Nachrichten 26.06.2017

PCSK9-Inhibitor senkt LDL-C-Spiegel auch dauerhaft

In der bisher längsten Studie mit einem PCSK9-Inhibitor konnte Evolocumab seine Effektivität auch dauerhaft unter Beweis stellen. Sicherheitsbedenken gab es keine.

PCSK9-Inhibitoren stellen auch dauerhaft eine sehr wirksame und sichere lipidsenkende Therapie dar. Die bisherigen Studien mit den monoklonalen Antikörpern gingen über einen zweijährigen Beobachtungszeitraum nicht hinaus.

In der OSLER-1 Extension-Studie wurde nun die Wirksamkeit und Sicherheit von Evolocumab bei 1.324 Patienten mit Hypercholesterinämie über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren bestätigt. Diese open-label-Phase schloss sich der randomisierten kontrollierten OSLER-1-Studie an, in der der PCSK9-Inhibitor über 52 Wochen lang mit einer Standardtherapie verglichen worden war.

Im Vergleich zum Studienbeginn sank das LDL-C der mit Evolocumab behandelten Patienten innerhalb der vier Jahre im Mittel um 57% von anfänglich 133,0 auf 60 mg/dl (einschließlich der Patienten, die anfänglich nur die Standardtherapie erhielten und den PCSK9-Inhibitor erst nach den 52 Wochen injiziert bekommen haben). Nach zwei Jahren lag die LDL-C-Reduktion bei 59%.

Keine neutralisierenden Antikörper

Kein Patient hatte in dieser Zeit neutralisierende Antikörper entwickelt. Wie die Studienautoren um Michael Koren von der Harvard Medical School in Boston erläutern, besteht hier ein Unterschied zu Bococizumab, einem weiteren PCSK9-Inhibitor, der im Gegensatz zu den vollständig humanisierten Antikörpern murine Anteile enthält. Aufgrund der damit einhergehenden höheren Immunogenität entwickeln einige Patienten (ca. 7%) neutralisierende Antikörper, was die mit der Zeit nachlassende Wirksamkeit dieses PCSK9-Inhibitors erklären könnte.

In den vier Jahren kamen keine bisher unbekannten Nebenwirkungen zum Vorschein. Es traten keine neurokognitiven Beeinträchtigungen auf. Die Diabetes-Inzidenz stieg unter der Therapie nicht an (jährliche, auf die Therapiedauer adjustierte Rate an Neudiagnosen: 2,8 vs. 4,0% mit Standardtherapie).

Die Absetzrate war im Vergleich zu anderen Lipidsenkern gering. Nach einer durchschnittlichen Behandlungszeit von 44 Monaten haben die Therapie 79% der Patienten beibehalten. Zum Vergleich: Bei den Statinen liegt die Absetzrate nach drei Jahren Studien zufolge bei etwa 55%. Dies sei ein Hinweis, dass Evolocumab auch langfristig gut verträglich sei, resümieren die Studienautoren.

Literatur

Koren M; Sabatine M; Giugliano R et al. Long-term Low-Density Lipoprotein Cholesterol–Lowering Efficacy, Persistence, and Safety of Evolocumab in Treatment of HypercholesterolemiaResults Up to 4 Years From the Open-Label OSLER-1 Extension Study JAMA Cardiol. 2017;2(6):598-607. doi:10.1001/jamacardio.2017.0747; Published online March 14, 2017.

Highlights

DGK-Kongress to go

DGK.Online 2020 – der Online-Kongress der DGK: Damit Sie auch in Zeiten eingeschränkter Versammlungs- und Reiseaktivitäten immer auf dem aktuellen Stand sind. Sehen Sie Vorträge zu aktuellen Themen von führenden Experten - wann und wo immer Sie wollen.  

Corona, Covid-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Wie gefährlich sind Smartphones für Implantat-Träger?

Noch immer gibt es Bedenken, dass Mobiltelefone die Funktion von Herzschrittmachern und ICDs stören könnten. Deutsche Kardiologen haben nun untersucht, ob die Sorge bei den heutigen Smartphones gerechtfertigt ist.

Seltsame EKG-Veränderung bei COVID-19-Patientin – Ärzte rätseln über Ursache

Eine 53-jährige Frau, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hat, entwickelt auffällige EKG-Veränderungen. Die Ärzte suchen nach einer Erklärung für diesen überraschenden Befund.

HFrecEF – ein neuer Subtyp der Herzinsuffizienz?

US-Experten rücken in einem „Konsensus-Dokument“ eine spezifische Patientengruppe mit Herzinsuffizienz in den Fokus, bei der noch große Wissenslücken bestehen. Es handelt sich um Patienten, bei denen sich die zuvor erniedrigte Auswurffraktion in der Folge wieder erhöht hat.

Aus der Kardiothek

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Von den Toten lernen für das Leben"

Alle verstorbenen COVID-19-Patienten werden in Hamburg obduziert und häufig auch im CT  betrachtet. Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel gewährt einen Einblick in seine Arbeit und erläutert die Todesursachen der Patienten – mit speziellem Fokus auf das Herz.

Kardiologische Implikationen und Komplikationen von COVID-19

Sind Herzpatienten besonders gefährdet und welchen Einfluss haben ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker? Dies und mehr beantwortet Prof. Martin Möckel, Internist, Kardiologe und Notfallmediziner von der Berliner Charité.

Bildnachweise
DGK.Online 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org
Webinar Prof. Martin Möckel/© Springer Medizin Verlag GmbH