Nachrichten 25.10.2019

Rauchstopp fällt Frauen schwerer

Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen mit dem Rauchen aufhören, scheint nur halb so hoch wie bei Männern zu sein. Auch die Erschwinglichkeit von Produkten zur Rauchentwöhnung spielt eine Rolle für das Gelingen des Ausstiegs, legt eine kanadische Studie nahe.

Wer lebenslang raucht, verliert im Durchschnitt 10 Lebensjahre. Doch warum gelingt es manchen Menschen damit aufzuhören und manchen nicht? In einer Studie, die beim Canadian Cardiovascular Congress (CCC) vorgestellt wurde, untersuchten Forscher die Prädiktoren für einen erfolgreichen Rauchstopp oder das Reduzieren des Tabakkonsums bei Patienten einer Rauchentwöhnungsklinik.

Ein Viertel der Patienten wurde abstinent, fast ein Drittel halbierte den Konsum

„Frauen hatten häufiger Angstzustände oder Depressionen als Männer (41% vs. 21%), was möglicherweise den Prozess der Raucherentwöhnung störte“, so Studienautorin Dr. Carolina Gonzaga Carvalho vom St. Michael's Hospital in Toronto in einer Pressemitteilung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Auch hormonelle oder soziale Faktoren könnten eine Rolle spielen. Eine geschlechtsspezifische Analyse und Behandlung sei notwendig.

Die Analyse umfasste 233 Patienten, die eine individuelle medizinische Beratung erhielten und falls nötig Nikotinersatzprodukte verschrieben bekamen. Das Durchschnittsalter lag bei 56 Jahren, 35% waren weiblich. Nach eigenen Angaben hatten die Teilnehmer durchschnittlich 18 Zigaretten pro Tag geraucht. 66% der Patienten hatten Dyslipidämie, ebenfalls 66% hatten Bluthochdruck, 44% eine Herzerkrankung und 28% litten unter Depressionen oder Angstzuständen.

Nach sechs Monaten hatten 25% der Teilnehmer das Rauchen aufgegeben und 29% hatten die Anzahl der täglichen Zigaretten um mehr als 50% reduziert. Die Analyse ergab, dass vor allem folgende Faktoren unabhängig voneinander damit assoziiert waren: Die Anzahl der Klinikbesuche (Odds Ratio 6,35), die Wahl von Vareniclin als Nikotinersatzprodukt (OR 2,40), das weibliche Geschlecht (OR 0,49) und die Erschwinglichkeit von Medikamenten (OR 0,33).

Beratungstermine waren essentiell für erfolgreiche Rauchentwöhnung

„Die Anzahl der Klinikbesuche war der stärkste Indikator für eine erfolgreiche Raucherentwöhnung oder eine Reduktion des Konsums. Das zeigt, wie wichtig die Beratungstermine waren, bei denen auch die Medikamente überprüft und bei Bedarf angepasst wurden“, betonte Gonzaga Carvalho. Die Studie zeige auch, dass finanzielle Unterstützung für Rauchentwöhnungsprodukte sinnvoll sei.

„Unsere Botschaft an Raucher ist: Mit Hilfe ist Entwöhnung möglich. Holen Sie sich Unterstützung und nehmen Sie an einem Programm teil, bei dem unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse ein Plan zur Raucherentwöhnung entwickelt wird. Je früher, desto besser“, empfahl sie. 

Literatur

ESC-Pressemitteilung: Women find it more difficult to quit smoking. 23.10.2019.

Selby P et al. A pragmatic, randomized, controlled study evaluating the impact of access to smoking cessation pharmacotherapy coverage on the proportion of successful quitters in a Canadian population of smokers motivated to quit. BMC Public Health. doi: 10.1186/1471-2458-14-433

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Bildnachweise
Vortrag von Ch. Liebetrau/© DGK 2019
Vortrag von M. Kreußer/© DGK 2019
Late Gadolineum Enhancement im MRT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
Diskussion P. Stachon vs. R. Autschbach/© DGK 2019
Vortrag von T. Schmidt/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK