Nachrichten 22.02.2021

Kardiales Risikoprofil und Hirnmetabolismus: Bezüge schon früh erkennbar

Schon im mittleren Lebensalter scheinen kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Hypertonie mit Veränderung des Hirnstoffwechsels einherzugehen, die den Boden für künftige kognitive Störungen bereiten könnten, legen Ergebnisse einer neuen Studie nahe.

Anzeichen für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko oder eine subklinische Atherosklerose scheinen einer Studie spanischer Forscher zufolge bei Menschen mittleren Alters bereits mit als „Hypometabolismus“ bezeichneten Veränderungen des Hirnstoffwechsels einherzugehen. Die stärkste Assoziation mit solchen metabolischen Veränderungen im Gehirn bestand dabei für den Risikofaktor Hypertonie.

Studien lieferten bereits diverse Hinweise darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen Alter, kardiovaskulären Erkrankungen und kognitiven Beeinträchtigungen bzw. Demenz geben könnte.  Eine Forschergruppe um Erstautorin Dr. Marta Cortés Canteli vom Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares (CNIC) in Madrid und Dr. Valentin Fuster, CNIC und Mount Sinai Hospital, New York, wollte herausfinden, ob sich schon Jahre vor einem möglichen Auftreten von Symptomen einer kognitiven Dysfunktion Bezüge zwischen kardiovaskulären Risikofaktoren und Veränderung im Gehirn nachweisen lassen.

Hirnmetabolismus mittels PET-Imaging quantifiziert

Für ihre Studie hat die Gruppe auf Daten der prospektiven Beobachtungsstudie PESA (Progression of Early Subclinical Atherosclerosis) zurückgegriffen, in der bei rund 4.000 asymptomatischen Personen mittleren Alters Vorkommen und Ausmaß von subklinischer Atherosklerose untersucht werden.

In einer Substudie bei 547 PESA-Teilnehmern (mittleres Alter: 50 Jahre, 82,5% Männer) mit dokumentierter subklinischer arterieller Atherosklerose ist mittels 18-Fluorodeoxyglukose-Positronen-Emissions-Tomografie (FDG-PET) auch die mit solchen Gefäßveränderungen einhergehende metabolische Aktivität speziell im Gehirn gemessen worden. Häufigste Risikofaktoren bei diesen Personen waren Dyslipidämie (60%), Rauchen (27,1%), Hypertonie (19,7%) und Diabetes (4,6%).

Hypertonie als relativ stärkster Risikofaktor

Das kardiovaskuläre Risiko der Teilnehmer ist auf Basis des 30-Jahre-Risikos in der Framingham Heart Studie (30-year Framingham Risk Score, FRS) bestimmt worden. Festgestellt wurde eine inverse Korrelation zwischen dem so ermittelten kardiovaskulären Risiko und der globalen zerebralen FDG-Aufnahme in der FDG-PET-Bildgebung. Anders gesagt: Schon im mittleren Lebensalter war die Existenz von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einem „Hypometabolismus“ in Gehirn assoziiert. Diese Assoziation war am stärksten durch das Bestehen eines Bluthochdrucks geprägt.

Auch das mittels Ultraschall quantifizierte Ausmaß an atherosklerotischen Plaques in den Karotiden (carotid atherosclerotic plaque burden) war mit einem globalen „Hypometabolismus“ im Gehirn assoziiert. Es zeigte sich, dass der mit Risikoprofil und Plaque-Belastung assoziierte „Hypometabolismus“ neuroanatomisch vorwiegend parietal und temporal lokalisiert war – also in Hirnregionen, die auch in Beziehung zur Entwicklung von Demenz gebracht werden.

Nach Ansicht der Studienautoren legen die Studienergebnisse nahe, dass das „Wechselspiel“ zwischen kardiovaskulären Risikofaktoren, Atherosklerose und verändertem Hinrmetabolismus schon relativ früh im Leben beginnt. Als Beweis für einen kausalen Zusammenhang zwischen atherosklerotischen Gefäßveränderungen und Demenz-Entwicklung können diese Ergebnisse jedoch nicht dienen.

Weiteres Argument für frühzeitige kardiovaskuläre Prävention

Für das Forscherteam um Canteli und Fuster stützen die gezeigten Assoziationen allerdings die Botschaft, dass es sich lohnen könnte, schon früh im Leben kardiovaskulären Risiken durch präventive Maßnahmen entgegenzusteuern, um außer Herz- und Gefäßerkrankungen auch der Entwicklung von kognitiven Störungen oder Demenz vorzubeugen. Ob sich solche Maßnahmen tatsächlich günstig auf die kognitive Leistungsfähigkeit im späteren Leben auswirken, muss allerdings in prospektiven Studien noch bewiesen werden.

Literatur

Cortés Canteli M. et al.: Subclinical Atherosclerosis and Brain Metabolism in Middle-Aged Individuals: The PESA Study. J Am Coll Cardiol. 2021, 77 (7) 888–898

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