Nachrichten 26.07.2019

Gefäßerkrankungen nach Rauchstopp: Risiko für PAVK bleibt am längsten erhöht

Rauchen ist ein stärkerer Risikofaktor für Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) als für Koronare Herzkrankheit (KHK) und Schlaganfall, legt eine neue Studie nahe. Nach Rauchentwöhnung dauert es deutlich länger bis sich das PAVK-Risiko wieder normalisiert.

Forscher der Universität Baltimore untersuchten die Auswirkungen von Tabakrauchen auf das Risiko für Koronare Herzkrankheit (KHK), Schlaganfall und Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Sie fanden heraus, dass das relative Risiko von Rauchern für PAVK mehr als doppelt so hoch war wie ihr Risiko für KHK und Schlaganfall. Zudem wollte die Arbeitsgruppe wissen, wie reversibel die Schädigungen sind, wenn die Betroffenen das Rauchen aufgeben. Das Ergebnis: Während sich das KHK-Risiko nach zwanzig rauchfreien Jahren und das Schlaganfallrisiko innerhalb von fünf bis zwanzig Jahren normalisierte, dauerte es beim PAVK-Risiko rund 30 Jahre.

Mehr als 13.000 Patienten über 26 Jahre beobachtet

Die Forscher um Dr. Kunihiro Matsushita von der John Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore beobachteten mehr als 13.000 Patienten über 26 Jahre. Die Daten stammten aus der ARIC-Studie, einer der ersten Untersuchungen von längerfristigen Auswirkungen des Rauchens und der Rauchentwöhnung auf das Risiko für die drei genannten vaskulären Erkrankungen. Während des durchschnittlichen Follow-ups von 26 Jahren wurden 492 PAVK-Erkrankungen, 1.798 Fälle von KHK und 1.106 Schlaganfälle festgestellt. Menschen, die 35 Jahre oder länger geraucht hatten, hatten ein 5,56-fach erhöhtes Risiko für PAVK, ein 2,30-fach erhöhtes Risiko für KHK und ein 1,91-fach erhöhtes Schlaganfallrisiko im Vergleich zu Nichtrauchern.

Nach Ansicht der Studienautoren stand bisher vor allem das KHK- und Schlaganfallrisiko von Rauchern im Vordergrund, während das eigentlich höhere PAVK-Risiko noch wenig untersucht wurde. Es sei notwendig, jüngeren Rauchern bewusst zu machen, dass ihr Risiko für PAVK und weitere atherosklerotische Erkrankungen trotz Rauchstopp noch bis zu 30 Jahre erhöht sein kann.

Es ist nie zu früh oder zu spät für einen Rauchstopp

In einem Begleitkommentar schreibt Dr. Nancy Rigotti vom Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School in Boston: „Die Ergebnisse stärken die Botschaft: Es ist nie zu früh oder zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören. Nie zu spät, weil das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach einem Rauchstopp relativ schnell wieder sinkt, und nie zu früh, weil die vollständige Eliminierung des Risikos Jahrzehnte dauert – bei PAVK sogar noch länger als bei Herzinfarkt oder Schlaganfall.“

Die Studienautoren schätzen atherosklerotische Beinerkrankungen zwar als weniger schwerwiegend ein als Herz- oder Gehirnerkrankungen, betonen aber, dass mehrere neue Studien darauf hinweisen, dass die Auswirkungen von PAVK auf Mortalität und Lebensqualität mit denen von  KHK und Schlaganfall vergleichbar seien.

Literatur

Matsushita K et al. Cigarette Smoking, Smoking Cessation, and Long-Term Risk of 3 Major Atherosclerotic Diseases. Journal of the American College of Cardiology 2019. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2019.05.049

Rigotti N et al. Smoking Cessation and Cardiovascular Disease. Journal of the American College of Cardiology 2019. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2019.06.003

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Bildnachweise
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Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
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