4-Hemmer bei  6.979 Patienten mit Typ-2-Diabetes und einem erhöhten Risiko für Herz- und/oder Nierenerkrankungen für die Dauer von 2,2 Jahren mit Placebo verglichen worden. Die kardiovaskuläre Sicherheit von Linagliptin entsprach der von Placebo.

Wie sicher sind eigentlich Sulfonylharnstoffe?

Diskussionen könnte es im Fall der CAROLINA-Studie darüber geben, wie es eigentlich um die kardiovaskuläre Sicherheit von Sulfonylharnstoffen bestellt ist. Immerhin waren Studien und Metaanalysen diesbezüglich in der Vergangenheit zu teils widersprüchlichen Ergebnissen gekommen.

Auch wird man natürlich die CAROLINA-Ergebnisse in Relation zur den Ergebnissen von Studien mit GLP1-Analoga und SGLT2-Hemmern begutachten. Eine umfangreiche Netzwerk-Metaanalyse randomisierter Studie war erst kürzlich zu dem Ergebnis gekommen, dass GLP1-Analoga und SGLT2-Hemmer in Relation zu DPP4-Hemmern oder Placebo mit einer niedrigeren Mortalität  einhergehen, während DPP4-Hemmer mit keiner Abnahme der Sterblichkeit assoziiert waren. Letzteres scheint auch die CAROLINA-Studie wieder zu bestätigen, auch wenn sie nur für den Nachweis einer „Nicht-Unterlegenheit“ konzipiert war.

Literatur

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