Nachrichten 05.10.2016

Kardiovaskuläre Risikoreduktion bei PAVK: Ticagrelor nicht besser als Clopidogrel

In der Prävention kardiovaskulärer Ereignissen durch Thrombozytenhemmung bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) scheint Ticagrelor nicht wirksamer zu sein als Clopidogrel.

EUCLID (Examining Use of Ticagrelor in PAD) ist die größte klinische Interventionsstudie zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos speziell bei Patienten mit symptomatischer PAVK . Jetzt informiert der Studiensponsor AstraZeneca in einer aktuellen Ankündigung von „Top Line“-Ergebnissen die Öffentlichkeit über den grundsätzlichen Ausgang der Studie. Danach hatte Ticagrelor in dieser Studie keine stärkere präventive Wirkung auf die Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen als eine Behandlung mit Clopidogrel.

Mehr wird derzeit – wie bei „Top Line“-Ergebnissen üblich – nicht verraten. Die detaillierten Ergebnisse sollen im November beim Kongress der der American Heart Association (AHA) in New Orleans vorgestellt werden..

In die Studie EUCLID sind 13.885 Patienten mit symptomatischer PAVK aufgenommen worden. Sie sind in randomisierter Form zwei Gruppen zugeteilt und entweder mit Ticagrelor oder Clopidogrel behandelt worden. Ausgehend von der PLATO-Studie, die Ticagrelor bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (STEMI oder NSTEMI) eine überlegene Wirkung im Vergleich zu Clopidogrel bescheinigt hat, bestand wohl die Hoffnung, dass sich dieses Ergebnis auch bei Patienten mit PAVK reproduzieren lassen würde.

Kein signifikanter Unterschied

Daraus ist nichts geworden. Nach Angaben von AstraZeneca konnte kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Plättchenhemmern in ihrer Wirkung auf den primären Endpunkt nachgewiesen werden. Dieser Endpunkt war, wie in der PLATO-Studie, als Kombination der Ereignisse kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt und ischämischer Schlaganfall definiert.

EUCLID ist in diesem Jahr schon die zweite enttäuschende Studie mit Ticagrelor. Auch in der im Frühjahr veröffentlichten Studie SOCRATES blieb der erhoffte Erfolg aus. In dieser Studie ist Ticagrelor bei 13.199 Patienten, die nach leichtem Schlaganfall oder schwerer transienter ischämischer Attacke (TIA) keine Lysetherapie erhalten hatten, mit ASS verglichen worden. Die Sekundärprophylaxe mit Ticagrelor reduzierte bei diesen Patienten die Rate für die Ereignisse Schlaganfall, Herzinfarkt oder Tod nicht stärker als eine ASS-Prophylaxe.
 

Literatur

Pressemitteilung: AstraZeneca reports top-line results from the Brilinta EUCLID trial in patients with peripheral artery disease, vom 4. Oktober 2016

Highlights

Aktuelles zum Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

HRS-Kongress 2020 Science

Zwar musste auch die diesjährige Jahrestagung der Heart Rhythm Society in San Diego aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden, aber für Ersatz wurde gesorgt: mit HRS 2020 Science – einer dreiteiligen Online- und On-Demand-Fortbildungsreihe. 

Das könnte Sie auch interessieren

Degenerierte Klappenprothese: „Valve-in-Valve“-Implantation besser als Reoperation?

Im Fall von degenerierten Aortenklappen-Bioprothesen ist die kathetergestützte „Valve in Valve“-Implantation möglicherweise eine bessere Option als die konventionelle Reoperation. Das legen zumindest Ergebnisse einer vergleichenden Analyse von „Real World“-Daten nahe.

Rätselhafter Herzstillstand bei junger Ärztin im „Corona-Stress“

Eine 35-jährige Ärztin erlebt wegen der COVID-19-Pandemie sehr stressige Zeiten. Während einer Schicht erleidet sie einen Herzstillstand, obwohl sie völlig gesund ist. Die behandelten Ärzte stoßen auf eine bisher kaum beachtete Ursache.

Herztod-Risikokalkulator speziell für Kinder mit hypertropher Kardiomyopathie

Ein plötzlicher Herztod ist bei Kindern mit hypertropher Kardiomyopathie bisher nur schwer vorhersehbar. Ein neues Modell könnte die Risikostratifizierung für eine ICD-Implantation erleichtern.

Aus der Kardiothek

BNK-Webinar "COVID-19 - tödliche Verläufe durch mikroangiopathische Schäden?"

Woran versterben COVID-19-Patienten? Prof. Alexandar Tzankov aus Basel erläutert anhand von Autopsieberichten, welche Schädigungen des SARS-CoV-2-Virus zum Tode führen. Einige dieser Befunde überraschen.

BNK-Webinar "Das Herz nach COVID-19-Infektion"

Das Coronavirus trifft das Herz, darüber ist viel berichtet worden, doch einige Aussagen sind nur halbrichtig. Prof. Michael Böhm, Bad Homburg/Saar, geht den offenen Fragen auf den Grund und verdeutlicht an einem Fallbeispiel, welche Kollateralschäden die Coronapandemie für andere Herzpatienten haben kann.

BNK-Webinar "Neue Optionen unter COVID-19 - Videosprechstunde und anderes…"

Die Coronakrise treibt die Digitalisierung der Kardiologie voran: Videosprechstunde, Telemedizin, Apps. Ganz einfach ist die Umsetzung in die Praxis jedoch nicht. Dr. Norbert Smetak, Kirchheim unter Teck, erläutert, welche technischen, rechtlichen und finanziellen Aspekte zu beachten sind.

Bildnachweise
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Digitaler HRS-Kongress 2020/© [M] jamesteohart / Getty Images / iStock
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org