Nachrichten 11.11.2019

Metaanalyse: E-Zigaretten sind keine harmlose Alternative zum Tabakrauch

Die Hinweise darauf, dass beim E-Zigarettenkonsum das Risiko den Nutzen übersteigt, verdichten sich. Die negativen Effekte auf das Herz-Kreislauf-System sind nicht zu unterschätzen, legt eine aktuelle Analyse nahe.

Die Zahl der E-Zigarettenraucher ist von rund 7 Millionen im Jahr 2011 auf 41 Millionen im Jahr 2018 gestiegen. Bis 2021 sollen es mehr als 55 Millionen sein, schätzt die Weltgesundheitsorganisation -angesichts der noch nicht eindeutig geklärten Langzeitfolgen eine kritische Entwicklung. Um mehr über die Auswirkungen auf die Gesundheit herauszufinden, analysierte eine US-amerikanische Forschergruppe die wichtigsten bisherigen Studien.

Es ergaben sich dabei immer mehr Hinweise darauf, dass E-Zigaretten Herz und Blutgefäße schädigen. Das enthaltene Nikotin erhöht den Blutdruck und die Herzfrequenz. Weitere Inhaltsstoffe verursachen Arterienversteifung und systemische Entzündungsprozesse, die sich auf die Lunge auswirken und in den Blutkreislauf gelangen können.

Feinstaub in E-Zigaretten mögliche Ursache für Herzschäden

„E-Zigaretten enthalten Nikotin, Feinstaub, Metalle und Aromastoffe, nicht nur harmlosen Wasserdampf“, erläuterte der leitende Autor Prof. Loren Wold von der Ohio State University in Columbus, USA in einer Pressemitteilung der Europäischen Kardiologie-Gesellschaft (ESC). Aus Luftverschmutzungsstudien sei bekannt, dass feine Partikel (< 2,5 Mikrometer) in den Kreislauf gelangen und direkte Auswirkungen auf das Herz haben. Die Daten für E-Zigaretten weisen in diese Richtung.

Während die akuten Effekte des Vapings häufiger untersucht werden, bleiben die chronischen Folgen meist unerforscht, schreiben die Autoren. Eine Herausforderung beim Untersuchen der gesundheitlichen Auswirkungen sei auch, dass die Inhaltsstoffe und ihre Abgabe nicht standardisiert seien. Neuere Produkte liefern etwa über längere Zeiträume konzentrierteren Dampf, wodurch ältere Studien die Effekte möglicherweise unterschätzt haben.

Ein weiteres Problem sei, dass viele Firmen den Inhalt ihrer Flüssigkeiten nicht veröffentlichen mit der Begründung, er sei urheberrechtlich geschützt, so Wold. „Wir brauchen einheitliche Produkte, um die akuten und chronischen Wirkungen jedes Bestandteils einzeln und in Kombination zu untersuchen. Wir können nicht davon ausgehen, dass Inhaltsstoffe, die bei oraler Einnahme inert sind, die gleiche Wirkung haben, wenn sie eingeatmet werden“, erläuterte er.

„Das Risiko ist es nicht wert“

Nach Ansicht der Autoren belegen die Ergebnisse, dass E-Zigaretten keine ungefährliche Alternative zu Tabakrauch sind. Sie raten zu großer Vorsicht im Umgang damit bis das Gesundheitsrisiko besser erforscht ist. Suchtgefahr und negative Konsequenzen seien nicht auszuschließen. „Das Risiko ist es einfach nicht wert “, resümierte Wold.

Die Forscher weisen auch darauf hin, dass nicht geklärt sei, ob E-Zigaretten während der Schwangerschaft unbedenklich sind. Tierversuche haben bereits negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Nachkommen gezeigt. Diesbezüglich seien weitere Studien notwendig.


Literatur

Buchanan N et al. Cardiovascular Risk of Electronic Cigarettes: A Review of Preclinical and Clinical Studies. Cardiovascular Research 2019. https://academic.oup.com/cardiovascres/article-lookup/doi/10.1093/cvr/cvz256

ESC-Pressemitteilung: Electronic cigarettes are not worth the risk say scientists. 7.11.19

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Bildnachweise
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Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen