Nachrichten 21.02.2019

Erhöhen Fertiggerichte das Sterberisiko?

Stark verarbeitete Lebensmittel sind nicht nur ungesund, sondern können möglicherweise auch das Leben verkürzen, ergab eine französische Studie. Teilnehmer mit geringem Einkommen, niedrigem Bildungsstand und hohem BMI wählten besonders häufig Fertigprodukte.

Die Arbeitsgruppe um Dr. Laura Schnabel von der Universität Paris untersuchte im Rahmen der landesweiten Ernährungsstudie NutriNet-Santé die Essgewohnheiten von mehr als 44 000 Erwachsenen ab 45 Jahren. Im Fokus stand der mögliche Einfluss von stark verarbeiteten Lebensmitteln auf das Sterberisiko. Das Ergebnis: Ein um 10% erhöhter Konsum von Fertiggerichten war mit einer um 14% erhöhten Mortalität assoziiert. Insgesamt machten Fertigprodukte 29% der verzehrten Kalorien aus, aber nur 14% des Gesamtgewichts der Lebensmittel.

Erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten

Die Forscher definierten als Fertiggerichte (ultraprocessed food): Massenproduzierte, verzehrfertige Lebensmittel wie etwa Mikrowellengerichte, verpackte Snacks, zuckerhaltige Getränke, Süßigkeiten oder verarbeitetes Fleisch. Sie enthalten viele Kalorien, Kohlenhydrate, gesättigte Fette und Salz, aber wenig Nährstoffe. Ihnen werden viele Zusatzstoffe beigesetzt, die möglicherweise gesundheitsschädlich und potentiell krebserregend sind, so die Studienautoren.

Trotzdem verleiten günstige Preise, einfache Zubereitung und lange Haltbarkeit viele Menschen, die Produkte zu kaufen: Tendenziell vor allem jüngere Alleinlebende mit geringem Einkommen,  niedrigem Bildungsstand und hohem BMI, die wenig körperlich aktiv sind. Während des 8-jährigen Follow-ups starben 602 Teilnehmer. Laut der Forscher könnten die Zusatzstoffe, der hohe Salz- und Zuckergehalt und der niedrige Ballaststoffanteil der Lebensmittel zu einem erhöhten Risiko für chronische Krankheiten wie Dyslipidämie, Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Krebs führen. Dies erhöhe wiederum das Sterberisiko.

Konsum von Fertigprodukten nimmt zu

Das Forscherteam ermittelte die Daten für die prospektive Kohortenstudie anhand von webbasierten Fragebögen, die die Teilnehmer alle sechs Monate ausfüllten. Sie gaben ihre Ernährungsgewohnheiten an, ebenso wie Lebensstil, Größe, Gewicht, körperliche Aktivität und soziodemographische Daten. Daraus berechneten die Forscher während des 8-jährigen Follow-ups den Anteil der Fertiggerichte an der gesamten Ernährung.

Einschränkungen der Studie sind, dass die Teilnahme daran freiwillig war, was eher gesundheitsbewusste Teilnehmer angezogen haben könnte. Demnach könnte der Zusammenhang zwischen Fertiggerichten und Mortalität bei der restlichen Bevölkerung noch größer sein. Auch war das Follow-up möglicherweise zu kurz, um Todesfälle durch chronische Krankheiten zu erfassen, die sich erst über Jahrzehnte entwickeln.

Das Fazit der Autoren: Der Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Das könnte zu einer wachsenden Belastung durch chronische Krankheiten führen und die Gesamtsterblichkeit erhöhen.

Literatur

Schnabel L et al. Association Between Ultraprocessed Food Consumption and Risk of Mortality Among Middle-aged Adults in France. JAMA Internal Medicine 2019. doi:10.1001/jamainternmed.2018.7289

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