Skip to main content
main-content

01.11.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Reaktion auf Rote-Hand-Brief

Erhöhtes Hautkrebs-Risiko bei HCT-Therapie: DGK warnt vor Absetzen der Präparate

Ein neuer Rote-Hand-Brief hat auf Daten hingewiesen, die ein vermehrtes Auftreten von Basalzell- und Plattenepithelkarzinomen bei mit Hydrochlorothiazid behandelten Bluthochdruckpatienten vermuten lassen. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie warnt eindringlich davor, Medikamente aufgrund dieser Studienergebnisse abzusetzen. 

Hydrochlorothiazid (HCT) ist einer der am häufigsten verschriebenen Wirkstoffe zur Behandlung der arteriellen Hypertonie an der in Deutschland Schätzungen zufolge etwa 30-40 Millionen Menschen leiden. Circa 45% dieser Patienten erhalten blutdrucksenkende Präparate, die HCT enthalten. 

Daten deuten auf erhöhtes Risiko für weißen Hautkrebs hin

Auf Basis von Daten aus dem dänischen Krebsregister und dem nationalen Verschreibungsregister zeigen zwei neue Studien aus Dänemark einen kumulativen dosisabhängigen Zusammenhang zwischen HCT und nicht-melanozytärem Hautkrebs (NMSC). Je nach Region erkranken in Europa zwischen 1 und 34 pro 100.000 Einwohnern an einem Plattenepithelkarzinom (SCC) und zwischen 30 und 150 von 100.000 Menschen an einem Basalzellkarzinom (BCC). Je nach Höhe der kumulativen Dosis HCT könnte sich dieses Risiko – so die Rückschlüsse aus den beiden dänischen Studien – um das 1,3-fache für BCC und das zwischen 4- bis 7,7-fache für SCC erhöhen. 

Antihypertensiva auf keinen Fall absetzen!

Trotz dieser Daten warnen Experten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ausdrücklich davor, HCT-haltige Medikamente abzusetzen. „Wie außerordentlich wichtig eine blutdrucksenkende Therapie ist, zeigen uns belastbare Studiendaten“, erklärt Prof. Dr. Felix Mahfoud vom Universitätsklinikum des Saarlandes. „Pro Senkung des systolischen Praxis-Blutdrucks um 10 mmHg sinkt auch die Sterblichkeit, und zwar um 13%. Das relative Risiko, dass Patienten einen Schlaganfall erleiden oder eine Herzinsuffizienz entwickeln, verringert sich sogar um 30 %. Die Medikamente abzusetzen, ist also mit großen Risiken verbunden (Lancet 387: 957, 2016).“ 

Die Ergebnisse der dänischen Studie sind außerdem nur begrenzt aussagekräftig, gibt DGK-Pressesprecher Prof. Dr. Michael Böhm zu bedenken: „Den Autoren lagen keine Informationen über die Sonnenexposition der Patienten vor, die ein Basal- oder Epithelzellkarzinom entwickelt hatten. Genauso wenig bekannt waren Daten zur familiären Prädisposition. Beide Faktoren sind aber äußerst wichtig für die Entstehung dieser Art von Karzinomen. Außerdem gibt es einen Zusammenhang zwischen Krebsrisiko und Hochdruck an sich (Hypertension 59: 802, 2012).“ 

Welche Alternativen zu HCT gibt es?

Neben Hydrochlorothiazid sind auf dem Markt andere Diuretika verfügbar, die eine mindestens gleich gute Wirksamkeit aufweisen. Prof. Dr. Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum Leipzig warnt allerdings vor einem voreiligen Wechsel der Präparate: “Die von den aktuellen Leitlinien empfohlenen Kombipräparate aus beispielsweise AT1-Rezeptorantagonisten und Diuretika enthalten fast immer HCT. Von den kombinierten Präparaten zu Einzelpräparaten zu wechseln, sollte aber nur wenigen Patienten geraten werden, weil Kombipräparate nachweislich die Therapietreue der Patienten erhöhen und somit für eine deutlich effektivere Senkung des Blutdrucks sorgen.“ 

Prof. Mahfoud ergänzt: „Bei einem Patienten mit einer Hautkrebsvorerkrankung oder auch einem Auftreten von Hautkrebs ist ein Wechsel zu alternativen Wirkstoffen ohne Frage angeraten. Auch aufgrund der weniger ausgeprägten Blutdrucksenkung von HCT, ist es ausgesprochen wichtig, dass in Zukunft Kombipräparate mit Diuretika wie Indapamid oder Chlorthalidon auch in Deutschland verfügbar werden.“ 

Was können Patienten zur Verringerung des Hautkrebsrisikos tun?

Patienten, die den Wirkstoff HCT einnehmen, sollten ihre Haut auf Veränderungen insbesondere an bestehenden Läsionen untersuchen und gegebenenfalls ein Hautkrebs-Screening bei einem Facharzt vornehmen lassen. Präventiv sollten sie außerdem einen angemessenen Sonnenschutz verwenden und eine übermäßige Exposition gegenüber Sonnenlicht und UV-Strahlen vermeiden. 

Vor allem aber sollten Blutdruckmedikamente weiterhin gemäß dem Behandlungsplan eingenommen werden. „Eine Verunsicherung der Patienten ist nachvollziehbar“, so Prof. Böhm. „Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass ein unbehandelter und unkontrollierter Bluthochdruck lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann.“

 

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Non-Compaction-Kardiomyopathie oder nicht? Knifflige Fälle aus dem klinischen Alltag

Non-Compaction-Kardiomyopathien sind nicht immer eindeutig von anderen Formen abzugrenzen. In seinem Vortrag geht Prof. Dr. Benjamin Meder, Heidelberg, auf die unterschiedliche Ätiologie und Diagnostik ein und stellt verschiedene schwierige Fälle vor. 

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Das Wichtigste in Kürze zur hypertrophischen Kardiomyopathie

2014 wurde erstmals eine ESC-Leitlinie zur hypertrophischen Kardiomyopathie (HCM) publiziert. Prof. Dr. Nobert Frey, Kiel, fasst das Wichtigste zu Differentialdiagnose und Therapie der HCM zusammen, erläutert die Kriterien für den Einsatz eines ICD-Systems und gibt Tipps für den ärztlichen Alltag. 

Aus der Kardiothek

18.03.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patient mit mehreren Koronarinterventionen – worauf zeigt der Pfeil?

Koronarangiografie und optische Kohärenztomografie (OCT) bei einem 46-jährigen Patienten mit Zustand nach mehreren früheren Koronarinterventionen. Was ist zu sehen?

04.02.2019 | Quiz | Onlineartikel

Mann mit Dyspnoe – was sehen Sie im CT?

Kardiale Computertomographie bei einem 63-jährigen Patienten mit Dyspnoe. Was ist zu sehen?

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Non-Compaction-Kardiomyopathie oder nicht? Knifflige Fälle aus dem klinischen Alltag

Non-Compaction-Kardiomyopathien sind nicht immer eindeutig von anderen Formen abzugrenzen. In seinem Vortrag geht Prof. Dr. Benjamin Meder, Heidelberg, auf die unterschiedliche Ätiologie und Diagnostik ein und stellt verschiedene schwierige Fälle vor. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise