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09.08.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Kardiotoxische Krebstherapien

Früher Brustkrebs: Bei jeder zwanzigsten Frau geht die Therapie aufs Herz

Autor:
Philipp Grätzel

Knapp eine von zwanzig Patientinnen mit invasivem, noch nicht metastasiertem Brustkrebs zeigt Hinweise für mit der Krebstherapie assoziierte Herzschäden. Die vor allem bei Trastuzumab empfohlene Überwachung der Herzfunktion erfolgt aber nicht konsequent.

Für die jetzt in der Zeitschrift JACC: Cardiovascular Imaging publizierte Analyse wurden die elektronischen Patientendatensätze von über 16.000 Frauen mit neu diagnostiziertem Brustkrebs ausgewertet, die innerhalb von sechs Monaten nach Diagnose eine Antitumortherapie erhalten hatten. Im Mittel waren die Patientinnen 56 Jahre alt. Jede vierte erhielt den HER2-Antikörper Trastuzumab, für den – ähnlich wie für Anthrazykline – bekannt ist, dass er die Herzfunktion beeinträchtigen kann.

Herzinsuffizienz 8 Jahre später

Kardiotoxizität war definiert als neu aufgetretene Herzinsuffizienz nach Brustkrebsdiagnose. Was die Diagnosemodalitäten anging, gab es keine Vorgaben. Die Patientinnen konnten, mussten aber nicht symptomatisch sein. 

Insgesamt entwickelten 692 Patientinnen oder 4,2% der Gesamtkohorte eine neue Herzinsuffizienz. Diese trat im Median acht Monate nach Therapiebeginn auf.

Trastuzumab und Anthrazykline wirkten kardiotoxisch

Dabei gab es eine klare Korrelation mit der Einnahme von Trastuzumab: 8,3% der Frauen, die Trastuzumab-basierte Therapien bekamen, entwickelten eine Herzinsuffizienz, gegenüber nur 2,7% der Frauen mit anderen Antitumortherapien ohne Trastuzumab (p<0,001). Auch bei den Anthrazyklinen war der Unterschied signifikant, aber mit Quoten von 4,6% vs 4,0% weit weniger deutlich (p=0,048).

Wer besonders gefährdet war

In der Stratifizierung zeigte sich, dass das kardiale Risiko bei Frauen mit Hypertonie, mit Herzklappenerkrankungen und generell mit vielen Komorbiditäten erhöht war. Das Risiko stieg außerdem mit dem Alter: Jenseits der 64 entwickelten 8,3% aller Patientinnen nach Beginn der Antitumortherapie eine Herzinsuffizienz. Bei den 50- bis 64-jährigen waren es 3,5% und bei den 36- bis 49-jährigen 2,9%.

Nur wenige Frauen wurden leitliniengerecht überwacht 

Anhand ihrer Datenbank konnten die Wissenschaftler vom MD Anderson Cancer Center in Houston, Texas, auch erkennen, wie konsequent die Herzfunktion bei den Brustkrebspatientinnen überwacht wurde. Eine solche Überwachung der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) wird in Leitlinien für Patientinnen, die Trastuzumab erhalten, empfohlen und ist auch Bestandteil der Fachinformation. 

Zumindest in dieser US-Studie erfolgte eine leitliniengemäße Überwachung dennoch nur bei knapp der Hälfte der Frauen, die Trastuzumab erhielten.

Literatur

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Quelle:

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