Nachrichten 20.08.2021

Senkt Zimt das kardiovaskuläre Risiko?

Zimt kann entspannend wirken, scheint den Stoffwechsel zu unterstützen und positive Effekte bei Diabetikern zu haben. Aber birgt das Gewürz auch einen Mehrwert für die Herzgesundheit? Laut einer neuen Metaanalyse ist das eher nicht der Fall.

Zimt wird seit Jahrzehnten als pflanzliches Heilmittel eingesetzt. Einige Beobachtungsstudien weisen auf positive Auswirkungen von Zimtkonsum auf Insulinsensitivität, Körperfettanteil, Hämoglobin- und Cholesterinspiegel hin, während in anderen keine solchen Effekte festgestellt werden konnten. Eine aktuelle Metaanalyse legt jetzt nahe, dass Zimt zumindest auf einige kardiometabolische Marker keinen Einfluss zu haben scheint.

Für die systematische Übersicht über die bisherige Forschung wertete ein Team um Dr. Chayakrit Krittanawong vom Baylor College of Medicine in Houston alle Studien der vergangenen Jahrzehnte aus, in denen der potenzielle Zusammenhang zwischen Zimtkonsum und kardiovaskulärem Risiko untersucht und dabei Hämoglobin- und Cholesterinwerte berücksichtigt wurden. Die 23 Studien, die diesen Kriterien entsprachen, waren „heterogen und von schlechter Qualität“, so die Forscher.

HbA1c- und Cholesterinwerte unverändert

In den meisten Untersuchungen hatten die Teilnehmer zwischen acht und zwölf Wochen Zimt konsumiert, die längste Dauer betrug sechs Monate. Bezüglich der LDL-Cholesterinwerte zeigten sich keine Unterschiede zwischen Personen, die Zimt zu sich genommen hatten und denjenigen, die darauf verzichtet hatten (gewichtete mittlere Differenz (WMD): 0,38). Auch bei den HDL-Cholesterin- und den HbA1c-Werten entdeckten die Mediziner keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen (WMD: 0,40 bzw. 0,0).

„Einige Studien weisen darauf hin, dass der Body-Mass-Index (BMI) zu Studienbeginn oder die ethnische Zugehörigkeit der Patienten beim Effekt von Zimt auf die Herzgesundheit eine Rolle spielen könnte“, berichten die Forscher um Krittanawong. Das biete Potenzial für weitere Studien. Während HbA1c-, LDL-C- und HDL-C-Werte wichtige therapeutische Ziele seien, um Begleiterkrankungen bei Diabetespatienten vorzubeugen, gebe es wenige Daten, die für eine Auswirkung von Zimt auf das Risiko für Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulär bedingten Tod sprechen.

Mögliche Effekte bei Langzeitkonsum?

„Unsere Metaanalyse legt nahe, dass kein Zusammenhang zwischen Zimtkonsum und Unterschieden bezüglich der LDL-C-, HDL-C- und HbA1c-Spiegel besteht“, lautet das Fazit von Krittanawong und Kollegen. Weitere randomisierte Studien mit einem robusten Design und langfristigem Zimtkonsum seien erforderlich, um potenzielle Auswirkungen weiter zu untersuchen.

Einschränkungen der Metaanalyse sind, dass Beobachtungsstudien ausgewertet wurden und sich die Zimtmengen sowie die Konsumdauer in den einzelnen Untersuchungen unterschieden.


 

Literatur

Krittanawong C et al. Association Between Cinnamon Consumption and Risk of Cardiovascular Health: A Systematic Review and Meta-Analysis. The American Journal of Medicine 2021. https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2021.07.019

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Was die Cholesterinwerte von Schwangeren über Herzinfarkte der Nachkommen verraten

Hypercholesterinämie in der Schwangerschaft könnte die kardiovaskuläre Gesundheit der Nachkommen im Erwachsenenalter beeinträchtigen. Forscher entdeckten unter anderem signifikante Korrelationen mit dem Auftreten schwerer Herzinfarkte.

Bestimmte Antibiotika könnten Herztod-Risiko von Dialysepatienten erhöhen

Dialysepflichtige Patienten sind besonders gefährdet, an einem plötzlichen Herztod zu versterben. Eine aktuelle Analyse legt nun nahe, dass bestimmte Antibiotika das Risiko erhöhen könnten. Was heißt das nun für die Praxis?

Screening von Sportlern: Wann eine Echokardiografie Sinn macht

Von den Leitlinien wird eine Echokardiografie als Screeningmethode bei Athleten bisher nicht empfohlen. Bei den DGK-Herztagen erläuterte ein Experte, warum ein zusätzlicher Einsatz dieser Methode Sinn machen kann – und wie sie sich sinnvoll implementieren lässt.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Ausschnitt einer Ergometrie eines 40-Jährigen Patienten mit gelegentlichem thorakalem Stechen. Was ist zu sehen?

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

Fehlbildung am Herzen – was sehen Sie im CT?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz September 2021/© L. Anneken, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg