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31.08.2017 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

ESC 2017: Überraschende PURE-Ergebnisse

Gesunde Ernährung – Fette entlastet, Kohlenhydrate unter Verdacht

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Entgegen derzeit geltenden Ernährungsempfehlungen wirkte sich der Konsum von Fetten in der großen Ernährungsstudie PURE lebensverlängernd aus. Dagegen war das Sterberisiko bei einer hohen Kohlenhydrat-Zufuhr erhöht.

Welche Ernährungsweise ist am gesündesten? Diese Frage wird immer wieder in unterschiedlichsten Ansätzen untersucht. Beim ESC-Kongress in Barcelona wurden nun die Ergebnisse einer großen prospektiven Studie namens PURE (Prospective Urban Rural Epidemiology) vorgestellt – mit einem überraschenden Ausgang.

Insgesamt 135.335 Menschen aus 18 Ländern wurden hierfür mithilfe standardisierter Fragebögen zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt und nachverfolgt.

Einen besonderen Fokus haben die Wissenschaftler um Mahshid Dehghan dabei auf die Datenerhebung aus Ländern mit geringem bzw. mittlerem Einkommen wie Südamerika, Afrika oder Teilen Asiens gelegt, da es zu deren Ernährungsweise bis dato nur wenige Daten gab.

Fettkonsum reduziert Sterblichkeit

Nach einem mittleren Follow-up von 7,4 Jahren wurden die primären Endpunkte Gesamtsterblichkeit und kardiovaskuläre Ereignisse (tödliche kardiovaskuläre Erkrankung, nicht-tödlicher Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz) untersucht. Sekundäre Endpunkte waren: alle Herzinfarkte, Schlaganfall, kardiovaskuläre und nicht-kardiovaskuläre Sterblichkeit.

Während des Beobachtungszeitraumes wurden 5.796 Todesfälle und 4.784 relevante kardiovaskuläre Ereignisse dokumentiert. Dabei stieg das Sterberisiko signifikant mit der Menge der konsumierten Kohlenhydrate. Das kardiovaskuläre Risiko blieb davon erstaunlicherweise unbeeinflusst.

Noch überraschender war, dass eine hohe Fettzufuhr mit einer um 23% signifikant niedrigeren Gesamtsterblichkeit einherging (5. vs. 1 Quintil) – dies galt für gesättigte, wie für ungesättigte Fettsäuren. Erstaunlicherweise blieb das kardiovaskuläre Risiko erneut unbeeinflusst.

Aktuelle Ernährungs-Empfehlungen überdenken

Diese Ergebnisse konterkarieren nicht nur Teile der aktuellen Leitlinien-Empfehlungen. Auch Aspekte unserer üblicherweise empfohlenen Ernährungsweise werden infrage gestellt.

Dass Kohlenhydrate in zu großen Mengen schädlich sind, ist mittlerweile sicherlich Konsens. Dass diese aber nur die Gesamtsterblichkeit, nicht aber das kardiovaskuläre Risiko negativ beeinflussen, ist sehr erstaunlich.

Gleiches gilt im Umkehrschluss für Fette. Dass Fette in jeder Darreichungsform die Gesamtsterblichkeit senken, das kardiovaskuläre Risiko davon aber unbeeinflusst bleibt, hätte vor PURE sicherlich niemand behauptet.

Natürlich handelt es sich um eine reine Beobachtungsstudie, bei der nicht auf alle Variablen adjustiert werden kann. Aber die große Zahl an nachverfolgten Patienten über einen relativ langen Zeitraum verleiht den Daten schon ein relevantes Gewicht. So bleibt es spannend, ob und wie die Ergebnisse der PURE-Studie Einzug in den praktischen Alltag der Kardiologen erhalten werden.

Literatur