Nachrichten 12.04.2019

Fördert Stillen gute Cholesterinwerte im späteren Leben der Kinder?

Babys, die innerhalb der ersten drei Lebensmonate ausschließlich Muttermilch trinken, könnten im Jugendalter bessere Cholesterinwerte entwickeln. Darauf deutet eine neue chinesische Studie hin.

Muttermilch gilt als optimale Nahrung für Säuglinge: Sie fördert die Bindung zwischen Mutter und Kind, senkt das Risiko für Infektionskrankheiten und Allergien beim Baby und kann bei der Mutter das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs reduzieren. Zudem enthält sie mehr Cholesterin als Babynahrung. Jetzt untersuchten Forscher erstmals, wie sich das Stillen auf den Cholesterinspiegel der Kinder im späteren Leben auswirkt.

Stillen mit niedrigerem Cholesterinwert assoziiert

Für die Studie beobachteten die Forscher um Mary Schooling der Universität Hongkong 3261 Babys aus Hongkong von ihrer Geburt 1997 bis zu einem Durchschnittsalter von 17,5 Jahren. 7,5% der Säuglinge wurden in den ersten drei Lebensmonaten ausschließlich gestillt, 40% bekamen sowohl Muttermilch als auch Babynahrung (Formula) und 52% wurden nur mit Babynahrung gefüttert.

Die Forscher fanden heraus: Die Kinder, die als Baby gestillt worden waren, hatten als Jugendliche niedrigere Gesamtcholesterinwerte und einen niedrigeren LDL-Cholesterinspiegel als die Kinder der beiden anderen Gruppen, die Babynahrung bekommen hatten. Ob sie ausschließlich oder nur teilweise mit dem Muttermilchersatz gefüttert worden waren, machte keinen signifikanten Unterschied bezüglich des späteren LDL-Cholesterinspiegels.

Kein Zusammenhang zwischen Säuglingsernährung und BMI

Die Kinder, die ausschließlich Muttermilch getrunken hatten, hatten später außerdem niedrigere Triglyzerid-Werte als diejenigen, die nur Säuglingsnahrung erhalten hatten. Bei übergewichtigen Teenagern waren die Gesamt- und LDL-Cholesterinwerte tendenziell höher als bei normalgewichtigen Gleichaltrigen. Die Art der Säuglingsernährung hatte aber keinen Einfluss auf BMI und Fettanteil des Körpers im Jugendalter.

Eine Limitierung der Untersuchung war, dass es sich um eine relativ kleine Beobachtungsstudie handelte. Trotzdem kann nach Ansicht der Forscher das Stillen von Säuglingen zu einem gesünderen Lipidprofil im Jugendalter führen. Da Mechanismen dahinterstecken, die nicht mit Adipositas zusammenhängen, versprechen sich die Forscher davon einen langfristigen potenziellen Nutzen für die kardiovaskuläre Gesundheit. Ihre Ergebnisse unterstützen demnach die bisherige Empfehlung von Kinderärzten, Säuglinge bis zum Alter von sechs Monaten zu stillen.

Literatur

Schooling M et al. Breastfeeding in Infancy and Lipid Profile in Adolescence. Pediatrics 2019. https://doi.org/10.1542/peds.2018-3075

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