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26.06.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Ernährung

Hilft Tee trinken gegen schlechte Lipidwerte?

Autor:
Veronika Schlimpert

Wer viel Tee trinkt, hat langfristig bessere Lipidwerte als Tee-Verweigerer, das hat sich immerhin in einer großen prospektiven Studie aus China gezeigt. Doch liegt’s wirklich am Tee?

„Teetrinker leben länger“, „Mit Tee gegen Krebs“ – solche Überschriften liest man in der Laienpresse tagtäglich. Zuallermeist werden dadurch falsche Hoffnungen geweckt. Die wenigsten dieser angeblichen Tatsachen fußen auf vertrauenswürdigen Studien, die eine Kausalität hinter den gezeigten Assoziationen wahrscheinlich machen.

Unter dieser Prämisse sollte man auch eine aktuelle Studie von Dr. Shue Huang und Kollegen bewerten. Die chinesischen Wissenschaftler haben immerhin über 80.000 Personen über sechs Jahre hinweg nachbeobachtet und deren Teekonsum mit dem Lipidprofil in Beziehung gesetzt, eine Randomisierung erfolgte allerdings auch hier nicht.

Geringerer HDL-Rückgang   

Das Ergebnis erweckt den Anschein: Tee trinken hilft, die Lipidwerte zu stabilisieren. Denn es zeigte sich, dass die Abnahme der HDL-Werte bei Studienteilnehmern, die vier Tassen Tee oder mehr pro Woche zu sich nahmen, innerhalb der nächsten sechs Jahre nicht so deutlich war wie bei Probanden, die kaum oder gar keinen Tee tranken; konkret sanken die Werte um 0,01 mmol/L weniger pro Jahr. 

Wie die Studienautoren berichten, ging ein HDL-Anstieg um 0,1 mmol/l in früheren Studien mit einem 13,3% geringeren kardiovaskulären Risiko einher. Das Risiko für die Tee-Trinker, innerhalb der nächsten sechs Jahre ein kardiales Ereignis zu erleiden, müsste somit um etwa 8% geringer sein.

Darüber hinaus hatten die Tee-Trinker einen geringen Anstieg des Triglyzerid/HDL-C- sowie Gesamtcholesterin/HDL-C-Verhältnisses zu verzeichnen (–0,017 bzw. – 0,015).

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Tee trinken für Menschen mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko von klinischer Bedeutung sein könnte“, resümieren die chinesischen Autoren. Noch ausgeprägter sei die gezeigte Assoziation bei den über 60-jährigen Teilnehmern, bei jenen mit einem metabolischen Syndrom und Probanden mit einem schlechten Lebensstil ausgefallen.

Aber: Keine Dosis-Wirkungs-Beziehung

Doch wie sie oft drängt sich bei solchen Studien die Frage auf: Wirkt ein hoher Teekonsum der altersbedingten Verschlechterung der Lipidspiegel wirklich kausal entgegen? 

 Nach der ersten Euphorie räumen Huang und Kollegen ein: „Wir konnten keine eindeutige Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen einem hohen Teekonsum und der Höhe der HDL C-Konzentration beobachten.“. Demzufolge sei die zu beobachtende Assoziation womöglich dem Lebensstil der Teetrinker zuzuschreiben, sprich der Teekonsum sei nur ein Marker für einen gesunden Lebensstil. Diese Einsicht brachte Huang und Kollegen dazu, eine zusätzliche nach dem Lebensstil stratifizierte Subgruppenanalyse vorzunehmen, die sie zu dem Schluss kommen ließ: „Der Lebensstil kann die beobachtete Tee-HDL-Beziehung nicht völlig erklären.“

Da grüner Tee in der aktuellen Studie einen größeren Effekt zu haben schien als schwarzer Tee, glauben die chinesischen Forscher, dass die im grünen Tee enthaltenen Polyphenole zu einer Verbesserung der Lipidwerte beigetragen haben könnten. Den sekundären Pflanzenstoffen wird eine antioxidative, antiproliferative und antiinflammatorische Wirkung nachgesagt.

Literatur

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