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23.03.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Kardiovaskuläres Risiko erhöht

Krebs im Kindesalter: Langzeitüberlebende leiden früher an Hypertonie und Dyslipidämie

Autor:
Philipp Grätzel

Krebserkrankungen im Kindesalter sind heute in der Regel heilbar. Es bleibt aber etwas zurück: Die CVSS-Studie zeigt, dass die Betroffenen sechs bis acht Jahre früher an Erkrankungen leiden, die das kardiovaskuläre Risiko erhöhen.

Für die Studie CVSS („Cardiac and Vascular late Sequelae in long-term Survivors of childhood cancer”) hat ein Team um Prof. Dr. Jörg Faber, Leiter der Pädiatrischen Hämatologie/Onkologie an der Universitätsmedizin Mainz, 1.002 deutsche Kinder identifiziert, die im Alter von bis zu 14 Jahren zwischen 1980 und 1990 an Krebs erkrankt und erfolgreich behandelt worden waren. Es handelte sich um Tumore des gesamten kindlichen Tumorspektrums, rund die Hälfte Leukämien und Lymphome, mit Ausnahme von Hodgkin-Lymphomen.

Die Kinder wurden jeweils 20 bis 30 Jahre nach der Tumordiagnose in den Jahren 2013 bis 2016 am Universitätsklinikum Mainz untersucht. Die umfangreiche klinische Evaluation folgte dabei den Vorgaben der an der Universität schon länger laufenden, populationsbasierten Gutenberg Gesundheits-Studie. Die Gutenberg Studie und zwei weitere deutsche, populationsbasierte Kohorten dienten auch als Vergleichsgruppen. Patienten, die in der Zwischenzeit eine Zweittumorerkrankung erlitten hatten, wurden aus der Analyse ausgeklammert.

Die Kinder hatten ihre Tumordiagnose im Mittel im Alter von 6 Jahren erhalten, und waren beim Follow-up im Mittel 34 Jahre alt. Was die Prävalenz der Risikofaktoren anging, waren die Ergebnisse deutlich: 23 Prozent der Untersuchten hatten eine arterielle Hypertonie und 28,3% eine Dyslipidämie. Das entsprach nach Adjustierung für Alters- und Geschlechtsunterschiede im Vergleich zur Gutenberg Gesundheits-Studie einer um 36 Prozent bzw. 20 Prozent erhöhten Prävalenz, was beides statistisch signifikant war.

Anders herum formuliert treten bei Menschen ohne Krebs im Kindesalter die genannten Risikofaktoren im Mittel sechs (Hypertonie) bzw. acht (Dyslipidämie) Jahre später auf. Was das langfristig für KHK, Myokardinfarkte und Schlaganfälle bedeutet, bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch offen. Günstig könnte sich auswirken, dass bei den Krebsüberlebenden nur 21,5 Prozent rauchen, während es in den bevölkerungsbasierten Kohorten jeweils um die 38 Prozent sind. Keinen Unterschied zur Normalbevölkerung gab es bei Diabetes und Übergewicht.

Auch wenn die Patienten für eine Auswertung der insbesondere atheroskleroseassoziierten kardiovaskulären Ereignisse und Erkrankungen noch relativ jung sind, wurde doch eine entsprechende Statistik angefertigt. Die Gesamtprävalenz kardiovaskulärer Erkrankungen lag bei 4,5 Prozent. Das war knapp doppelt so viel wie in den bevölkerungsbasierten Kohorten, wobei 64 Prozent der kardiovaskulären Ereignisse und Erkrankungen entweder tiefe Venenthrombosen – einer von fünfzig – oder Herzinsuffizienz – einer von achtzig – waren.

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