Skip to main content
main-content

20.07.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten | Onlineartikel

Weniger Herzinfarkte

Outdoor-Sport hilft selbst bei schlechter Luft

Autor:
Veronika Schlimpert

Körperliche Aktivität beugt Herzerkrankungen vor. Luftschadstoffe sind wiederum schädlich für das Herz. Ist es dann überhaupt ratsam, sich in Städten draußen zu bewegen?

Schlechte Luft ist offenbar kein Argument, sich draußen nicht zu bewegen. Die Teilnehmer einer dänischen Kohortenstudie konnten selbst bei hoher Luftbelastung ihr Herzinfarktrisiko senken, wenn sie draußen aktiv waren. 

„Die Vorteile körperlicher Aktivität in Bezug auf das Risiko für einen ersten Herzinfarkt wie auch für weitere Ereignisse werden durch eine hohe Luftverschmutzung nicht vermindert“, resümieren die Studienautoren um Dr. Nadine Kubesch.

Bei 57.053 Teilnehmern der „Danish Diet, Cancer and Health cohort“ haben die Wissenschaftler das Ausmaß der angegebenen Outdoor-Aktivitäten mit der Herzinfarkt-Rate korreliert; das mittlere Follow-up betrug 17,7 Jahre. Anhand einer Regressionsanalyse wurde daraufhin untersucht, ob die festgestellten Assoziationen durch die Stickstoffdioxid (NO2)-Belastung an den jeweiligen Wohnorten verändert wird.

Herzinfarkt-Risiko sinkt auch bei hoher Luftverschmutzung

Alle Outdoor-Aktivitäten (Sport, Radfahren und Gartenarbeit) bis auf Spazierengehen verringerten das Herzinfarktrisiko signifikant um 9% bis 15%.  Bei den Probanden, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten, senkte moderates Radfahren (0,4– 4 h/Woche) das Risiko für einen weiteren Infarkt um 31%. Radfahren, Laufen und Gartenarbeit hatten ebenfalls einen positiven, wenn auch nicht signifikanten, Effekt (9 bis 20% Reduktion).

Eine hohe Luftbelastung (NO2-Jahresmittelwert ≥ 21,0 µg/ m³) erhöhte zwar das Risiko für einen ersten Myokardinfarkt wie auch für weitere Herzinfarkte um 17% bzw. 39% im Vergleich zu Gegenden mit geringer NO2-Belastung (< 14,3  µg/ m³).

Immer noch besser als nichts zu tun

Allerdings war es selbst an Wohnorten mit mittlerer bis hoher Luftverschmutzung immer noch besser, sich draußen zu bewegen als gar nichts zu tun.

Bei bereits kardiovaskuläre vorbelasteten Patienten hatten manche Draußen-Aktivitäten (Sport, Gartenarbeit und Spazieren) dagegen eher einen negativen Effekt, wobei die Studienautoren hier zur vorsichtigen Interpretation mahnen, da die Fallzahl gering und die Ergebnisse inkonsistent seien.

Die Studienautoren weisen zudem darauf hin, dass die Erkenntnisse für Städte anwendbar seien, die eine ähnliche Luftbelastung wie Kopenhagen hätten. Nun gilt Kopenhagen eher als eine saubere Großstadt. In München beispielsweise überschreitet die NO2-Konzentration  an Hauptverkehrsstraßen häufig den empfohlenen Grenzwert von 40 µg/m³ und liegt teilweise sogar > 60 µg/m³. Ob also auch in Städten wie Tokio und Co durch Outdoor-Aktivitäten das Herzinfarkt-Risiko gesenkt werden kann, lässt sich anhand dieser Daten nicht sagen.

Generell ist es sicherlich für die Herz- und Lungengesundheit ratsam, sich nicht gerade die Hauptverkehrsstraßen zum Joggen auszusuchen, wie eine kürzlich publizierte Studie (Jogger, meidet die Straßen!) deutlich macht.  

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

Expertenrückblick auf die letzten Kongresse – das sollten Sie wissen

Fischöl ist anscheinend hochwirksam und der Mitraclip wirkt doch. Eine Expertenrunde hat in Leipzig die Highlights des diesjährigen AHA- und TCT-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

Aus der Kardiothek

09.12.2018 | Expertenvorträge | Onlineartikel

Expertenrunde diskutiert aktuelle Studienlage und die Praxisrelevanz

Eine Expertenrunde hat sich mit den Highlights des diesjährigen ESC-Kongresses auseinandergesetzt – kritisch, kurz und präzise. Was ist praxisrelevant, was nicht? 

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

04.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Knifflige Situationen nach Sonden-Extraktionen

Was tun, wenn bei Anzeichen einer Sonden-Infektion kein Erreger nachweisbar ist. Und was macht man, wenn nach der Explantation Überbleibsel (Ghosts) zu sehen sind?  Dr. Götz Buchwalsky erklärt den richtigen Umgang mit solchen Problemsituationen. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise