Nachrichten 30.04.2020

Kardioprotektiver Nutzen von SGLT2-Hemmern: Ertugliflozin tanzt aus der Reihe

Der SGLT2-Hemmer Ertugliflozin hat sich in der VERTIS-Studie unter kardiovaskulärem Aspekt als sicher erwiesen. Eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse konnte damit aber – im Unterschied zu anderen SGLT2-Hemmern – augenscheinlich nicht erzielt werden.

Das US-Unternehmen Merck (in Deutschland: MSD) hat in einem geschäftlichen Quartalsbericht beiläufig auch den grundsätzlichen Ausgang der VERTIS-Studie publik gemacht. Danach ist das Ziel, eine „Nicht-Unterlegenheit“ von Ertugliflozin im Vergleich zu Placebo bezüglich der Inzidenz von schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen bei Risikopatienten mit Typ-2-Diabetes nachzuweisen, erreicht worden. Ertugliflozin hat sich damit unter kardiovaskulärem Aspekt als sicher erwiesen.

Nachweis der Überlegenheit verfehlt

Den Nachweis  seiner Überlegenheit als sekundärem Studienziel ist Ertuglifluzin allerdings schuldig geblieben – und zwar sowohl bezüglich des kombinierten Endpunktes kardiovaskulärer Tod plus Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz als auch bezüglich eines renalen Studienendpunktes (renal verursachter Tod, terminale Niereninsuffizienz, Verdopplung des Serumkreatinins). Dem Geschäftsbericht zufolge soll aber eine Abnahme von Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz beobachtet worden sein, auch wenn dies anscheinend kein präspezifizierter Endpunkt für die statistische Testung war.

Die detaillierten Ergebnisse sollen laut Studiensponsor Merck im Juni beim – voraussichtlich virtuell präsentierten - Kongress der American Diabetes Association (ADA) vorgestellt werden.

Einer 2018 publizierten Beschreibung des Projekts zufolge sind in der randomisierten VERTIS-Studie (Evaluation of Ertugliflozin Efficacy and Safety Cardiovascular Outcomes) insgesamt  8.238 Patienten mit Typ-2-Diabetes und manifester atherosklerotischer Gefäßerkrankung nach Zufallszuteilung mit Ertoglifluzin oder Placebo additiv zur Standardtherapie behandelt worden. Auch VERTIS steht auf der inzwischen langen Liste der klinischen Outcome-Studien, in denen neue Antidiabetika nach einer 2008 verfügten Auflage der US-Gesundheitsbehörde FDA ihre kardiovaskuläre Unbedenklichkeit zu beweisen haben.

Mit anderen SGLT2-Hemmern mehr erreicht

Diese Studien haben, was etwa die SGLT2-Hemmer betrifft,  zu partiell überraschenden Ergebnissen geführt – konnte doch gezeigt werden, dass diese neueren Antidiabetika die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse nicht nur nicht erhöhen, sondern substanziell verringern. In den Studien EMPA-REG-OUTCOME (mit Empagliflozin), CANVAS Canagliflozin) und DECLARE-TIMI-58 (mit Dapagliflozin) konnte jeweils eine präventive Wirkung nachgewiesen werden.

Vor allem die kardiovaskuläre Mortalität und Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz wurden verringert. Dapagliflozin hat sich mittlerweile zudem in der DAPA-HF-Studie als neue Option zur Prognoseverbesserung bei Herzinsuffizienz profiliert – gleichermaßen bei Patienten mit und ohne Diabetes. Für alle drei genannten SGLT2-Hemmer liegen zudem Studienbelege für renoprotektive Effekte vor.

Warum angesichts dieser Studienlage die Ergebnisse der  VERTIS-Studie mit Ertugliflozin so gar nicht ins Bild passen, ist derzeit unklar. Genaueres dazu wird sich wohl erst nach Präsentation der kompletten Studienergebnisse im Juni sagen lassen.

Literatur

Finanzbericht des US-Unternehmens Merck: Merck Announces First-Quarter 2020 Financial Results

Highlights

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

ESC-Kongress 2020

Für die virtuelle Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC) haben sich mehr als 100.000 Teilnehmer angemeldet. Die wichtigsten Änderungen der neuen Leitlinien und die praxisrelevanten Studien finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Neue Erkenntnisse zur Aortenstenose, TAVI und LAA-Verschluss

Gibt es bald ein Medikament gegen die Aortenstenose? Zumindest im Tiermodell hat ein solcher Ansatz funktioniert. Neben dieser Arbeit wurden bei der Young-Investigator Award-Sitzung weitere Studien mit interessanten Fragestellungen vorgestellt: Hilft Protamin gegen Blutungen bei TAVI? Welche TAVI-Klappen bei kleinem Annulus? Und was passiert Jahre nach einem LAA-Verschluss im TEE?

Warum hohe Omega-3-FS-Spiegel nach Herzinfarkt von Vorteil sind

Hohe Spiegel an Omega-3-Fettsäuren im Blut mögen nicht jeden Herzinfarkt verhindern – im Fall eines ST-Hebungs-Myokardinfarkts (STEMI) gehen sie gleichwohl mit einem niedrigeren Risiko für künftige kardiovaskuläre Komplikationen einher, zeigt eine neue Studie.

10 Regeln für das Management von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern

Erst kürzlich ist die neue EMAH-Leitlinie erschienen. Was für das Management der Patienten besonders wichtig ist, haben die Vorsitzenden der Taskforce nun in zehn Punkten zusammengefasst.

Aus der Kardiothek

Kardio-MRT bei 70-Jährigem – was hat der Patient?

Kardio-MRT bei 70-jährigem Patienten mit Darstellung einer kurzen Achse im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Thorax-CT bei COVID-19-Patient – worauf zeigen die Pfeile?

Natives CT des Thorax bei einem Patienten mit COVID-19-Pneumonie (kleiner Pfeil). Was ist noch zu sehen (große Pfeile)?

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Bildnachweise
DGK.Herztage 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen