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21.06.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Große Metaanalyse

Vitamin D als Nahrungsergänzung verhindert kardiovaskuläre Ereignisse nicht

Autor:
Joana Schmidt

Lässt sich mit Vitamin-D-Substitution das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verringern? Forscher konnten jetzt in einer Metaanalyse von 21 randomisierten Studien zeigen: Das ist nicht der Fall.

Beobachtungsstudien hatten zunächst darauf hingewiesen, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert sein könnte. Das hatte zur Folge, dass viele Menschen ihre Vitamin-D-Werte testen ließen und mit der Einnahme von Vitamin-D-Tabletten Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen wollten. Jetzt widerlegten Forscher den präventiven Effekt der Supplementierung auf das Herz, indem sie 21 randomisierte Studien mit mehr als 83.000 Patienten zu dieser Fragestellung analysierten.

Supplementierung verringert kardiovaskuläres Risiko nicht

Ihr Fazit: Die Einnahme von Vitamin D über mindestens ein Jahr verringerte im Vergleich zu Placebo nicht das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskuläre und Gesamtmortalität. Die Ergebnisse waren bei Männern und Frauen sowie unterschiedlichen Vitamin-D-Dosierungen ähnlich.

Der Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und kardiovaskulären Erkrankungen wird dadurch komplizierter, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel auch die Folge kardiovaskulärer Erkrankungen sein könnte statt die Ursache, schreibt Dr. Arshed Quyyumi vom kardiologischen Institut der Emory Universität in Georgia in einem Begleitkommentar. Sonnenlicht halte den Vitamin-D-Spiegel des Körpers aufrecht, sodass Menschen, die mehr Zeit im Freien verbringen, höhere Vitamin-D-Spiegel und ein niedrigeres kardiovaskuläres Risiko haben. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Vitamin D nur eine Begleiterscheinung ist. In ähnlicher Weise könnte ein niedriger Vitamin-D-Wert einen schlechten Zustand der Leber oder der Haut wiederspiegeln und so einfach ein Marker für einen insgesamt schlechteren Gesundheitszustand sein.

Vitamin-D-Einnahme bei ausreichend hohen Werten nicht notwendig

Das Forscherteam um Dr. Mahmoud Barbarawi vom Hurley Medical Center in Flint in Michigan analysierte 21 Studien und Daten von 83.291 Patienten. 41.669 davon erhielten Vitamin-D-Tabletten und 41.622 Placebos. Sie waren durchschnittlich 66 Jahre alt, 74% waren weiblich. In 14 Studien wurde Cholecalciferol verwendet, in zweien Ergocalciferol und in dreien Vitamin-D-Analoga (Alfacalcidol, Paricalcidol und Calcitriol). Eine Einschränkung der Metaanalyse war, dass die Definition schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse zwischen den klinischen Studien variierte.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Vitamin-D-Substitution nicht zur Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen beiträgt und nicht für diesen Zweck indiziert ist. Quyyumi ergänzt in seinem Begleitkommentar: „Vitamin-D-Supplementierung bei Patienten mit einem ausreichen hohen Wert ist nicht sinnvoll. Gleichzeitig sollte betont werden, dass eine Vitamin-D-Behandlung bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung und Hyperparathyreoidismus definitiv indiziert ist. Eine solche Therapie zeigte kardiovaskuläre Vorteile wie Blutdrucksenkung, weniger Störungen des Elektrolythaushalts und insgesamt geringere kardiovaskuläre Mortalitätsraten bei Dialysepatienten.“

Literatur

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